Wer ein Elektroauto fährt, kann jedes Jahr seine THG-Quote verkaufen und dafür eine Prämie erhalten. Das gilt für Privatpersonen ebenso wie für Selbstständige mit E-Firmenwagen, Unternehmen mit elektrischer Flotte und Betreiber öffentlicher Ladepunkte. Die Abwicklung übernehmen spezialisierte Dienstleister, die die Zertifikate bündeln und an quotenpflichtige Mineralölunternehmen weiterverkaufen.
In diesem Artikel erfährst du, wie du deine THG-Quote verkaufen kannst, welche Fristen 2026 gelten, welche Nachteile und Risiken es gibt und worauf du beim Anbietervergleich achten solltest. Als Beispiel für ein Geschäftsmodell in diesem Markt stellen wir den Anbieter wirkaufendeinethg.de vor.
Was ist die THG-Quote?
Die Treibhausgasminderungsquote verpflichtet Unternehmen, die fossile Kraftstoffe in Verkehr bringen, ihre CO₂-Emissionen schrittweise zu senken. Laut ADAC steigt die Quote nach aktueller Gesetzeslage von 12 Prozent im Jahr 2026 auf 26,5 Prozent im Jahr 2030 und 65 Prozent im Jahr 2040.
Erfüllen die Unternehmen die Quote nicht selbst, können sie Einsparungen Dritter einkaufen, etwa von Elektrofahrzeugen. Hier kommen E-Auto-Halter ins Spiel: Das Umweltbundesamt bescheinigt für ihr Fahrzeug eine pauschale CO₂-Einsparung, die sich verkaufen lässt. Grundlage ist laut ADAC eine angenommene Lademenge von 2.000 kWh pro Jahr.
Wer kann die THG-Quote verkaufen?
- Halter vollelektrischer Pkw (Plug-in-Hybride sind ausgeschlossen)
- Halter zulassungspflichtiger E-Motorräder und E-Nutzfahrzeuge
- Unternehmen mit elektrischen Flotten, auch Busse und Lkw
- Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte, abgerechnet nach abgegebener Strommenge
Zulassungsfreie Kleinkrafträder erhalten laut ADAC keine Prämie.
THG-Quote verkaufen: so läuft es ab
- Anbieter wählen: Du registrierst dich bei einem THG-Dienstleister.
- Fahrzeugschein hochladen: ein Foto oder Scan der Zulassungsbescheinigung Teil I.
- Antrag beim Umweltbundesamt: Der Anbieter reicht die Daten ein. Für das Quotenjahr 2026 ist das laut ADAC nur bis zum 15. November 2026 möglich. Viele Anbieter setzen eigene, frühere Anmeldeschlüsse.
- Zertifizierung und Verkauf: Nach der Bestätigung durch das Umweltbundesamt verkauft der Anbieter die Quote.
- Auszahlung: Je nach Anbieter vorab oder erst nach einigen Monaten.
Die Quote kann pro Fahrzeug und Jahr nur einmal verkauft werden. Bei einem Halterwechsel im laufenden Jahr zählt, wer zuerst beantragt.
THG-Quote verkaufen: Nachteile und Risiken
Die Prämie ist für wenige Minuten Aufwand attraktiv. Dennoch gibt es Punkte, die du kennen solltest:
- Schwankende Preise: Der Preis bildet sich am Markt nach Angebot und Nachfrage. Prämien der vergangenen Jahre sind kein verlässlicher Maßstab.
- Werbebetrag ist nicht immer garantiert: Laut ADAC enthalten viele AGB keine Auszahlungsgarantie in Werbehöhe; manche Abwickler behalten sich vor, bei fehlendem Abnehmer gar nicht auszuzahlen.
- Vertragslaufzeiten: Manche Verträge laufen bis zu drei Jahre, die Prämie ist aber oft nur im ersten Jahr garantiert.
- Lange Wartezeiten: Die Prüfung beim Umweltbundesamt kann mehrere Monate dauern.
- Anbieterrisiko: Gerät ein kleiner Dienstleister in Schwierigkeiten, kann sich die Auszahlung verzögern.
Anbietervergleich: 7 Punkte, auf die du achten solltest
| Kriterium | Worauf du achtest |
|---|---|
| Fix- oder Flex-Prämie | Fixprämie ist planbar, Flexprämie hängt vom späteren Verkaufserlös ab |
| Garantie in den AGB | Steht der beworbene Betrag verbindlich im Vertrag? |
| Auszahlungszeitpunkt | Vorab oder erst nach Bestätigung durch das Umweltbundesamt? |
| Laufzeit und Kündigung | Ein Jahr oder mehrjährig, Kündigungsfristen |
| Bonusbedingungen | Gilt der Neukundenbonus nur für das erste Fahrzeug? |
| Anbieter-Transparenz | Vollständiges Impressum, Firmensitz, erreichbarer Support |
| Angebot für Gewerbe | Rechnungsstellung, Flottenabwicklung, Ladepunkte |
Wer seine THG-Quote verkaufen will, sollte Angebote erst kurz vor der Anmeldung vergleichen, da sich Prämien im Jahresverlauf ändern. Warum sich ein nüchterner Preisvergleich bei allen Ausgaben und Einnahmen lohnt, beschreibt der Beitrag Warum smarte Gründer wie Schnäppchenjäger denken.
Lohnt es sich, die THG-Quote zu verkaufen?
Für die meisten E-Auto-Halter lautet die Antwort ja: Der Aufwand liegt bei wenigen Minuten pro Jahr, und eine Alternative zur Vermarktung gibt es für Privatpersonen praktisch nicht. Die Prämie solltest du aber realistisch einordnen. Sie ist ein Zusatzerlös, kein fester Bestandteil der Finanzierung eines Fahrzeugs.
Für Selbstständige und kleine Unternehmen lohnt sich ein genauer Blick auf drei Punkte: Erstens den Aufwand für die Buchhaltung, wenn die Prämie als Betriebseinnahme erfasst werden muss. Zweitens die Frage, ob eine Fixprämie oder eine vom Markt abhängige Flexprämie besser zur eigenen Planung passt. Drittens, ob es sinnvoll ist, mehrere Fahrzeuge oder Ladepunkte bündeln zu lassen.
Wer mehrere Fahrzeuge besitzt, lässt für jedes Fahrzeug einen eigenen Antrag stellen. Achte darauf, dass Neukundenboni oft nur für das erste Fahrzeug gelten.
Beispiel: wirkaufendeinethg.de im Porträt
Ein Anbieter in diesem Markt ist wirkaufendeinethg.de. Betreiber ist laut Impressum die mint future GmbH mit Sitz in Osnabrück. Das Geschäftsmodell zeigt, wie man eine komplexe regulatorische B2B-Mechanik in ein einfaches Endkundenprodukt übersetzt.
Angebot laut Anbieter (Stand Oktober 2026)
- Privater E-Pkw und E-Motorrad: 200 Euro garantierte Prämie, plus 100 Euro Neukundenbonus für das erste registrierte Fahrzeug
- E-Nutzfahrzeuge (N1 bis N3): 300 Euro
- E-Busse (M3): 7.200 Euro
- Öffentliche Ladepunkte: 100 Euro pro MWh, ab 1 MWh
- Keine Vertragsbindung; garantiert wird laut FAQ der bei Vertragsabschluss angezeigte Betrag
- Auszahlung innerhalb von fünf Tagen nach Bestätigung durch das Umweltbundesamt, das laut Anbieter 20 bis 24 Wochen benötigt
- Anmeldeschluss für E-Fahrzeuge 2026: 10. November 2026, für öffentliche Ladepunkte laut Anbieter 20. Februar 2027
An anderer Stelle bewirbt die Website für Neukunden auch eine garantierte Prämie von 300 Euro; maßgeblich ist laut FAQ der bei Vertragsabschluss angezeigte Betrag. Zusätzlich bietet das Unternehmen ein Partnerprogramm für Versicherungen und Mobilitätsdienstleister an, die die THG-Vermarktung als Zusatzleistung anbieten wollen. Für Gründer ist das ein Beispiel für ein White-Label-Modell, bei dem Partner die Kundenbeziehung halten und der Dienstleister die Abwicklung übernimmt.
Einordnung
Positiv sind die klare Garantie des angezeigten Betrags und die fehlende Vertragsbindung. Zu beachten ist, dass die Auszahlung erst nach der Bestätigung durch das Umweltbundesamt erfolgt, also mehrere Monate nach der Anmeldung. Andere Anbieter zahlen teils vorab aus, bieten dafür aber andere Konditionen. Ein Vergleich lohnt sich daher in jedem Fall.
THG-Quote für Selbstständige und Unternehmen
Wer als Privatperson die THG-Quote verkaufen lässt, muss die Prämie laut ADAC nicht versteuern. Gehört das E-Auto zum Betriebsvermögen, gelten die allgemeinen steuerlichen Regeln: Die Prämie ist dann in der Regel eine Betriebseinnahme. Ob und wie Umsatzsteuer anfällt, solltest du mit deiner Steuerberatung klären.
Für Flotten summieren sich die Prämien. Bei einem elektrischen Fuhrpark mit mehreren Nutzfahrzeugen kann ein vierstelliger Betrag pro Jahr zusammenkommen. Betreiber öffentlicher Ladepunkte, zum Beispiel am Firmenparkplatz oder vor dem Ladengeschäft, können die abgegebene Strommenge zusätzlich vermarkten.
Was beim E-Firmenwagen sonst noch wichtig ist, liest du im Beitrag Fahren mit Firmenwagen. Wie du Einnahmen korrekt erfasst, erklärt der Artikel Digitale Buchhaltung und GoBD.
Häufige Fragen
Wo kann ich meine THG-Quote verkaufen?
Bei spezialisierten THG-Dienstleistern, die die Anträge beim Umweltbundesamt stellen und die Zertifikate gebündelt verkaufen. Auch einige Energieversorger, Automobilclubs und Versicherungen bieten die Vermarktung an, oft über Partner.
Welche Nachteile hat es, die THG-Quote zu verkaufen?
Die Höhe schwankt, beworbene Beträge sind nicht immer vertraglich garantiert, manche Verträge binden dich mehrere Jahre, und die Auszahlung kann Monate dauern. Sorgfältiges Lesen der AGB schützt vor Überraschungen.
Bis wann kann ich 2026 meine THG-Quote verkaufen?
Die Einreichung beim Umweltbundesamt ist laut ADAC bis zum 15. November 2026 möglich. Anbieter haben oft frühere Anmeldeschlüsse, deshalb solltest du dich rechtzeitig registrieren.
Muss ich die THG-Prämie versteuern?
Als Privatperson nicht. Bei Fahrzeugen im Betriebsvermögen ist die Prämie in der Regel eine Betriebseinnahme. Mehr zu Steuern im ersten Geschäftsjahr findest du unter Steuern als Selbstständiger.
Fazit
Der Verkauf der THG-Quote bringt E-Auto-Haltern, Selbstständigen und Flottenbetreibern eine jährliche Zusatzeinnahme mit geringem Aufwand. Entscheidend ist, rechtzeitig vor Fristende zu handeln und den Vertrag vor der Unterschrift genau zu lesen. Die Höhe hängt vom Markt ab, und die Konditionen der Anbieter unterscheiden sich deutlich bei Garantie, Auszahlungszeitpunkt und Laufzeit. Wer die AGB prüft, Fristen im Blick behält und die Prämie im Betriebsvermögen korrekt verbucht, kann die Prämie als willkommenen Zusatzerlös einplanen, sollte sie aber nicht fest in die Finanzierung eines Fahrzeugs einrechnen.
