Ein Innovation Hub ist ein Programm, mit dem etablierte Unternehmen gezielt Startups suchen, die eine konkrete Aufgabe lösen sollen. Ein frühes Beispiel aus dem Sport ist der European Tour Innovation Hub with Tata Communications: Die Golfserie European Tour und ihr Konnektivitätspartner Tata Communications riefen im September 2019 Startups weltweit auf, Ideen für bessere Golfübertragungen und ein stärkeres Fan-Erlebnis einzureichen.
Unter den drei Finalisten war auch ein deutsches Unternehmen, das den Wettbewerb am Ende gewann. In diesem Artikel erfährst du, wie das Programm ablief, was aus den Finalisten geworden ist (Stand Oktober 2026) und was du als Gründerin oder Gründer aus solchen Corporate-Startup-Wettbewerben mitnehmen kannst, wenn du dich selbst bewerben möchtest.
Was ist ein Innovation Hub?
Der Begriff wird unterschiedlich verwendet. Gemeint sein kann ein physischer Ort, etwa ein Coworking-Bereich in einem Konzern, oder ein Programm mit Ausschreibung, Auswahlrunde und Pilotprojekt. Der Sport-Wettbewerb von European Tour und Tata Communications gehört zur zweiten Kategorie: Es gab eine klar umrissene Aufgabe, eine Jury, eine Shortlist und als Ziel einen Praxistest bei einem echten Turnier.
Für Unternehmen ist ein solches Format ein vergleichsweise günstiger Weg, an neue Technologien zu kommen, ohne gleich ein Startup zu übernehmen. Für Startups ist es eine Chance auf einen Referenzkunden, Sichtbarkeit und Kontakte zu Investoren. Wichtig ist, beide Seiten nüchtern zu betrachten: Ein Wettbewerb ersetzt keinen Vertrag, und nicht jeder Pilot führt zu einem dauerhaften Auftrag.
Der Golf-Wettbewerb von 2019 im Überblick
Laut der Pressemitteilung von Tata Communications startete der Wettbewerb am 25. September 2019. Gesucht wurden Lösungen in drei Feldern: vernetzte Golfplätze und Fan-Erlebnis vor Ort sowie digital, Übertragung und Produktion der Turniere sowie neue Möglichkeiten für Fan-Bindung und Sponsoren. Teilnehmen konnten Firmen aus einer festgelegten Liste von Ländern, darunter Deutschland.
Ablauf des Innovation Hub
- September 2019: Start der Ausschreibung rund um die BMW PGA Championship.
- Dezember 2019: Bekanntgabe der drei Finalisten aus Deutschland, den USA und Kanada.
- Anschließend: Workshops mit dem Business-Development-Team der Tour, Venture-Capital-Firmen und Tata Communications.
- Finale: ein Pitch im Stil von „Die Höhle der Löwen“ vor der Jury.
- Ziel: Test der Siegerlösung bei einem Turnier der Saison 2020.
In der Jury saßen unter anderem Michael Cole (damals CTO der European Tour), Rufus Hack (Chief Content Officer der Tour), Mehul Kapadia und Tri Pham von Tata Communications sowie der Golfprofi Oliver Wilson. Laut einer Fallstudie der European Sponsorship Association gingen 65 Bewerbungen ein.
Die drei Finalisten und was aus ihnen wurde
Die Finalisten standen für drei typische Ansätze, mit denen Sportrechte-Inhaber ihre Übertragungen aufwerten wollen: Sprache, Augmented Reality und Interaktion.
| Startup | Herkunft | Idee 2019 | Stand Oktober 2026 |
|---|---|---|---|
| alugha | Deutschland | Werkzeugkasten für mehrsprachige Videos von Transkription bis Mehrspur-Vertonung | Plattform für Videoübersetzung und Vertonung mit KI-Unterstützung |
| eyecandylab | USA | AR-Ebene auf dem Smartphone für Live-TV mit Statistiken und 3D-Grüns | Die Domain führt auf die Seite des Streaming-Dienstleisters Accedo |
| Sparx Technology | Kanada | Umfragen, Quiz und Vorhersagespiele direkt in der Sendegrafik | Plattform für interaktive Livestreams und Events |
alugha: der deutsche Gewinner
alugha (Deutschland) aus Mannheim hatte einen Werkzeugkasten für den gesamten Prozess mehrsprachiger Videos eingereicht: Transkription, Übersetzung, Vertonung auf mehreren Tonspuren, Hosting und Verbreitung. Laut der Fallstudie der European Sponsorship Association setzte sich alugha im Finale durch. Heute beschreibt sich das Unternehmen als Plattform für Video-Globalisierung, die Untertitel, Übersetzung und Vertonung mit KI-Unterstützung anbietet.
eyecandylab und Sparx Technology
eyecandylab (US) wollte Fans über die Smartphone-Kamera eine Augmented-Reality-Ebene über die laufende TV-Übertragung legen lassen, etwa mit Spielerprofilen oder 3D-Ansichten des Grüns. Die frühere Produktseite leitet inzwischen auf die Website des schwedischen Streaming-Spezialisten Accedo weiter. Sparx Technology (Kanada) setzte auf Echtzeit-Interaktion: Umfragen, Quizfragen und Vorhersagespiele, die direkt in die Sendegrafik eingebunden werden. Das Unternehmen bietet heute eine Plattform für interaktive Livestreams an.
Was hat sich seit 2019 verändert?
Einige Rahmenbedingungen sehen 2026 anders aus als zum Zeitpunkt des Wettbewerbs. Die European Tour tritt seit 2022 unter dem Namen DP World Tour auf. Die Corona-Pandemie hat 2020 den Turnierkalender und damit auch geplante Praxistests vieler Sportprojekte durcheinandergebracht. Und die Technik, die 2019 noch als Zukunftsthema galt, ist heute teilweise Standard.
- Übersetzung und Vertonung: KI-gestützte Untertitel und synthetische Stimmen sind inzwischen bei vielen Videoplattformen verfügbar. Der Wettbewerbsvorteil liegt heute stärker bei Qualität, Datenschutz und Workflow als bei der reinen Technik.
- Interaktion: Abstimmungen, Quiz und Second-Screen-Funktionen sind bei Livestreams verbreitet. Bei Vorhersagespielen mit Geldeinsatz gelten in Deutschland die strengen Regeln des Glücksspielrechts.
- Augmented Reality: AR-Anwendungen haben sich weiterentwickelt, sind aber für breite TV-Publikumsgruppen noch keine Selbstverständlichkeit.
Der Konnektivitätsanbieter www.tatacommunications.com positioniert sich heute weiterhin mit Lösungen für Sportübertragungen und digitale Fan-Erlebnisse. Solche Partnerschaften zwischen Rechteinhabern und Technologiekonzernen sind ein wichtiger Grund, warum es im Sport immer wieder offene Startup-Ausschreibungen gibt.
So bewirbst du dich bei einem Innovation Hub
Viele Konzerne, Sportligen und Verbände schreiben regelmäßig Startup-Programme aus. Aus dem Golf-Beispiel lassen sich einige Regeln ableiten, die für fast jede Bewerbung gelten.
Vor der Bewerbung
- Ausschreibung genau lesen: Welche Länder, Unternehmensformen und Reifegrade sind zugelassen? Beim Golf-Wettbewerb gab es eine feste Länderliste.
- Problem des Veranstalters verstehen: Formuliere deine Lösung in der Sprache des Auftraggebers, zum Beispiel als „mehr internationale Zuschauer“ statt als Technikbeschreibung.
- Kurzprofil vorbereiten: Ein kompakter One Pager für dein Startup mit Problem, Lösung, Team und Referenzen spart dir in jeder Runde Zeit.
Im Programm
- Pitch üben: Finalrunden laufen oft wie im Fernsehformat ab. Wie Juroren dort Fragen stellen, kannst du dir etwa im Rückblick auf das Staffelfinale von „Die Höhle der Löwen“ ansehen.
- Pilot klar definieren: Lege schriftlich fest, was getestet wird, welche Daten du bekommst und wer die Kosten trägt.
- Rechte klären: Prüfe, wem Ergebnisse, Daten und Weiterentwicklungen gehören. Lass Teilnahmebedingungen im Zweifel anwaltlich prüfen.
- Integration mitdenken: Große Partner erwarten Schnittstellen. Wie du Dienste über KI-gestützte APIs anbindest, entscheidet oft darüber, ob ein Pilot technisch machbar ist.
Chancen und Risiken für Startups
Ein Innovation Hub kann ein Sprungbrett sein, ist aber kein Selbstläufer. Wäge den Aufwand gegen den möglichen Nutzen ab.
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| Zugang zu Entscheidern und Fachabteilungen | Hoher Zeitaufwand für Bewerbung, Workshops und Pitch |
| Bekannte Marke als mögliche Referenz | Pilot endet ohne Folgeauftrag |
| Kontakte zu Investoren und Mentoren | Unklare Regeln zu geistigem Eigentum und Daten |
| Medienberichte und Sichtbarkeit | Abhängigkeit von Zeitplänen des Konzerns |
Gerade bei Sprachlösungen wie der von alugha zeigt sich, wie schnell sich ein Markt verändern kann: Was 2019 ein Alleinstellungsmerkmal war, bieten heute auch Werkzeuge wie DeepL Write oder große Videoplattformen in Teilen an. Plane deshalb von Anfang an, wie du dich weiterentwickelst, wenn die Basistechnik günstiger wird.
Häufige Fragen
Wer hat den European Tour Innovation Hub gewonnen?
Laut einer Fallstudie der European Sponsorship Association gewann das deutsche Startup alugha mit seiner Lösung für mehrsprachige Videos.
Gibt es den Innovation Hub von European Tour und Tata Communications noch?
Der Wettbewerb lief 2019 und 2020. Die European Tour heißt seit 2022 DP World Tour. Ob und in welcher Form neue Ausschreibungen stattfinden, solltest du direkt bei den Veranstaltern prüfen.
Lohnt sich die Teilnahme an Corporate-Startup-Programmen?
Das hängt davon ab, ob dein Produkt zum Problem des Unternehmens passt und ob ein realistischer Pilot mit klaren Bedingungen in Aussicht steht. Reine Sichtbarkeit rechtfertigt den Aufwand selten.
Was sollte ich vor einem Pilotprojekt vertraglich regeln?
Mindestens Umfang, Dauer, Kosten, Datennutzung, Rechte an Ergebnissen und Vertraulichkeit. Bei Unsicherheit hilft eine anwaltliche Prüfung.
Fazit
Der Golf-Wettbewerb von European Tour und Tata Communications zeigt, wie ein Innovation Hub funktioniert: klare Aufgabe, Shortlist, Coaching, Pitch und Praxistest. Für alugha war er ein Erfolg mit internationaler Sichtbarkeit. Wenn du dich selbst bei einem solchen Programm bewirbst, bereite dich gut vor, kläre Rechte und Pilotbedingungen schriftlich und behalte im Blick, dass ein Wettbewerb ein Einstieg ist und kein fertiges Geschäft.
