Crowdfunding-Plattformen bringen Gründer und Unterstützer zusammen: Statt eines Bankkredits oder eines einzelnen Investors finanzieren viele Menschen ein Projekt mit kleineren Beträgen. Je nach Plattform erhalten sie dafür ein Dankeschön, das fertige Produkt, Zinsen oder eine Beteiligung am Unternehmen.
Für Startups ist Crowdfunding mehr als eine Finanzierungsquelle. Eine Kampagne ist zugleich ein Markttest: Wer es nicht schafft, ein paar Hundert Unterstützer zu überzeugen, erfährt früh, dass Angebot oder Ansprache noch nicht passen. Dieser Leitfaden erklärt die vier Arten von Crowdfunding, stellt bekannte Crowdfunding-Plattformen in Deutschland und Österreich vor, nennt Kosten und Regeln und zeigt, was du aus erfolgreichen und gescheiterten Kampagnen lernen kannst.
Was sind Crowdfunding-Plattformen?
Eine Crowdfunding-Plattform ist ein Online-Marktplatz, auf dem du dein Projekt mit Text, Video und Finanzierungsziel vorstellst. Unterstützer zahlen über die Plattform, die die Zahlungen abwickelt und dafür eine Gebühr einbehält. Viele Plattformen arbeiten nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip: Wird das Ziel bis zum Ende der Laufzeit nicht erreicht, bekommen die Unterstützer ihr Geld zurück, und es fallen keine Gebühren an.
Crowdfunding ist keine neue Erfindung. Schon früher wurden Bücher, Denkmäler oder Expeditionen über Subskriptionen und Spendenaufrufe vieler Menschen finanziert. Neu ist, dass das Internet Projektstarter und Unterstützer ohne großen Aufwand weltweit zusammenbringt.
Die vier Arten von Crowdfunding
| Art | Gegenleistung | Typische Projekte | Für Gründer geeignet, wenn … |
|---|---|---|---|
| Reward-based (Crowdsupporting) | Produkt, Vorverkauf, Dankeschön | Gadgets, Spiele, Bücher, Kreativprojekte, Cafés | du ein greifbares Produkt hast und Vorbestellungen sammeln willst |
| Donation-based (Crowddonating) | keine, Spende | Soziale und gemeinnützige Projekte | dein Vorhaben gemeinnützig ist |
| Lending-based (Crowdlending) | Zinsen und Rückzahlung | KMU, Immobilien, Energieprojekte | du stabile Umsätze hast und Fremdkapital brauchst |
| Equity-based (Crowdinvesting) | Beteiligung oder Nachrangdarlehen mit Gewinnbeteiligung | Startups und Wachstumsunternehmen | du Wachstumskapital suchst und Investoren beteiligen willst |
Beim Crowdinvesting werden in Deutschland häufig keine echten Gesellschaftsanteile ausgegeben, sondern nachrangige Darlehen oder ähnliche Instrumente, die am Erfolg beteiligen. Für Anleger bedeutet das ein hohes Risiko bis zum Totalverlust, für Gründer eine Verpflichtung zu regelmäßigem Reporting.
Crowdfunding-Plattformen in Deutschland und Österreich
Der Markt der Crowdfunding-Plattformen verändert sich laufend: Plattformen fusionieren, wechseln das Geschäftsmodell oder geben auf. Prüfe deshalb vor dem Start den aktuellen Stand. Eine Auswahl (Stand Oktober 2026):
| Plattform | Art | Markt | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Startnext | Reward, Donation | Deutschland, Österreich, Schweiz | Größte deutschsprachige Reward-Plattform, Alles-oder-nichts-Prinzip, erfolgsabhängige Gebühr je nach Paket (laut Fachberichten 8, 11 oder 14 % zzgl. Transaktionskosten) |
| Kickstarter | Reward | International | 5 % Plattformgebühr plus Zahlungsgebühren, nur bei Erfolg (laut Anbieter) |
| Indiegogo | Reward | International | 5 % Plattformgebühr plus Zahlungsgebühren, auch flexible Finanzierung möglich, beliebt für Technikprodukte |
| Companisto | Equity | Deutschland | Fokus auf Startups, Beteiligungen für Business Angels und Privatanleger |
| Seedmatch / OneCrowd | Crowdinvesting, Lending | Deutschland | Seedmatch, Econeers und Mezzany wurden 2025 unter der Marke OneCrowd gebündelt; die Betreibergesellschaften haben im Juli 2026 Insolvenz beantragt, der Betrieb läuft laut Berichten im vorläufigen Verfahren zunächst weiter |
| Conda | Equity, Lending | Österreich, Deutschland | Startups, KMU, Immobilien und Tourismus |
| greenrocket | Crowdinvesting | Österreich | Nachhaltige Startups |
| wemakeit | Reward | Schweiz, Österreich | Kreativ-, Kultur- und Sozialprojekte |
Die Wirtschaftskammer Österreich führt eine Liste von Crowdinvesting-Plattformen, die sich freiwillig an Standesregeln halten. Eine Präsenz in einer solchen Liste ersetzt aber nicht deine eigene Prüfung.
Welche Crowdfunding-Plattform ist die beste?
Die beste Crowdfunding-Plattform gibt es nicht – es kommt auf dein Projekt an. Diese Fragen helfen dir, Crowdfunding-Plattformen zu vergleichen:
- Art der Finanzierung: Willst du Vorbestellungen sammeln (Reward) oder Kapital gegen Beteiligung (Equity)?
- Zielgruppe: Sind deine Unterstützer vor allem im deutschsprachigen Raum oder international? Internationale Plattformen bieten Reichweite, verlangen aber englische Kommunikation und internationalen Versand.
- Gebühren: Rechne Plattformgebühr, Zahlungsgebühren und eventuelle Pakete für Beratung oder Marketing zusammen.
- Finanzierungsmodell: Alles-oder-nichts oder flexibel? Alles-oder-nichts schützt dich davor, mit zu wenig Geld liefern zu müssen.
- Stabilität und Aufsicht: Hat die Plattform eine Lizenz, wie lange ist sie am Markt, wie wird mit Zahlungen umgegangen?
- Passung: Welche Projekte sind dort bereits erfolgreich gewesen? Ähnliche Projekte zeigen, ob die Community der Plattform zu dir passt.
Regeln für Crowdinvesting: Die EU-Verordnung
Seit November 2023 gilt für Crowdfunding-Plattformen, die Kredite oder Beteiligungen an Unternehmen vermitteln, vollständig die EU-Verordnung über Schwarmfinanzierungsdienstleister (EU 2020/1503). Die Plattformen brauchen eine Zulassung der nationalen Aufsicht, in Deutschland der BaFin, die dann EU-weit gilt. Die Verordnung erfasst Finanzierungen bis 5 Millionen Euro innerhalb von zwölf Monaten pro Projektsträger. Für nicht kundige Anleger sieht sie einen Kenntnistest, Risikohinweise und eine Bedenkzeit vor; bei höheren Beträgen (mehr als 1.000 Euro oder 5 Prozent des Reinvermögens) müssen Anleger ausdrücklich bestätigen, dass sie die Risiken verstanden haben.
Für dich als Gründer heißt das: Du musst ein Anlagebasisinformationsblatt erstellen, transparent über Risiken informieren und nach der Finanzierung regelmäßig berichten. Plane dafür Zeit und Beratungskosten ein. Reward-Crowdfunding fällt nicht unter diese Verordnung, hier gelten aber Kauf- und Verbraucherrecht, und Einnahmen sind in der Regel steuerpflichtig. Kläre die steuerliche Behandlung mit deiner Steuerberatung.
Was wir aus Crowdfunding lernen können
Aus zahlreichen Kampagnen lassen sich wiederkehrende Muster ableiten:
- Die Community kommt vor der Kampagne: Erfolgreiche Projekte starten mit einer Warteliste, einem Newsletter oder einer aktiven Social-Media-Gemeinschaft. Die ersten Tage entscheiden oft darüber, ob andere Besucher einem Projekt vertrauen.
- Realistisches Ziel: Berechne, was du mindestens brauchst, inklusive Produktion, Versand, Gebühren, Steuern und Puffer. Ein zu hohes Ziel schreckt ab, ein zu niedriges bringt dich bei der Lieferung in Schwierigkeiten.
- Kurzes, ehrliches Video: Zeig das Produkt, das Team und warum es das Projekt braucht. Wie du dein Vorhaben in wenigen Sätzen auf den Punkt bringst, erklärt unser Beitrag zum Elevator Pitch.
- Durchdachte Dankeschöns: Wenige, klar unterscheidbare Stufen funktionieren besser als zwanzig Varianten. Frühbucherangebote schaffen einen Anreiz zum schnellen Unterstützen.
- Transparenz bei Problemen: Viele Kampagnen liefern verspätet. Wer offen und regelmäßig informiert, behält das Vertrauen seiner Unterstützer.
- Nach der Kampagne ist vor dem Geschäft: Die Unterstützer sind deine ersten Kunden und Botschafter. Pflege den Kontakt auch nach der Auslieferung.
Crowdfunding lässt sich gut mit anderen Finanzierungswegen kombinieren. Einen Überblick über Alternativen findest du in den Beiträgen Wie Gründer unkonventionell an Kapital kommen, Bootstrapping und Investoren finden.
Zeitplan für eine Crowdfunding-Kampagne
Eine Kampagne beginnt lange vor dem ersten Euro. Ein realistischer Ablauf für ein Reward-Projekt sieht etwa so aus:
- Drei bis sechs Monate vorher: Prototyp fertigstellen, Produktionskosten bei Lieferanten anfragen, Warteliste oder Newsletter aufbauen, ähnliche Kampagnen analysieren.
- Vier bis sechs Wochen vorher: Projektseite, Video und Dankeschön-Stufen erstellen, Presse und Multiplikatoren kontaktieren, Freunde und Familie um Unterstützung am ersten Tag bitten.
- Während der Laufzeit (meist 30 bis 45 Tage): täglich auf Fragen antworten, regelmäßig Updates posten, Zwischenziele kommunizieren. Die Mitte der Laufzeit ist häufig ruhiger, plane für diese Phase neue Inhalte ein.
- Nach dem Ende: Daten der Unterstützer einsammeln, Produktion starten, Lieferzeitplan veröffentlichen und über Fortschritte und Verzögerungen berichten.
Kalkuliere auch die Zeit nach der Kampagne ein: Produktion, Qualitätskontrolle, Verpackung und Versand von mehreren Hundert Paketen sind für ein kleines Team ein eigenes Projekt. Viele Projektstarter unterschätzen genau diesen Teil.
Häufige Fragen
Was sind Crowdfunding-Plattformen?
Ein Online-Marktplatz, auf dem Projekte oder Unternehmen um Geld von vielen Unterstützern werben. Die Plattform wickelt Zahlungen ab und erhält dafür eine Gebühr.
Welche Crowdfunding-Plattform ist die beste?
Das hängt von deinem Projekt ab: Für Produkte und Kreativprojekte im deutschsprachigen Raum ist Startnext verbreitet, für internationale Technikprodukte Kickstarter oder Indiegogo, für Beteiligungskapital spezialisierte Crowdinvesting-Plattformen.
Was kostet Crowdfunding?
Crowdfunding-Plattformen verlangen eine Plattformgebühr von etwa 5 bis 14 Prozent plus Zahlungsgebühren, bei Alles-oder-nichts-Modellen in der Regel nur bei Erfolg. Hinzu kommen Kosten für Video, Dankeschöns, Versand und beim Crowdinvesting für rechtliche Unterlagen.
Muss ich Crowdfunding-Einnahmen versteuern?
Beim Reward-Crowdfunding sind die Einnahmen in der Regel Betriebseinnahmen und können umsatzsteuerpflichtig sein. Spenden und Beteiligungen werden anders behandelt. Lass dich steuerlich beraten.
Fazit
Crowdfunding-Plattformen bieten Gründern eine Finanzierung, die zugleich Markttest und Marketing ist. Entscheidend sind die passende Plattform, ein realistisch kalkuliertes Ziel, eine vorbereitete Community und ehrliche Kommunikation. Beim Crowdinvesting kommen strengere Regeln hinzu, und die Lage der Plattformen sollte vorab geprüft werden – die Insolvenz der OneCrowd-Gruppe 2026 zeigt, dass auch etablierte Anbieter nicht risikolos sind.
