Das Finale der Höhle der Löwen 2017 lief am 21. November 2017 bei VOX und beendete die vierte Staffel. Sechs Startups traten in der zwölften Folge an: eine Video-Recruiting-App, eine Fenstersicherung, ein Zyklussensor, eine Social-Dining-Plattform, ein smartes Fahrradschloss und Tasting-Sets für Spirituosen. Vier Teams verließen das Studio mit einer Zusage, doch nur ein Teil dieser Deals wurde später tatsächlich umgesetzt.
In diesem Rückblick findest du alle Pitches mit Forderungen und Ergebnissen, die weitere Entwicklung ausgewählter Startups und konkrete Lehren für Gründer, die selbst Kapital suchen. Besonders spannend ist der Weg von Talentcube, das einige Jahre nach der Sendung von einem US-Unternehmen übernommen wurde.
Das Finale der Höhle der Löwen 2017 im Überblick
Auf den Löwensesseln saßen in der vierten Staffel Frank Thelen, Judith Williams, Ralf Dümmel, Carsten Maschmeyer und die neu hinzugekommene Dagmar Wöhrl. Die folgende Tabelle fasst die Forderungen und Ergebnisse des Finales zusammen.
| Startup | Forderung | Deal in der Show | Nach der Show |
|---|---|---|---|
| Talentcube | 400.000 Euro für 20 % | Carsten Maschmeyer: 400.000 Euro für 33,3 % | Umgesetzt |
| Fenster-Schnapper | 50.000 Euro für 20 % | Ralf Dümmel: 50.000 Euro für 20 % | Nicht als geplatzt gemeldet |
| trackle | 400.000 Euro für 15 % | Kein Deal | – |
| CHEF.ONE | 100.000 Euro | Frank Thelen und Judith Williams: 150.000 Euro für 25 % | Geplatzt |
| I LOCK IT | 135.000 Euro für 10 % | Kein Deal | – |
| Tastillery | 100.000 Euro für 20 % | Dagmar Wöhrl: 100.000 Euro für 20 % | Geplatzt |
Die Pitches im Staffelfinale
Talentcube
Sebastian Hust, Sebastian Niewöhner und Hendrik Seiler aus München wollten den Bewerbungsprozess beschleunigen. Über eine App laden Bewerber ihre Unterlagen hoch und beantworten Fragen des Arbeitgebers per Video. Recruiter bekommen so früh einen persönlichen Eindruck. Carsten Maschmeyer stieg mit 400.000 Euro für ein Drittel der Anteile ein. Die frühere Adresse des Unternehmens war talentcube.de.
Fenster-Schnapper
Detlev Sommer entwickelte eine mechanische Fenstersicherung ohne Schlüssel oder Batterie, die das Aufhebeln erschweren soll. Ralf Dümmel sagte 50.000 Euro für 20 Prozent zu.
trackle
Katrin Reuter und Maxim Loick stellten einen Sensor vor, der Frauen hilft, ihre fruchtbaren Tage zu bestimmen. Die Gründer betonten in der Vorberichterstattung, dass sie mit Hardware und einem Medizinprodukt in einer kapitalintensiven Branche arbeiten. Trotz Interesse kam kein Deal zustande. Das Unternehmen besteht weiter und vermarktet trackle heute laut eigener Website als Hilfsmittel für hormonfreie Verhütung mit natürlicher Familienplanung (NFP).
CHEF.ONE
Dogan Ayhan, Erdal Alim und Philipp Benseler gründeten eine Plattform, auf der Hobbyköche Abendessen in ihren Wohnungen anbieten und Gäste Plätze buchen. Frank Thelen und Judith Williams sagten 150.000 Euro für 25 Prozent zu, der Deal platzte jedoch nach der Show. Die damalige Website war chef.one.
I LOCK IT
Drei Ingenieure präsentierten ein Fahrradschloss, das sich per Bluetooth mit dem Smartphone verbindet, automatisch öffnet und schließt und bei Diebstahlversuchen Alarm schlägt. Für 135.000 Euro boten sie 10 Prozent an, die Löwen investierten nicht.
Tastillery
Die Cousins Andreas und Waldemar Wegelin stammen aus einer Winzerfamilie und verkaufen Tasting-Sets mit Gin, Whisky, Rum und anderen Spirituosen. Dagmar Wöhrl sagte 100.000 Euro für 20 Prozent zu, auch dieser Deal kam nach der Show nicht zustande. Tastillery ist weiterhin am Markt aktiv.
Was aus den Startups wurde
Die Bilanz des Finales der Höhle der Löwen 2017 zeigt, wie wenig ein TV-Ergebnis über den späteren Erfolg aussagt. Von vier Zusagen platzten laut der Deal-Übersicht von deutsche-startups.de zwei. Gleichzeitig entwickelten sich Startups mit und ohne Löwen-Geld weiter.
Der bekannteste Fall ist Talentcube. Im März 2021 übernahm laut Munich Startup das HR-Technologieunternehmen Phenom aus Philadelphia das Münchner Startup. Talentcube hatte zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben über 120 Kunden. Für Carsten Maschmeyer war es damit ein Investment aus der Höhle der Löwen 2017, das in einem Verkauf an einen internationalen Käufer endete.
Lehren aus der Höhle der Löwen 2017
Ein Deal im Studio ist eine Absichtserklärung
Nach der Aufzeichnung folgt die Due Diligence. Investoren prüfen Zahlen, Verträge, Schutzrechte und das Team. Erst danach wird unterschrieben. Wer gut vorbereitet ist, verkürzt diese Phase und senkt das Risiko, dass die Vereinbarung scheitert.
Hardware und Medizinprodukte brauchen mehr Kapital
Wie das Beispiel trackle zeigt, binden Entwicklung, Zulassung und Produktion bei Hardware viel Geld, bevor Umsätze fließen. Plane in solchen Fällen längere Finanzierungszeiträume und prüfe zusätzlich Förderprogramme. Für forschungsintensive Vorhaben kann die Forschungszulage interessant sein.
Plattformen müssen zwei Seiten gewinnen
Social-Dining-Plattformen wie CHEF.ONE brauchen gleichzeitig Gastgeber und Gäste. Investoren achten bei solchen Geschäftsmodellen besonders darauf, wie ein Startup beide Seiten in ausreichender Zahl gewinnen will.
Bewertung und Anteile sauber abwägen
Talentcube gab statt der angebotenen 20 Prozent ein Drittel der Anteile ab. Das senkte die rechnerische Bewertung von 2 Millionen auf rund 1,2 Millionen Euro. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, was ein Investor neben Geld einbringt. Wie du generell Investoren findest und welche Alternativen es gibt, erklären unsere Ratgeber. Ein weiteres Beispiel aus der Sendung beschreibt der Beitrag über Tape it.
Checkliste: Vorbereitung auf Investorengespräche
Ob im Fernsehen oder im Besprechungsraum eines Business Angels: Die Fragen der Investoren ähneln sich. Wer die Pitches aus der Höhle der Löwen 2017 verfolgt, erkennt schnell, worauf es ankommt. Diese Punkte solltest du vor einem Gespräch klären:
- Kennzahlen: Umsatz, Marge, Kundenzahl, Wachstum und monatliche Kosten parat haben, am besten für die letzten zwölf Monate.
- Kapitalbedarf: Genau begründen, wofür das Geld verwendet wird und welche Meilensteine es finanziert.
- Bewertung: Eine Spanne festlegen, die du mit Zahlen und Vergleichen untermauern kannst, und wissen, wo deine Schmerzgrenze liegt.
- Schutzrechte und Verträge: Marken, Patente, Lizenzen und Gesellschaftervereinbarungen geordnet bereithalten.
- Team: Darlegen, wer welche Aufgaben übernimmt und welche Kompetenzen noch fehlen.
- Wunschinvestor: Überlegen, welche Unterstützung über das Geld hinaus du brauchst, etwa Handelskontakte oder Branchenwissen.
Häufige Fragen
Wann lief das Finale der Höhle der Löwen 2017?
Das Finale der vierten Staffel lief am Dienstag, 21. November 2017, um 20:15 Uhr bei VOX. Es war die zwölfte Folge der Staffel.
Welche Startups bekamen im Finale einen Deal?
Talentcube, Fenster-Schnapper, CHEF.ONE und Tastillery erhielten in der Show eine Zusage. Die Deals mit CHEF.ONE und Tastillery platzten nach der Sendung.
Was wurde aus Talentcube?
Das Münchner Video-Recruiting-Startup wurde im März 2021 vom US-Unternehmen Phenom übernommen.
Warum platzen so viele Deals aus der Show?
In der Sendung wird nur eine Absicht vereinbart. Bei der anschließenden Prüfung können unterschiedliche Vorstellungen, offene rechtliche Fragen oder neue Erkenntnisse zu Zahlen dazu führen, dass eine Seite abspringt.
Fazit
Das Finale der Höhle der Löwen 2017 liefert ein gutes Lehrstück für Gründer. Vier Zusagen klingen nach Erfolg, doch zwei Deals platzten, während andere Startups auch ohne Löwen-Geld weitermachten. Mit Talentcube entstand aus einer Beteiligung später ein Verkauf an einen internationalen Käufer. Für deine eigene Finanzierung zählt am Ende nicht der große Auftritt, sondern ein tragfähiges Geschäftsmodell, gute Vorbereitung und ein Investor, der wirklich zu dir passt.
