Töpfern, Kochen, Handlettering, Yoga oder Programmieren: Viele Selbstständige verdienen ihr Geld ganz oder teilweise damit, ihr Können in Kursen und Workshops weiterzugeben. Wer Kurse anbieten will, steht aber vor praktischen Fragen: Wie finden Teilnehmer den Kurs, wie läuft die Buchung und Bezahlung, und welche rechtlichen Regeln gelten, wenn ein Kurs ganz oder teilweise online stattfindet?
Ein Beispiel dafür, wie Plattformen Kursanbietern helfen, ist das Oldenburger Startup Triviar. Es entstand 2020, mitten in der Corona-Pandemie, als viele Anbieter ihre Kurse kurzfristig ins Internet verlegen mussten. In diesem Beitrag erfährst du, wie sich das Modell entwickelt hat und was du daraus für dein eigenes Kursgeschäft lernen kannst. Die Angaben haben den Stand Oktober 2026.
Das Beispiel Triviar: Von der Corona-Lösung zur Buchungsplattform
Hinter Triviar stehen die Gründer Nick Koldehoff und Jonah Schröder. Die Idee entstand laut den Gründern 2019: Koldehoffs Mutter wollte Kinesiotaping-Kurse anbieten, fand aber keine einfache Möglichkeit, Kurse online buchbar zu machen. Anfang 2020 nahmen die Gründer am Förderprogramm des GO! Start-up Zentrums Oldenburg teil, im September 2020 ging die Plattform online.
Mit der Pandemie verschob sich der Fokus: Anbieter konnten ihre Kurse auch digital über Videokonferenzdienste durchführen und sie über die Plattform buchen und bezahlen lassen. Ein Beispiel aus dieser Zeit waren Handlettering-Workshops, bei denen Teilnehmende vorab ein Materialpaket nach Hause bekamen und dann live per Video mitmachten.
Heute präsentiert sich Triviar als Buchungsplattform für Kurse und Erlebnisse in zahlreichen deutschen Städten, etwa Töpfer-, Koch-, Barista- oder Cocktailkurse, ergänzt um Gutscheine. Die Entwicklung zeigt ein typisches Muster: Ein Startup reagiert auf eine akute Krise, behält aber das Grundproblem im Blick, nämlich dass kleine Kursanbieter Sichtbarkeit und eine unkomplizierte Buchung brauchen. Für Gründer ist das eine wichtige Lehre: Ein Geschäftsmodell, das nur auf eine Ausnahmesituation zugeschnitten ist, trägt selten dauerhaft.
Kurse anbieten: Diese Wege gibt es
Wer Kurse anbieten möchte, kann zwischen mehreren Vertriebswegen wählen. Viele Anbieter kombinieren sie.
| Weg | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Eigene Website mit Buchungstool | Volle Kontrolle, keine Provision, direkter Kundenkontakt | Du musst selbst für Besucher sorgen |
| Kurs- und Erlebnisplattformen | Reichweite, Buchung und Zahlung inklusive, Gutscheingeschäft | Provision, Abhängigkeit von Plattformregeln |
| Volkshochschulen und Bildungsträger | Etablierte Zielgruppe, Räume vorhanden | Festgelegte Honorare, wenig Spielraum |
| Kooperationen mit Läden, Cafés, Studios | Lokale Sichtbarkeit, Räume und Laufkundschaft | Umsatzteilung, Abstimmungsaufwand |
| Firmenkunden | Größere Gruppen, planbare Termine, höhere Preise | Längere Vertriebszyklen |
Worauf du bei Plattformen achtest
- Höhe der Provision und ob sie auch bei Gutscheinbuchungen anfällt
- Wann und wie die Auszahlung erfolgt
- Wer Stornierungen und Rückerstattungen abwickelt
- Ob du Kundendaten erhältst, um Teilnehmer später direkt einzuladen
- Ob Kurse auch in die eigene Website eingebunden werden können
Ein Kursangebot in 5 Schritten entwickeln
- Zielgruppe festlegen: Für wen ist der Kurs gedacht, für Einsteiger, Fortgeschrittene, Familien oder Firmenteams? Je genauer, desto leichter fallen Texte und Preise.
- Format bestimmen: Einmaliger Workshop, mehrteiliger Kurs oder fortlaufende Gruppe. Einmalige Termine eignen sich gut als Geschenk, Kursreihen bringen planbare Einnahmen.
- Testtermin durchführen: Biete einen ersten Termin zu einem Einführungspreis an und hole danach ehrliches Feedback ein.
- Ablauf standardisieren: Materialliste, Zeitplan, Begrüßung und Nachbereitung schriftlich festhalten. Das spart Zeit und macht es möglich, später weitere Kursleiter einzusetzen.
- Vertriebswege wählen: Entscheide, ob du über die eigene Website, Plattformen oder Kooperationen startest.
Wer Kurse anbieten und davon dauerhaft leben will, sollte früh an Wiederholungsbuchungen denken: Aufbaukurse, Stammtische für Absolventen oder Materialpakete für zu Hause halten den Kontakt zu Teilnehmern.
Präsenz, online oder hybrid?
Die Pandemie hat gezeigt, dass viele Formate auch online funktionieren. Inzwischen sind Präsenzkurse wieder gefragt, gerade bei Erlebnisangeboten wie Kochen oder Töpfern. Online-Formate bleiben sinnvoll, wenn Teilnehmer weit verstreut sind, Kurse kurz sind oder das Thema gut am Bildschirm vermittelt werden kann.
Ein hybrides Modell kann die Reichweite erhöhen: Präsenzkurse in deiner Stadt und Online-Kurse für Interessierte aus anderen Regionen. Rechne aber den Mehraufwand für Technik, Materialversand und Betreuung ein.
Für Online-Kurse brauchst du eine stabile Internetverbindung, ein gutes Mikrofon, ausreichend Licht und eine Kamera, die deine Hände oder das Arbeitsmaterial zeigt. Teste die Technik vor jedem Termin und plane einige Minuten Puffer ein, falls Teilnehmende Probleme beim Einwählen haben. Wer online Kurse anbieten will, sollte außerdem klären, ob Aufzeichnungen erlaubt sind und wie lange sie verfügbar bleiben.
Rechtliches beim Kurse anbieten
Fernunterrichtsschutzgesetz bei Online-Kursen
Wenn du Kurse online anbietest, solltest du das Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) kennen. Der Bundesgerichtshof hat am 12. Juni 2025 (Az. III ZR 109/24) entschieden, dass auch Online-Coachings unter das Gesetz fallen können, und zwar nicht nur gegenüber Verbrauchern, sondern auch gegenüber Unternehmern. Fernunterricht liegt vor, wenn Wissen überwiegend räumlich getrennt, also etwa online, vermittelt wird und der Lernerfolg überwacht wird, zum Beispiel durch Aufgaben, Feedback oder individuelle Betreuung. Solche Angebote brauchen eine Zulassung der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU). Fehlt sie, ist der Vertrag nichtig, und Teilnehmende können gezahlte Beträge zurückfordern.
Einmalige Live-Workshops ohne Lernerfolgskontrolle oder reine Präsenzkurse sind in der Regel nicht betroffen. Bei längeren, strukturierten Online-Programmen solltest du dich aber rechtlich beraten lassen.
Steuern und Gewerbe
Ob deine Kurstätigkeit freiberuflich oder gewerblich ist, hängt vom Inhalt ab. Unterrichtende Tätigkeiten sind häufig freiberuflich, der Verkauf von Material oder Erlebnisangebote können gewerblich sein. Wenn dein Umsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 Euro voraussichtlich nicht überschreitet, kannst du die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG nutzen. Mehr dazu findest du im Beitrag Steuern als Selbstständiger.
Haftung, Datenschutz und Teilnahmebedingungen
Lege in deinen Teilnahmebedingungen Stornoregeln, Mindestteilnehmerzahl, Ausfallregelungen und Haftungsfragen fest. Bei Kursen mit Verletzungsrisiko, etwa im Sport oder an Maschinen, ist eine Berufshaftpflichtversicherung sinnvoll. Wenn du Teilnehmerdaten speicherst, Fotos im Kurs machst oder Online-Termine aufzeichnest, brauchst du eine Datenschutzerklärung und für Fotos und Aufzeichnungen in der Regel die Einwilligung der Betroffenen.
Preise kalkulieren und Kurse vermarkten
Der Kurspreis muss deine Zeit für Vorbereitung und Durchführung, Raummiete, Material, Plattformprovision und Rücklagen für Ausfälle decken. Rechne zuerst aus, wie viele Teilnehmer du mindestens brauchst, damit sich ein Termin lohnt, und lege diese Zahl als Mindestteilnehmerzahl fest. Ein Finanzplan hilft, die Zahlen für ein ganzes Jahr zu überblicken; eine Anleitung findest du im Beitrag Finanzplan erstellen.
Für die Vermarktung haben sich bewährt:
- ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit Fotos aus echten Kursen,
- Bewertungen zufriedener Teilnehmer,
- Gutscheine für Geburtstage, Weihnachten und Firmenevents,
- ein Newsletter für Stammkunden mit neuen Terminen,
- Kooperationen mit lokalen Geschäften und Unternehmen.
Grundbegriffe des Online-Marketings, von Conversion bis Retargeting, erklärt unser Online-Marketing-Glossar.
Häufige Fragen
Wo kann ich Kurse anbieten, ohne eine eigene Website zu haben?
Über Kurs- und Erlebnisplattformen, Volkshochschulen oder Kooperationspartner. Langfristig lohnt sich trotzdem eine eigene Präsenz, damit Stammkunden direkt buchen können.
Brauche ich für Online-Kurse eine ZFU-Zulassung?
Wenn Wissen überwiegend online vermittelt und der Lernerfolg überwacht wird, kann eine Zulassung nötig sein. Das gilt nach dem BGH-Urteil von 2025 auch für Angebote an Unternehmer. Lass dein Format im Zweifel prüfen.
Wie viel Provision nehmen Kursplattformen?
Das ist je nach Anbieter unterschiedlich. Vergleiche die Konditionen und rechne die Provision in deinen Kurspreis ein. Achte auch darauf, ob Zahlungsgebühren separat berechnet werden.
Lohnt es sich, Kurse im Nebenerwerb anzubieten?
Ja, gerade zum Testen der Nachfrage. Viele Kursanbieter starten nebenberuflich mit wenigen Terminen im Monat und bauen ihr Angebot schrittweise aus.
Fazit
Kurse anbieten ist für viele Selbstständige ein attraktives Geschäftsmodell, weil es Fachwissen direkt in Umsatz verwandelt. Das Beispiel Triviar zeigt, wie Plattformen Kursanbietern Reichweite und eine einfache Buchung verschaffen können. Entscheidend für den eigenen Erfolg sind ein klares Angebot, eine solide Kalkulation, passende Vertriebswege und ein Blick auf die rechtlichen Regeln, insbesondere bei Online-Formaten.
