Auswandern nach Madeira ist für viele Selbstständige und Gründer attraktiv: mildes Klima das ganze Jahr, eine wachsende Community digitaler Arbeiter, gute Flugverbindungen nach Deutschland und als Teil Portugals die volle EU-Freizügigkeit. Dazu kommen regionale Steuervorteile und mit dem International Business Centre of Madeira ein Sonderregime für Unternehmen.
Dieser Leitfaden zum Auswandern nach Madeira zeigt dir, welche Formalitäten für EU-Bürger anfallen, wie du dich als Selbstständiger anmeldest oder eine Firma gründest, was Sozialversicherung und Steuern kosten, wie hoch die Lebenshaltungskosten sind und was du in Deutschland vor dem Wegzug klären solltest. Stand der Angaben: Oktober 2026; eine individuelle Steuerberatung ersetzt der Text nicht.
Auswandern nach Madeira: Warum die Insel Gründer anzieht
- EU-Recht: Kein Visum, freie Niederlassung und Zugang zum portugiesischen Markt.
- Infrastruktur für Remote-Arbeit: Coworking-Angebote in Funchal und Ponta do Sol, gute Internetversorgung in den Orten.
- Steuern: Auf Madeira gelten regional niedrigere Steuersätze als auf dem Festland, und für lizenzierte Firmen gibt es das IBC-Regime.
- Lebensqualität: Natur, Sicherheit und eine überschaubare Größe mit rund 250.000 Einwohnern.
Gleichzeitig ist die Insel klein. Wer vor Ort Kunden sucht, findet einen begrenzten Markt, der stark vom Tourismus abhängt.
Auswandern nach Madeira: Voraussetzungen für EU-Bürger
Als Deutscher brauchst du für das Auswandern nach Madeira kein Visum. Diese Schritte sind trotzdem nötig:
- NIF: die portugiesische Steuernummer, Voraussetzung für Mietvertrag, Bankkonto und jede geschäftliche Tätigkeit. Du erhältst sie beim Finanzamt oder über einen Vertreter.
- Registrierung nach drei Monaten: Laut EU-Portal „Ihr Europa“ meldest du dich nach drei Monaten bei der zuständigen Behörde an, in Portugal bei der Gemeinde (Câmara Municipal). Selbstständige weisen dabei ihren Status nach. Du erhältst das Certificado de Registo de Cidadão da União Europeia.
- NISS: die Sozialversicherungsnummer für die Segurança Social.
- Gesundheitszentrum: Mit Wohnsitz kannst du dich beim regionalen Gesundheitsdienst registrieren.
Selbstständig oder Firma gründen auf Madeira
Trabalhador independente
Der einfachste Weg ist die Anmeldung als selbstständig Tätiger (trabalhador independente) online im Portal das Finanças. Du „röffnest die Tätigkeit“ mit dem passenden Tätigkeitscode und stellst Rechnungen elektronisch aus (recibos verdes). Im vereinfachten Regime wird bei vielen Dienstleistungen nur ein Teil des Umsatzes pauschal als Gewinn angesetzt.
Sociedade por Quotas (Lda.)
Die Lda. ist die portugiesische GmbH. Das Mindestkapital ist sehr niedrig, die Gründung ist über Online-Verfahren oder über Schnellgründungsstellen (Empresa na Hora) möglich. Sie lohnt sich, wenn du die Haftung begrenzen, Mitarbeiter einstellen oder später Investoren aufnehmen willst.
International Business Centre of Madeira (IBC)
Lizenzierte Gesellschaften im IBC zahlen laut Betreibergesellschaft SDM 5 Prozent Körperschaftsteuer bis Ende 2033. Neue Gesellschaften können bis zum 31. Dezember 2026 gegründet werden. Bedingungen:
| Arbeitsplätze | Mindestinvestition | Gewinn-Obergrenze für 5 % |
|---|---|---|
| 1–2 | 75.000 Euro in Anlagegüter | 2,73 Mio. Euro |
| 3–5 | 75.000 Euro in Anlagegüter | 3,55 Mio. Euro |
| 6–30 | keine | 21,87 Mio. Euro |
Die Arbeitsplätze müssen in den ersten sechs Monaten entstehen. Bei internationalen Dienstleistungen gilt der Vorzugssatz nur für Geschäfte mit Nichtansässigen oder anderen IBC-Firmen; Geschäfte mit portugiesischen Unternehmen werden mit dem allgemeinen Madeira-Satz von 13,3 Prozent besteuert. Für Solo-Selbstständige ohne Mitarbeiter ist das IBC daher meist nicht passend.
Ob du statt einer Firma auf Madeira lieber in Deutschland bleibst und international verkaufst, klärt unser Beitrag zum Thema international gründen.
Geschäftsmodelle mit Chancen
Neben ortsunabhängigen Dienstleistungen für Kunden im Ausland funktionieren auf der Insel vor allem Angebote rund um Tourismus, Outdoor-Aktivitäten, Gastronomie und Dienstleistungen für Zugezogene, etwa Immobilienverwaltung oder Relocation-Services. Wer nach dem Auswandern nach Madeira vor Ort verkaufen will, sollte Saisonalität, Lizenzen für touristische Angebote und die Konkurrenz durch bestehende Anbieter genau prüfen.
Sozialversicherung und Krankenversicherung
Als selbstständig Tätiger zahlst du Beiträge an die Segurança Social. Der Beitragssatz beträgt 21,4 Prozent, berechnet auf 70 Prozent des maßgeblichen Einkommens aus Dienstleistungen. Im ersten Jahr nach der Erstanmeldung bist du in der Regel von Beiträgen befreit. Die Beiträge meldest du vierteljährlich.
Mit Wohnsitz und Registrierung hast du Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem. Viele Auswanderer ergänzen es um eine private Versicherung, um Wartezeiten zu verkürzen. Dank der EU-Koordinierung bleiben deutsche Rentenzeiten erhalten.
Steuern nach dem Auswandern nach Madeira
Du wirst in Portugal steuerlich ansässig, wenn du dich mehr als 183 Tage im Jahr dort aufhältst oder dort eine Wohnung als gewöhnlichen Aufenthalt hast. Dann versteuerst du dein Welteinkommen in Portugal.
- Einkommensteuer (IRS): progressiv; auf Madeira gelten regional reduzierte Sätze gegenüber dem Festland.
- Körperschaftsteuer (IRC): auf Madeira 13,3 Prozent allgemein, im IBC 5 Prozent unter den genannten Bedingungen.
- Mehrwertsteuer: auf Madeira niedriger als auf dem Festland; Kleinunternehmer können unter einer Umsatzgrenze befreit sein.
- IFICI: Das frühere NHR-Regime wurde für Neuzuzüge abgeschafft. Sein Nachfolger begünstigt nur bestimmte qualifizierte Tätigkeiten, etwa in Forschung, Innovation und Startups, mit einem Pauschalsatz von 20 Prozent. Klassische Freiberufler fallen meist nicht darunter.
Zwischen Deutschland und Portugal gilt ein Doppelbesteuerungsabkommen von 1980. Es regelt die Ansässigkeit bei doppeltem Wohnsitz und die Verteilung der Besteuerungsrechte.
Lebenshaltungskosten beim Auswandern nach Madeira
Madeira ist günstiger als deutsche Großstädte, aber die Mieten sind durch Zuzug und Ferienvermietung stark gestiegen. Werte für Funchal laut Numbeo, Stand Oktober 2026:
| Posten | Funchal (ca.) |
|---|---|
| Einzelperson ohne Miete | rund 660 Euro pro Monat |
| 1-Zimmer-Wohnung Zentrum | rund 1.340 Euro pro Monat |
| 1-Zimmer-Wohnung außerhalb | rund 1.100 Euro pro Monat |
Rechne als Einzelperson mit Wohnung also schnell mit 1.800 Euro und mehr im Monat. Günstiger wohnt es sich oft im Norden oder in den höher gelegenen Orten, die allerdings feuchter und schlechter angebunden sind.
Wohnorte im Überblick
- Funchal: Hauptstadt mit Behörden, Kliniken, Schulen und dem größten Angebot an Coworking; dafür die höchsten Mieten.
- Ponta do Sol und Calheta: sonnige Südwestküste, beliebt bei Remote-Arbeitern, kleineres Wohnungsangebot.
- Machico und Santa Cruz: nahe am Flughafen, praktisch für häufige Reisen nach Deutschland.
- Norden der Insel: ruhiger und oft günstiger, aber feuchter und mit längeren Wegen.
Beim Auswandern nach Madeira empfiehlt es sich, zunächst einige Monate möbliert zu mieten und verschiedene Orte im Alltag zu testen, bevor du einen langfristigen Mietvertrag unterschreibst oder eine Immobilie kaufst.
Madeira auswandern: Nachteile
- Kleiner lokaler Markt und begrenzte Jobangebote.
- Hohe Mieten in Funchal und an der Südküste, wenig Wohnungsangebot.
- Insellage: Waren kommen per Schiff oder Flugzeug, manche Produkte sind teurer.
- Fachmedizinische Versorgung teils nur in Funchal oder auf dem Festland.
- Steile Straßen, ohne Auto ist der Alltag außerhalb Funchals schwierig.
Was du in Deutschland erledigen musst
- Beim Einwohnermeldeamt abmelden. Behältst du eine Wohnung in Deutschland, kannst du hier unbeschränkt einkommensteuerpflichtig bleiben.
- Gewerbe abmelden oder Firma umstrukturieren; Finanzamt und Kunden informieren.
- Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG) prüfen: Bei mindestens 1 Prozent Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft und mindestens sieben Jahren unbeschränkter Steuerpflicht in den letzten zwölf Jahren werden beim Wegzug die stillen Reserven besteuert. Seit 2022 gilt das auch beim Umzug innerhalb der EU; auf Antrag Ratenzahlung über sieben Jahre.
- § 2 AStG: Nutzt du ein Sonderregime mit sehr niedriger Belastung, kann die erweiterte beschränkte Steuerpflicht greifen. Lass das bei der Planung prüfen.
- Krankenversicherung, Altersvorsorge und Versicherungen an den neuen Wohnsitz anpassen.
Bankkonto, Netzwerk und Start-Checkliste
Ein portugiesisches Konto eröffnest du mit NIF, Ausweis und Adressnachweis. Für Lda. und IBC-Firmen ist ein Geschäftskonto vor Ort nötig. Viele Selbstständige behalten anfangs ihr deutsches Geschäftskonto.
Für Gründer bietet die Insel Inkubatoren wie Startup Madeira, Coworking-Spaces und eine aktive Szene von Remote-Arbeitern. Beim Auswandern nach Madeira lohnt es sich, Portugiesisch zu lernen: Behörden, Handwerker und viele lokale Kunden sprechen kaum Englisch. Ein knapper Elevator Pitch hilft auf Netzwerkveranstaltungen, und Coworking erleichtert den Anschluss an die Community.
Checkliste fürs Auswandern nach Madeira
- NIF beantragen, idealerweise schon vor dem Umzug.
- Steuerberatung in Deutschland und Portugal zu Ansässigkeit, Wegzugsbesteuerung und Rechtsform einholen.
- Wohnung für die ersten Monate sichern und Adressnachweis besorgen.
- Tätigkeit im Portal das Finanças eröffnen oder Lda. gründen.
- Nach drei Monaten bei der Gemeinde registrieren, NISS beantragen und im Gesundheitszentrum anmelden.
- Bankkonto eröffnen und Buchhaltung mit einem lokalen Steuerberater (contabilista certificado) organisieren.
Häufige Fragen
Warum nach Madeira auswandern?
Gründe sind das ganzjährig milde Klima, EU-Freizügigkeit, eine aktive Remote-Arbeits-Szene, regionale Steuervorteile und das IBC-Regime für Unternehmen mit Arbeitsplätzen vor Ort.
Welche Voraussetzungen gelten für das Auswandern nach Madeira?
Du brauchst einen gültigen Ausweis, eine NIF, nach drei Monaten die Registrierung bei der Gemeinde mit Nachweis deiner Tätigkeit oder ausreichender Mittel sowie eine Krankenversicherung.
Kann ich auf Madeira von der NHR-Regelung profitieren?
Nein, das alte NHR-Regime steht Neuzuzüglern nicht mehr offen. Der Nachfolger IFICI gilt nur für bestimmte qualifizierte Tätigkeiten.
Lohnt sich das IBC für Solo-Selbstständige?
Meist nicht, denn es setzt Arbeitsplätze und bei kleinen Firmen eine Investition von mindestens 75.000 Euro voraus.
Wie teuer ist das Leben auf Madeira?
Laut Numbeo kostet das Leben in Funchal ohne Miete rund 660 Euro im Monat für eine Einzelperson, eine 1-Zimmer-Wohnung im Zentrum rund 1.340 Euro. Außerhalb der Hauptstadt und im Norden sind die Mieten meist niedriger.
Brauche ich Portugiesisch?
Für Remote-Arbeit mit internationalen Kunden reicht Englisch. Für Behördengänge, Vermieter und lokale Kunden sind Grundkenntnisse in Portugiesisch sehr hilfreich.
Fazit
Auswandern nach Madeira ist für EU-Bürger rechtlich unkompliziert und für Remote-Selbstständige attraktiv. Die Insel bietet Lebensqualität, Netzwerke und für Firmen mit Mitarbeitern ein sehr günstiges Steuerregime. Hohe Mieten, ein kleiner Markt und die deutschen Wegzugsregeln gehören aber ebenso in die Planung wie eine solide Steuerberatung.
Teste das Leben auf der Insel am besten einige Monate mit möblierter Unterkunft, bevor du deine Firma ummeldest oder langfristige Verträge eingehst. So erkennst du früh, ob Markt, Wohnort und Alltag zu deinem Geschäftsmodell passen.
