Exit & Übernahme

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Startup kaufen: Übernahme, Anteile und 7 Prüfpunkte

Ein Startup kaufen oder Startup-Anteile erwerben: Due Diligence, Bewertung, Share oder Asset Deal und Risiken für Käufer und Anleger im Überblick.

LH

Aktualisiert am 16.10.2026

Was du beachten solltest, wenn du über den Kauf eines Startups nachdenkst!

Ein Startup kaufen – das kann zweierlei bedeuten: Du übernimmst ein junges Unternehmen ganz oder mehrheitlich, um es selbst zu führen oder in dein bestehendes Geschäft einzugliedern. Oder du kaufst Anteile beziehungsweise Startup-Aktien als Investor, ohne operativ einzusteigen. Beide Wege haben eigene Regeln, Risiken und Preislogiken.

Wenn du ein Startup kaufen willst, hilft dir dieser Ratgeber bei beiden Varianten: wo du kaufbare Startups findest, wie Due Diligence und Bewertung funktionieren, welche rechtlichen Punkte (etwa Notarpflicht und Betriebsübergang) wichtig sind und worauf du achten solltest, wenn du als Privatperson Startup-Anteile kaufen möchtest.

Startup kaufen: Übernahme oder Beteiligung?

Komplettübernahme Minderheitsbeteiligung
Ziel Unternehmen führen, integrieren, ausbauen Rendite, Zugang zu Innovation
Kontrolle Volle Entscheidungsgewalt Begrenzt, oft nur Informations- und Zustimmungsrechte
Kapitalbedarf Hoch, plus Mittel für Integration Ab kleinen Beträgen (z. B. Crowdinvesting)
Typische Käufer Unternehmen, Gründer, Nachfolger Business Angels, VCs, Privatanleger
Hauptrisiko Integration scheitert, Team geht Totalverlust, fehlende Handelbarkeit

Warum Unternehmen ein Startup kaufen

Für etablierte Firmen und erfahrene Gründer kann ein Kauf schneller sein als der Eigenaufbau. Typische Motive sind:

  • Technologie und Produkt: Fertige Lösung statt jahrelanger Eigenentwicklung
  • Markteintritt: Bestehende Kunden, Vertriebswege und Marke
  • Talente: Ein eingespieltes Team mit Spezialwissen („Acqui-hire“)
  • Wettbewerb: Einen aufstrebenden Konkurrenten früh integrieren
  • Nachfolge: Gründer wollen aussteigen, das Geschäft läuft aber weiter

Wie Zukäufe als Wachstumsstrategie funktionieren können, zeigt die Fallstudie zur 123fahrschule, die mehrere Traditionsfahrschulen übernommen hat.

Wo du ein Startup kaufen kannst

  • Nachfolgebörsen: Die vom Bundeswirtschaftsministerium getragene Plattform nexxt-change ist laut eigenen Angaben Deutschlands größte Unternehmensnachfolge-Börse.
  • Marktplätze für Online-Unternehmen: Für kleinere SaaS-, Content- oder E-Commerce-Projekte gibt es spezialisierte Plattformen.
  • M&A-Berater und Banken: Bei größeren Deals läuft der Prozess meist über Berater.
  • Netzwerk: Investoren, Acceleratoren und Gründerkontakte wissen oft früh, wer verkaufen will.

Due Diligence: Was du prüfen musst

Wer ein Startup kaufen will, beginnt mit der Due Diligence, also der sorgfältigen Prüfung des Unternehmens. Bei Startups ist sie besonders wichtig, weil viele Werte noch nicht in der Bilanz stehen.

  1. Finanzen: Umsätze, Kosten, Burn Rate, Kundenkonzentration, offene Verbindlichkeiten, Steuern
  2. Recht: Gesellschaftsvertrag, Gesellschaftervereinbarungen, Investorenrechte, laufende Streitigkeiten
  3. Geistiges Eigentum: Gehören Code, Marken und Patente wirklich der Gesellschaft? Haben Freelancer Nutzungsrechte übertragen?
  4. Produkt und Technik: Codequalität, technische Schulden, Abhängigkeit von einzelnen Entwicklern
  5. Kunden und Markt: Verträge, Kündigungsraten, Wettbewerb
  6. Team: Schlüsselpersonen, Arbeitsverträge, Mitarbeiterbeteiligungen
  7. Datenschutz und IT-Sicherheit: DSGVO-Konformität, Vorfälle, Auftragsverarbeitungsverträge

Lass dich dafür von Steuerberatern und Anwälten mit M&A-Erfahrung begleiten. Die Kosten sind überschaubar im Vergleich zu einem teuren Fehlkauf.

Bewertung: Was kostet ein Startup?

Einen festen Preis, zu dem du ein Startup kaufen kannst, gibt es nicht. Bei profitablen kleinen Unternehmen orientieren sich Käufer häufig an einem Vielfachen des Gewinns, bei wachstumsstarken Startups eher an einem Vielfachen des Umsatzes oder wiederkehrenden Umsatzes. In frühen Phasen ohne relevante Umsätze spielen Team, Technologie und Marktpotenzial die Hauptrolle.

Den Preis beeinflussen außerdem:

  • Wachstum und Planbarkeit der Umsätze
  • Abhängigkeit von den Gründern
  • Synergien, die nur für dich als Käufer entstehen
  • Wettbewerb unter mehreren Kaufinteressenten
  • Vertragsgestaltung, etwa Earn-outs (Teile des Kaufpreises abhängig von künftigen Zielen)

Rechtliche Grundlagen beim Unternehmenskauf

Share Deal oder Asset Deal

Beim Share Deal kaufst du die Gesellschaftsanteile. Das Unternehmen bleibt als Rechtsträger bestehen, inklusive aller Verträge, aber auch aller Altlasten. Die Abtretung von GmbH-Anteilen muss nach § 15 GmbHG notariell beurkundet werden.

Beim Asset Deal kaufst du einzelne Wirtschaftsgüter wie Software, Marke, Kundenstamm und Inventar. Du kannst Risiken gezielter ausschließen, musst aber Verträge einzeln übertragen. Achtung: Geht ein Betrieb oder Betriebsteil über, treten nach § 613a BGB die bestehenden Arbeitsverhältnisse automatisch mit über. Kündigungen wegen des Übergangs sind unwirksam.

Wichtige Vertragsklauseln

  • Garantien des Verkäufers zu Finanzen, Rechten und Verträgen
  • Haftungsgrenzen und Verjährung
  • Wettbewerbsverbot für die Verkäufer
  • Übergangsphase, in der Gründer an Bord bleiben

Ob eine Holding-Struktur steuerlich sinnvoll ist, erklärt der Beitrag Holding beim Startup. Die Sicht der Verkäuferseite zeigt der Erfahrungsbericht Wie läuft ein Exit ab?

Startup kaufen und finanzieren

Nur wenige Käufer zahlen den Kaufpreis komplett aus eigenen Mitteln. Üblich ist eine Kombination aus mehreren Bausteinen:

  • Eigenkapital: Banken und Förderinstitute erwarten in der Regel einen eigenen Anteil.
  • Förderkredite: Der ERP-Gründerkredit – StartGeld (067) der KfW kann auch für die Übernahme eines Unternehmens oder eine tätige Beteiligung genutzt werden; seit dem 1. Dezember 2025 sind laut KfW bis zu 200.000 Euro möglich. Der Antrag läuft über die Hausbank. Wie du dich darauf vorbereitest, liest du im Beitrag zum KfW StartGeld 2026.
  • Verkäuferdarlehen: Der Verkäufer stundet einen Teil des Kaufpreises. Das zeigt zugleich, dass er an den Erfolg glaubt.
  • Earn-out: Ein Teil des Preises wird erst fällig, wenn vereinbarte Ziele erreicht werden.

Warnsignale, wenn du ein Startup kaufen willst

Vorsicht ist angebracht, wenn der Verkäufer Unterlagen nur zögerlich herausgibt, Umsätze stark von einem einzigen Kunden abhängen, Rechte an Software oder Marke nicht sauber bei der Gesellschaft liegen oder das gesamte Wissen bei Gründern konzentriert ist, die nach dem Verkauf sofort gehen wollen. In solchen Fällen solltest du Preis und Vertragsgestaltung anpassen oder vom Kauf Abstand nehmen.

Integration nach dem Kauf

Viele Übernahmen scheitern nicht am Preis, sondern an der Zeit danach.

Plane deshalb schon vor dem Abschluss, wie Team, Produkt und Kunden integriert werden. Kläre, welche Prozesse und Tools vereinheitlicht werden, wer welche Verantwortung behält und wie du Schlüsselpersonen hältst. Unterschiedliche Unternehmenskulturen – schnelles Startup trifft strukturierten Mittelstand – sind eine häufige Bruchstelle. Offene Kommunikation in den ersten Wochen ist entscheidend.

Bewährt hat sich ein einfacher Plan für die ersten 100 Tage:

  1. Am ersten Tag Team, Kunden und wichtige Partner persönlich informieren.
  2. In den ersten Wochen Schlüsselpersonen identifizieren und Bindungsvereinbarungen treffen.
  3. Kritische Systeme wie Buchhaltung, Zugänge und Verträge sichern und übertragen.
  4. Erst danach Prozesse und Tools schrittweise vereinheitlichen.

Startup-Anteile und Startup-Aktien kaufen

Wenn du nicht übernehmen, sondern investieren willst, gibt es mehrere Wege:

  • Business Angel: Direkte Beteiligung an jungen GmbHs, meist ab fünfstelligen Beträgen, mit notarieller Beurkundung. Wie aktiv Angels in Deutschland sind, zeigt unser Beitrag über deutsche Business Angels.
  • Crowdinvesting: Beteiligungen ab kleinen Beträgen über Plattformen, oft als Nachrangdarlehen oder tokenisierte Anteile. Plattformen nach der EU-Schwarmfinanzierungsverordnung müssen nicht kundige Anleger vorab einem Kenntnistest unterziehen und gesondert warnen, wenn ein Einzelinvestment den höheren Betrag von 1.000 Euro oder 5 Prozent des Reinvermögens übersteigt.
  • Börsennotierte Wachstumsunternehmen: Einzelne junge Firmen sind börsennotiert, etwa in Segmenten für kleinere Unternehmen. Hier kannst du Aktien wie gewohnt über dein Depot kaufen.
  • Fonds und Beteiligungsgesellschaften: Breiter gestreut, aber meist mit hohen Mindestanlagen oder Gebühren.

Für alle Varianten gilt: Viele Startups scheitern. Investiere nur Geld, dessen Totalverlust du verkraften kannst, und streue auf mehrere Beteiligungen.

Häufige Fragen

Welche Startup-Aktien kann man kaufen?

Die meisten Startups sind nicht börsennotiert. Kaufen kannst du Aktien von bereits gelisteten Wachstumsunternehmen oder Anteile über Crowdinvesting. Eine Empfehlung für einzelne Titel ersetzt dieser Artikel nicht – prüfe Geschäftszahlen, Finanzierung und Risiko selbst oder mit unabhängiger Beratung.

Kann ich als Privatperson Startup-Anteile kaufen?

Ja, etwa als Business Angel oder über Crowdinvesting-Plattformen. Beachte die geringe Handelbarkeit: Anteile lassen sich meist erst bei einem Exit verkaufen.

Brauche ich einen Notar, wenn ich ein Startup kaufen will?

Beim Kauf von GmbH-Anteilen ja, die Abtretung muss notariell beurkundet werden. Beim Asset Deal ist das nur für bestimmte Vermögenswerte wie Grundstücke nötig.

Wie lange dauert ein Startup-Kauf?

Kleine Deals können in wenigen Wochen abgeschlossen sein, größere Übernahmen mit umfassender Due Diligence dauern oft mehrere Monate.

Fazit

Ein Startup kaufen kann ein schneller Weg zu Technologie, Kunden und Talenten sein – oder eine attraktive, aber riskante Geldanlage. Entscheidend sind eine klare Strategie, eine gründliche Due Diligence, eine realistische Bewertung und saubere Verträge. Wer übernimmt, sollte die Integration genauso sorgfältig planen wie den Kauf. Wer investiert, sollte breit streuen und das Totalverlustrisiko akzeptieren.

Quellen

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