Auswandern nach Portugal ist für viele Gründer und Selbstständige aus dem DACH-Raum mehr als ein Sonnentraum: Das Land bietet eine schnelle, günstige Firmengründung, ein lebendiges Startup-Umfeld in Lissabon und Porto und mit dem IFICI-Regime ein Steuermodell für bestimmte Fachkräfte und Startup-Manager. Gleichzeitig sind Mieten in den Metropolen stark gestiegen, das alte Steuerprivileg NHR ist ausgelaufen, und auch in Deutschland gibt es vor dem Wegzug einiges zu klären.
Dieser Leitfaden zeigt dir, was du als Selbstständiger oder Unternehmer beim Auswandern nach Portugal wissen musst: Aufenthalt, Rechtsformen, Steuern, Sozialversicherung, Kosten und die Pflichten in Deutschland. Alle Angaben haben den Stand Oktober 2026. Steuer- und Aufenthaltsregeln ändern sich in Portugal derzeit häufig, daher solltest du deine Situation immer individuell mit einer Steuerberatung in beiden Ländern prüfen.
Warum Portugal für Gründer interessant ist
Wer über das Auswandern nach Portugal nachdenkt, findet einen etablierten Startup-Standort, der sich in den vergangenen zehn Jahren stark entwickelt hat. Lissabon ist Gastgeber des Web Summit, Porto und Braga haben aktive Tech-Szenen, und die staatliche Initiative Startup Portugal bündelt Programme, Inkubatoren und Informationen für Gründer. Für dich als Selbstständigen zählen vor allem diese Punkte:
- Schnelle Gründung: Eine GmbH-ähnliche Gesellschaft lässt sich über den Service „Empresa na Hora“ oft an einem Tag gründen.
- EU-Binnenmarkt: Als EU-Bürger brauchst du kein Visum, deine Kunden in Deutschland bleiben im selben Rechtsraum, und der Euro erspart Währungsrisiken.
- Zeitzone und Infrastruktur: Portugal liegt nur eine Stunde hinter Deutschland, Glasfaser ist in Städten verbreitet, und es gibt viele Coworking-Spaces.
- Talentpool: Gut ausgebildete Fachkräfte, besonders in IT, zu Gehältern unter deutschem Niveau.
Wer lieber auf eine Insel mit eigener Steuerzone schaut, findet Details im Beitrag Auswandern nach Madeira.
Aufenthalt und Visum für Selbstständige
Auswandern nach Portugal als EU-Bürger
Als Deutscher, Österreicher oder Schweizer kannst du dich in Portugal frei niederlassen und selbstständig arbeiten. Bleibst du länger als drei Monate, beantragst du bei der Gemeinde (Câmara Municipal) die Registrierungsbescheinigung für EU-Bürger (Certificado de Registo de Cidadão da UE). Vorher brauchst du die Steuernummer NIF, ohne die du weder Mietvertrag noch Bankkonto oder Handyvertrag bekommst. Solange du keine portugiesische Adresse hast, benötigst du für die NIF in der Regel einen steuerlichen Vertreter.
Nicht-EU-Bürger: D2, Startup-Visum und D8
Für Partner oder Mitgründer ohne EU-Pass gibt es mehrere Wege. Die Anträge laufen über das portugiesische Konsulat und anschließend über die Migrationsbehörde AIMA, die 2023 den früheren SEF ersetzt hat.
- D2-Visum: für Unternehmer und Selbstständige mit Geschäftsplan, Eigenmitteln und tatsächlicher Geschäftstätigkeit in Portugal.
- Startup-Visum: für innovative Gründungsprojekte, die von einem zertifizierten Inkubator angenommen werden; die Prüfung läuft über die Agentur IAPMEI.
- D8-Visum (Digital Nomad): für Remote-Arbeit für ausländische Auftraggeber; gefordert ist ein Einkommen von mindestens dem Vierfachen des portugiesischen Mindestlohns. Bei 920 Euro Mindestlohn 2026 sind das 3.680 Euro brutto im Monat.
Wichtig für die langfristige Planung: Mit dem Organgesetz 1/2026 hat Portugal die Einbürgerung verschärft. Bürger der EU und portugiesischsprachiger Länder (CPLP) benötigen nun sieben statt fünf Jahre legalen Aufenthalt, Bürger anderer Staaten zehn Jahre, gezählt ab Ausstellung des ersten Aufenthaltstitels.
Firma in Portugal gründen: Rechtsformen und Kosten
Die meisten Gründer wählen zwischen dem Einzelunternehmer-Status und einer Kapitalgesellschaft. Die Grundzüge im Überblick:
| Form | Vergleichbar mit | Haftung | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Trabalhador independente | Freiberufler / Einzelunternehmer | unbeschränkt | Anmeldung online beim Finanzamt, Rechnungen über „recibos verdes“ |
| Empresário em nome individual | eingetragener Kaufmann | unbeschränkt | für Handel und Gewerbe mit Buchführungspflicht |
| Sociedade Unipessoal por Quotas | Ein-Personen-GmbH | auf Gesellschaftsvermögen beschränkt | Stammkapital ab 1 Euro pro Anteil möglich |
| Sociedade por Quotas (Lda.) | GmbH | auf Gesellschaftsvermögen beschränkt | mehrere Gesellschafter, häufigste Form |
| Sociedade Anónima (S.A.) | AG | beschränkt | Mindestkapital 50.000 Euro, eher für größere Vorhaben |
Die Gründung über „Empresa na Hora“ kostet laut gängigen Übersichten 360 Euro inklusive Handelsregistereintrag und Veröffentlichung, wenn das Kapital in bar eingebracht wird. Eine Marke kannst du parallel über den Service „Marca na Hora“ anmelden (laut Übersichten rund 200 Euro für die erste Klasse). Hinzu kommen laufende Kosten: Kapitalgesellschaften brauchen in Portugal einen zertifizierten Buchhalter (Contabilista Certificado), der je nach Umfang meist ein paar hundert Euro im Monat kostet. Plane außerdem ein Geschäftskonto ein; die meisten Banken verlangen NIF, Wohnsitznachweis und persönliche Identifikation.
Wie du eine Auslandsgründung grundsätzlich strukturierst und welche Fragen du vorab klären solltest, liest du im Beitrag International gründen.
Steuern in Portugal für Selbstständige und Unternehmen
Einkommensteuer (IRS)
Steuerlich ansässig bist du in Portugal, wenn du dich mehr als 183 Tage im Jahr dort aufhältst oder eine Wohnung hast, die auf einen dauerhaften Aufenthalt schließen lässt. Dann versteuerst du dein Welteinkommen mit einem progressiven Tarif, der 2026 bei 12,5 Prozent beginnt und bis 48 Prozent reicht. Für hohe Einkommen kommt ein Solidaritätszuschlag hinzu. Selbstständige mit kleinem Umsatz können das vereinfachte Regime (regime simplificado) nutzen, bei dem nur ein Teil des Umsatzes als Gewinn angesetzt wird; bei Dienstleistungen sind das in vielen Fällen 75 Prozent.
Körperschaftsteuer (IRC)
Der allgemeine IRC-Satz liegt 2026 bei 19 Prozent, ein Prozentpunkt weniger als 2025. Kleine und mittlere Unternehmen zahlen auf die ersten 50.000 Euro Gewinn 15 Prozent. Je nach Gemeinde kommt eine Gemeindeabgabe (derrama municipal) von bis zu 1,5 Prozent hinzu, bei sehr hohen Gewinnen eine staatliche Zusatzabgabe. Die Regierung plant, den Satz in den kommenden Jahren weiter zu senken.
IFICI: das Nachfolgeregime des NHR
Das frühere Sonderregime für „Nicht gewöhnlich Ansässige“ (NHR) steht neuen Zuzüglern nicht mehr offen. Seit 2024 gibt es stattdessen das IFICI (oft „NHR 2.0“ genannt). Es gewährt zehn Jahre lang einen Pauschalsatz von 20 Prozent auf qualifizierte Arbeits- und Geschäftsführereinkünfte; viele Auslandseinkünfte sind befreit.
Voraussetzungen sind unter anderem: keine Steueransässigkeit in Portugal in den vorigen fünf Jahren und eine Tätigkeit in Forschung oder Innovation, etwa als Angestellter oder Geschäftsführer eines nach dem portugiesischen Startup-Gesetz anerkannten Startups. Klassische Freiberufler ohne diesen Bezug fallen meist nicht darunter.
Die Anmeldung erfolgt über das Portal das Finanças, in der Regel bis 15. Januar des Folgejahres.
Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland
Wichtig beim Auswandern nach Portugal: Zwischen beiden Ländern gilt ein Doppelbesteuerungsabkommen. Es regelt, welcher Staat welche Einkünfte besteuern darf, etwa bei Unternehmensgewinnen, Dividenden aus einer deutschen GmbH oder Mieteinnahmen aus einer Immobilie in Deutschland. Deutsche Mieteinnahmen bleiben beispielsweise in Deutschland steuerpflichtig. Lass die Zuordnung deiner Einkunftsarten vor dem Umzug prüfen.
Sozialversicherung und Krankenversicherung
In Portugal zahlst du als Selbstständiger (trabalhador independente) laut Segurança Social 21,4 Prozent Beiträge. Bemessungsgrundlage sind bei Dienstleistungen 70 Prozent der Einnahmen, bei Warenverkauf 20 Prozent. Die Beitragspflicht beginnt in der Regel erst ab dem zwölften Monat nach Aufnahme der Tätigkeit, du meldest dein Einkommen vierteljährlich.
Geschäftsführer einer eigenen Lda. sind über die Gesellschaft versichert, hier fallen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile an.
Mit der Anmeldung als Einwohner erhältst du Zugang zum staatlichen Gesundheitsdienst SNS. Die Grundversorgung ist solide, Wartezeiten bei Fachärzten sind aber lang, daher schließen viele Selbstständige eine private Krankenversicherung ab. Wenn du in der Übergangszeit weiter für deutsche Kunden arbeitest, kläre, ob eine A1-Bescheinigung oder die Weiterversicherung in Deutschland sinnvoll ist. Eine Anwartschaftsversicherung bei deiner deutschen Krankenkasse sichert die Rückkehr ab.
Kosten beim Auswandern nach Portugal
Beim Auswandern nach Portugal solltest du die Kosten realistisch ansetzen: Das Land ist günstiger als Deutschland, aber nicht mehr billig. Die größte Variable ist die Miete. Die folgenden Werte sind Orientierungsgrößen aus aktuellen Mietportalen und Erfahrungsberichten und können stark schwanken:
| Ort | 1-Zimmer-Wohnung, Miete/Monat | Budget Einzelperson inkl. Miete |
|---|---|---|
| Lissabon (zentral) | ca. 1.000–1.400 Euro | ca. 1.800–2.300 Euro |
| Porto | ca. 800–1.100 Euro | ca. 1.500–1.900 Euro |
| Braga, Coimbra, Aveiro | ca. 550–800 Euro | ca. 1.200–1.500 Euro |
| Algarve (Ganzjahresmiete) | ca. 800–1.200 Euro | ca. 1.500–2.000 Euro |
Lebensmittel im Supermarkt, Restaurantbesuche und öffentlicher Nahverkehr sind meist günstiger als in Deutschland, Strom, Elektronik und Autos dagegen ähnlich teuer oder teurer. Bei Mietverträgen sind zwei bis drei Monatsmieten Kaution und teils Vorauszahlungen üblich.
Portugal auswandern: Nachteile und Herausforderungen
Nach dem Umzug stoßen viele Gründer auf ähnliche Hürden:
- Bürokratie: Termine bei Behörden, besonders bei AIMA, können lange dauern. Vieles läuft auf Portugiesisch.
- Wohnungsmarkt: In Lissabon und Porto ist das Angebot knapp, Mieten liegen teils auf deutschem Großstadtniveau.
- Kleiner Heimatmarkt: Mit rund zehn Millionen Einwohnern ist Portugal für B2C-Geschäftsmodelle begrenzt; viele Gründer zielen von Anfang an auf internationale Kunden.
- Kaufkraft: Das Lohnniveau ist niedrig, lokale Kunden zahlen weniger als in Deutschland.
- Steuerliche Komplexität: Zwei Steuersysteme, wechselnde Regeln und die deutsche Wegzugsbesteuerung erfordern Beratung.
Auswandern nach Portugal: To-dos in Deutschland
- Abmeldung: Melde deinen Wohnsitz beim Bürgeramt ab. Behältst du eine Wohnung in Deutschland, kann deine unbeschränkte Steuerpflicht bestehen bleiben.
- Gewerbe und Finanzamt: Melde dein deutsches Gewerbe ab oder um und informiere das Finanzamt. Wie die Einkommensteuer im Wegzugsjahr berechnet wird, solltest du vorab klären.
- Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG: Hältst du mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft und warst du in den letzten zwölf Jahren mindestens sieben Jahre unbeschränkt steuerpflichtig, besteuert Deutschland beim Wegzug den fiktiven Veräußerungsgewinn deiner Anteile. Seit 2022 gibt es keine unbefristete zinslose Stundung für EU-Wegzüge mehr; auf Antrag kann die Steuer in sieben Jahresraten gezahlt werden, meist gegen Sicherheitsleistung. Kehrst du innerhalb von sieben Jahren zurück, kann der Anspruch entfallen.
- Deutsche GmbH: Führst du deine GmbH aus Portugal weiter, kann sich der Ort der Geschäftsleitung nach Portugal verlagern. Das hat Folgen für die Besteuerung der Gesellschaft.
- Versicherungen und Rente: Krankenkasse, Rentenversicherung und Berufshaftpflicht informieren und Anwartschaften prüfen.
Gerade für erfahrene Unternehmer, die über einen Neustart im Ausland nachdenken, lohnt auch ein Blick auf den Beitrag Selbstständig mit 50.
Häufige Fragen
Was braucht man, um nach Portugal auszuwandern?
Für das Auswandern nach Portugal brauchst du als EU-Bürger einen gültigen Ausweis, eine portugiesische Steuernummer (NIF), nach drei Monaten die Registrierungsbescheinigung der Gemeinde sowie eine Krankenversicherung bis zur Aufnahme ins SNS. Als Selbstständiger meldest du deine Tätigkeit zusätzlich beim Finanzamt und bei der Segurança Social an.
Wie viel Geld braucht man, um nach Portugal auszuwandern?
Rechne beim Auswandern nach Portugal für die ersten Monate mit Kaution und Vorauszahlungen (oft drei bis vier Monatsmieten), Umzugs- und Gründungskosten sowie einem Puffer für sechs bis zwölf Monate Lebenshaltung. Für eine Einzelperson in Porto sind das grob 15.000 bis 25.000 Euro, in Lissabon eher mehr.
Kann ich als Freiberufler das IFICI nutzen?
Nur in Ausnahmefällen. Das IFICI zielt auf qualifizierte Tätigkeiten in Forschung und Innovation, etwa bei anerkannten Startups oder zertifizierten Unternehmen. Typische Freiberufler ohne diesen Bezug versteuern nach dem normalen Tarif.
Wie schnell kann ich in Portugal eine Firma gründen?
Mit „Empresa na Hora“ ist eine Lda. oft am selben Tag eingetragen. Vorher brauchst du NIF und für Ausländer häufig einen steuerlichen Vertreter.
Fazit
Das Auswandern nach Portugal ist für Gründer und Selbstständige attraktiv: schnelle Gründung, EU-Recht, moderate Unternehmenssteuern und eine internationale Startup-Szene. Ein Steuerparadies ist das Land nicht mehr, und die Lebenshaltungskosten in Lissabon und Porto sind deutlich gestiegen. Wer seine Firma, Steuern und Versicherungen vor dem Umzug sauber plant und die deutsche Wegzugsbesteuerung im Blick hat, kann den Schritt aber gut vorbereitet gehen. Lass dich vor dem Wegzug individuell steuerlich beraten.
Quellen
- Startup Portugal: IFICI – Incentive for Scientific Investigation and Innovation
- ECO: Do IRC à contabilidade, o que muda para as empresas em 2026
- Segurança Social: Informationsblatt für Selbstständige (trabalhadores independentes)
- DECO Proteste: Salário mínimo 2026 passa a 920 euros
- Lei Orgânica n.º 1/2026 (Staatsangehörigkeitsgesetz, Volltext)
- ADVANT Beiten: Neuerungen bei der Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG)
