Wer Kapital von Business Angels oder Venture-Capital-Fonds einsammeln will, kommt an einer guten Präsentation nicht vorbei. Wenn du ein Pitch Deck erstellen willst, geht es nicht um möglichst viele Folien, sondern darum, in wenigen Minuten verständlich zu machen, welches Problem du löst, warum gerade jetzt und warum dein Team das schafft.
In dieser Anleitung erfährst du, was Investoren in einem Deck erwarten, welche Folien in welcher Reihenfolge sinnvoll sind, wie du Design und Umfang wählst und welche Fehler du vermeiden solltest. Am Ende findest du eine Checkliste und Antworten auf häufige Fragen.
Was Investoren von deinem Pitch Deck erwarten
Bevor du ein Pitch Deck erstellen kannst, musst du die Perspektive der Geldgeber verstehen. Investoren sehen sehr viele Präsentationen und investieren nur in einen kleinen Teil der Startups, die sie ansprechen. Dein Deck muss deshalb schnell zwei Fragen beantworten: Wie groß ist die Chance, und wie hoch ist das Risiko?
- Chance: Wie groß ist der adressierbare Markt, wie stark kann dein Unternehmen wachsen und welche Rendite ist bei einem erfolgreichen Exit realistisch?
- Marktrisiko: Gibt es genügend zahlungsbereite Kunden, und wächst der Markt?
- Produktrisiko: Funktioniert deine Lösung, und was unterscheidet sie dauerhaft vom Wettbewerb?
- Umsetzungsrisiko: Kann dein Team Kunden gewinnen, Produkt und Vertrieb skalieren und mit dem Kapital haushalten?
Alle Angaben müssen belastbar sein. Überzogene Prognosen schaden deiner Glaubwürdigkeit mehr, als sie nützen. Erfahrene Investoren prüfen Zahlen in der Due Diligence ohnehin nach.
Pitch Deck erstellen: Die Struktur in 10 Folien
Eine bewährte Grundstruktur stammt aus dem Leitfaden der Investmentfirma Sequoia Capital, der laut Sequoia auch den Gründern von Airbnb beim Aufbau ihres Decks half. Du kannst die Reihenfolge an dein Geschäftsmodell anpassen, solltest aber alle Punkte abdecken.
- Unternehmenszweck: Beschreibe dein Unternehmen in einem einzigen klaren Satz.
- Problem: Welches Problem hat deine Zielgruppe, und wie wird es heute gelöst?
- Lösung: Was ist an deinem Ansatz neu, und warum ist er besser als bestehende Alternativen?
- Warum jetzt: Welche technologische, rechtliche oder gesellschaftliche Entwicklung macht deine Lösung gerade jetzt möglich?
- Marktpotenzial: Wer sind deine Kunden, und wie groß ist der Markt?
- Wettbewerb: Welche direkten und indirekten Wettbewerber gibt es, und wie willst du gewinnen?
- Produkt: Wie funktioniert dein Produkt? Screenshots oder eine kurze Demo helfen.
- Geschäftsmodell: Wie verdienst du Geld, und wie sehen Preise und Margen aus?
- Team: Wer seid ihr, und warum seid ihr die Richtigen für diese Aufgabe?
- Finanzen und Kapitalbedarf: Kennzahlen, Planung und wofür du das Kapital einsetzen willst.
Viele Gründer ergänzen eine Folie zur Traktion, etwa mit Umsatz, Nutzerzahlen oder Pilotkunden, sowie eine Vision für die nächsten fünf Jahre. Traktion ist oft das stärkste Argument überhaupt, weil sie zeigt, dass Kunden dein Produkt tatsächlich wollen.
Problem und Lösung klar verbinden
Die Problem- und die Lösungsfolie gehören zusammen. Nutze ähnliche Gestaltung und Begriffe, damit der Zusammenhang sofort erkennbar ist. Belege das Problem mit Daten, Kundeninterviews oder konkreten Beispielen, statt es nur zu behaupten.
Finanzen realistisch darstellen
Zeige die wichtigsten Kennzahlen deines Geschäftsmodells, zum Beispiel monatlich wiederkehrenden Umsatz, Kundengewinnungskosten, Kundenwert und Bruttomarge. Eine Planung über drei bis fünf Jahre ist üblich. Wichtiger als hohe Zahlen ist, dass die Annahmen nachvollziehbar sind und zu deinem Markt passen.
Zwei Versionen: zum Lesen und zum Präsentieren
In der Praxis brauchst du meist zwei Fassungen. Das Lese-Deck schickst du vorab per E-Mail; es muss ohne mündliche Erklärung verständlich sein und enthält daher mehr Text und Zahlen. Das Präsentations-Deck nutzt du im Termin; es zeigt wenige Kernaussagen, große Grafiken und lässt dir Raum zum Erzählen.
So bleibt die Aufmerksamkeit während des Gesprächs bei dir und nicht beim Lesen der Folien. Wie du deine Kernbotschaft auf wenige Sätze verdichtest, zeigt unser Beitrag zum Elevator Pitch.
Design und Branding
Ein Pitch Deck ist auch eine Visitenkarte deines Unternehmens. Ein einheitlicher Auftritt mit Logo, festen Farben und maximal zwei Schriften wirkt professionell und erleichtert das Lesen. Wenn dir noch ein Logo oder eine Markenidentität fehlt, kannst du mit Online-Tools wie Tailor Brands erste Entwürfe erstellen; worauf es bei einem langlebigen Logo ankommt, erklärt unser Artikel zu zeitlosem Design.
Vorlagen und Beispiele nutzen
Wenn du ein Pitch Deck erstellen möchtest, musst du nicht bei null anfangen. Veröffentlichte Decks bekannter Startups zeigen, wie andere Gründer ihre Geschichte aufgebaut haben. Eine Sammlung mit Beispielen etwa von Airbnb oder Uber kannst du dir bei Venngage hier ansehen. Fertige Folienvorlagen für PowerPoint, Keynote oder Google Slides bieten Plattformen wie Slidemembers sowie die Vorlagenbibliotheken der gängigen Präsentationsprogramme.
Achte bei Vorlagen darauf, sie an deine Inhalte anzupassen und nicht umgekehrt. Ein Deck, das erkennbar aus einer Standardvorlage stammt und Platzhalter oder unpassende Grafiken enthält, wirkt unfertig.
So gehst du beim Pitch Deck erstellen vor
Viele Gründer öffnen sofort ein Präsentationsprogramm und gestalten Folien. Sinnvoller ist es, erst die Inhalte zu klären und dann zu gestalten. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Kernbotschaft formulieren: Schreibe deine Geschichte zunächst als kurzen Text mit zehn bis zwölf Sätzen, einem Satz pro Folie.
- Daten sammeln: Marktzahlen, Kennzahlen, Kundenfeedback und Finanzplan sollten vorliegen, bevor du ein Pitch Deck erstellen und gestalten lässt.
- Rohfassung bauen: Erst Text und Zahlen auf die Folien, dann Grafiken und Design.
- Testen: Präsentiere vor Mentoren oder anderen Gründern und notiere, wo Fragen entstehen.
- Anpassen: Passe das Deck an den jeweiligen Investor an, etwa an dessen Branchenfokus und Investitionsphase.
Viele Fonds nehmen Pitches inzwischen über eigene Online-Formulare entgegen. Der High-Tech Gründerfonds etwa bietet auf seiner Website einen eigenen Zugang zum Einreichen von Pitches an. Prüfe vor dem Versand, welche Angaben und Formate der jeweilige Investor erwartet.
Typische Fehler beim Pitch Deck
- Zu viele Folien: Mehr als 15 bis 20 Folien überfordern die meisten Leser. Details gehören in den Anhang.
- Unklare Zielgruppe: „Alle“ ist keine Zielgruppe. Investoren wollen sehen, wen du zuerst gewinnst.
- Fehlende Wettbewerbsanalyse: Die Aussage, es gebe keine Konkurrenz, wirkt naiv. Auch Excel-Tabellen oder manuelle Prozesse sind Wettbewerber.
- Unrealistische Prognosen: Hockeyschläger-Kurven ohne nachvollziehbare Annahmen kosten Vertrauen.
- Kein klarer Kapitalbedarf: Nenne, wie viel Geld du brauchst und welche Meilensteine du damit erreichst.
Checkliste: Bevor du dein Deck verschickst
- Ist dein Unternehmen in einem Satz verständlich beschrieben?
- Sind Problem, Lösung und Zielgruppe konkret und belegt?
- Stimmen alle Zahlen mit deinem Finanzplan überein?
- Ist das Team mit relevanter Erfahrung dargestellt?
- Sind Kapitalbedarf und Mittelverwendung klar?
- Hast du das Deck von jemandem außerhalb deines Teams lesen lassen?
- Liegt es als PDF vor, damit Darstellung und Schriften auf jedem Gerät gleich bleiben?
Wenn du gezielt Venture Capital ansprechen willst, findest du weitere Hinweise in unserem Artikel zum Pitch Deck für Venture Capital. Wie du passende Geldgeber überhaupt findest, erklärt der Ratgeber Investoren finden.
Häufige Fragen
Was ist ein Pitch Deck?
Ein Pitch Deck ist eine kurze Präsentation, mit der Gründer potenziellen Investoren ihr Startup vorstellen. Es fasst Problem, Lösung, Markt, Geschäftsmodell, Team und Kapitalbedarf zusammen und dient als Grundlage für ein erstes Gespräch.
Wie viele Folien sollte ein Pitch Deck haben?
Für die Präsentation sind etwa 10 bis 15 Folien üblich. Zusätzliche Details wie ausführliche Finanzpläne oder Marktanalysen kannst du in einen Anhang auslagern.
Wie lange dauert es, ein Pitch Deck zu erstellen?
Rechne für eine erste Fassung mit einigen Tagen, wenn Businessplan und Finanzplanung bereits vorliegen. Danach folgen meist mehrere Überarbeitungsrunden nach Feedback von Mentoren, Gründerkollegen oder ersten Investorengesprächen.
Mit welchem Programm sollte ich ein Pitch Deck erstellen?
PowerPoint, Keynote, Google Slides oder Online-Design-Tools eignen sich gleichermaßen. Entscheidend ist, dass du das Deck leicht aktualisieren und als PDF exportieren kannst.
Fazit
Wenn du ein Pitch Deck erstellen willst, konzentriere dich auf eine klare Geschichte: Problem, Lösung, Markt, Geschäftsmodell, Team und Kapitalbedarf. Belege deine Aussagen mit Daten, halte Design und Umfang schlank und erstelle getrennte Fassungen zum Lesen und zum Präsentieren. Hole früh Feedback ein und überarbeite dein Deck nach jedem Gespräch.
