Gründung & Recht

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Auswandern nach Irland: Leitfaden für Selbstständige und Gründer

Auswandern nach Irland als Selbstständiger: Firmengründung, 12,5 % Körperschaftsteuer, Einkommensteuer, PRSI, Kosten und Nachteile – Stand 2026.

LH

Aktualisiert am 16.10.2026

Warum Irland für Auswanderer interessant ist

Auswandern nach Irland ist für Gründer und Selbstständige aus Deutschland vor allem aus einem Grund interessant: Die Insel verbindet EU-Mitgliedschaft und Euro mit einem englischsprachigen Umfeld, einer niedrigen Körperschaftsteuer und einem dichten Netz internationaler Tech-, Pharma- und Finanzunternehmen. Wer Software, Beratung oder digitale Dienstleistungen anbietet, findet in Dublin, Cork und Galway Kunden, Talente und Investoren.

Die Kehrseite: Irland gehört zu den teuersten Ländern Europas, der Wohnungsmarkt ist extrem angespannt, und die Einkommensteuer ist für Selbstständige keineswegs niedrig. Dieser Leitfaden erklärt dir, wie Aufenthalt, Firmengründung, Steuern, Sozialversicherung und Lebenshaltung in Irland funktionieren und was du vor dem Wegzug in Deutschland regeln musst. Stand der Angaben ist Oktober 2026; deine individuelle Situation solltest du mit einer Steuerberatung in beiden Ländern prüfen.

Warum Irland für Gründer interessant ist

  • Englisch als Geschäftssprache: Irland ist seit dem Brexit das größte englischsprachige Land der EU. Das erleichtert den Zugang zu US- und UK-Kunden.
  • Niedrige Unternehmenssteuer: Gewinne aus aktiver Geschäftstätigkeit werden mit 12,5 Prozent besteuert.
  • Startup-Infrastruktur: Enterprise Ireland und die regionalen Local Enterprise Offices (LEO) bieten Beratung, Trainings und Förderprogramme.
  • Netzwerk: Viele internationale Konzerne haben ihren Europasitz in Dublin, was Kooperationen und erfahrene Fachkräfte bringt.
  • EU-Binnenmarkt: Kein Visum, keine Zollgrenze zu Deutschland und der Euro als Währung.

Welche Fragen du bei einer Gründung im Ausland grundsätzlich klären solltest, fasst der Beitrag International gründen zusammen.

Auswandern nach Irland: Voraussetzungen und Aufenthalt

Als Deutscher: Freizügigkeit

Als EU-Bürger darfst du in Irland ohne Visum leben und selbstständig arbeiten. Eine besondere Aufenthaltsregistrierung wie in anderen EU-Ländern ist für Deutsche nicht erforderlich. Entscheidend für den Alltag ist die PPS-Nummer (Personal Public Service Number), die du für Steuern, Sozialversicherung und Behördenkontakte brauchst. Sie wird beim Department of Social Protection beantragt; dafür musst du einen Grund (etwa die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit) und eine irische Adresse nachweisen.

Für Mitgründer aus Drittstaaten

Mitgründer ohne EU-Pass können über das Start-up Entrepreneur Programme (STEP) einreisen, wenn sie ein innovatives Geschäftsmodell mit Wachstumspotenzial und ausreichend Startkapital vorweisen. Daneben gibt es Arbeitserlaubnisse (Employment Permits) für Angestellte. Die genauen Anforderungen veröffentlicht die irische Einwanderungsbehörde; sie ändern sich regelmäßig.

Firma in Irland gründen: Rechtsformen und Ablauf

Form Vergleichbar mit Haftung Besonderheiten
Sole Trader Einzelunternehmer / Freiberufler unbeschränkt Anmeldung bei Revenue, Gewinne unterliegen der Einkommensteuer
Partnership GbR / OHG unbeschränkt für gemeinsame Selbstständigkeit ohne Kapitalgesellschaft
Private Company Limited by Shares (LTD) GmbH beschränkt Eintragung beim Companies Registration Office (CRO), 12,5 % Steuer auf aktive Gewinne
Designated Activity Company (DAC) GmbH mit festgelegtem Zweck beschränkt seltener, z. B. für regulierte Tätigkeiten

So läuft die Gründung einer LTD

  1. Firmennamen prüfen und Satzung (Constitution) erstellen.
  2. Mindestens einen Director und einen Company Secretary bestimmen. Mindestens ein Director muss im Europäischen Wirtschaftsraum ansässig sein; alternativ ist eine Sicherheitsleistung (Bond über 25.000 Euro) nötig.
  3. Eintragung online über das CRO-System CORE. Die Bearbeitung dauert meist wenige Arbeitstage.
  4. Steuerliche Registrierung bei Revenue; die Firma erhält eine Steuernummer, die auf Rechnungen erscheint.
  5. Geschäftskonto eröffnen, ggf. Umsatzsteuer (VAT) registrieren und jährliche Meldungen an CRO und Revenue einplanen.

Als Sole Trader registrierst du dich mit deiner PPS-Nummer bei Revenue. Trittst du unter einem anderen Namen als deinem eigenen auf, meldest du den Geschäftsnamen zusätzlich beim CRO an.

Steuern in Irland für Selbstständige und Firmen

Einkommensteuer, USC und PRSI

Selbstständige zahlen in Irland drei Abgaben auf ihren Gewinn. Die Werte für 2026 (Alleinstehende) laut Budget 2026:

Abgabe Sätze 2026
Income Tax 20 % bis 44.000 Euro, darüber 40 %
Universal Social Charge (USC) 0,5 % / 2 % / 3 % / 8 % (ab 70.044 Euro); keine USC bis 13.000 Euro Gesamteinkommen
PRSI Class S (Selbstständige) 4,2 % bis September 2026, ab 1. Oktober 2026 4,35 %; mindestens 650 Euro pro Jahr

Hinzu kommen Steuergutschriften, etwa der Earned Income Tax Credit für Selbstständige. Wer gut verdient, kommt mit allen Abgaben schnell auf eine Grenzbelastung von über 50 Prozent. Steuererklärung (Form 11) und Vorauszahlung sind jährlich bis Ende Oktober fällig, bei Online-Abgabe über ROS etwas später.

Körperschaftsteuer und Start-up-Relief

Eine LTD zahlt 12,5 Prozent auf Gewinne aus aktiver Geschäftstätigkeit und 25 Prozent auf passive Einkünfte wie Zinsen oder Mieten. Der Mindestsatz von 15 Prozent nach der globalen Mindeststeuer betrifft nur Konzerne mit mindestens 750 Millionen Euro Umsatz. Für neue Unternehmen gibt es zudem die Start-up Companies Relief: In den ersten Jahren kann Körperschaftsteuer bis zu 40.000 Euro pro Jahr erlassen werden, abhängig unter anderem von den gezahlten Arbeitgeber-Sozialbeiträgen.

Wichtig: Schüttest du Gewinne an dich aus, werden sie bei dir als Dividende oder Gehalt mit Income Tax, USC und PRSI belastet. Der niedrige Firmensatz lohnt sich vor allem, wenn Gewinne im Unternehmen bleiben und reinvestiert werden.

Umsatzsteuer und Doppelbesteuerung

Der Regelsatz der irischen VAT beträgt 23 Prozent. Zwischen Deutschland und Irland gilt ein Doppelbesteuerungsabkommen, das unter anderem regelt, wo Unternehmensgewinne, Dividenden und Mieteinkünfte besteuert werden. Wie sich deine deutsche Einkommensteuer im Wegzugsjahr berechnet, solltest du vorab klären.

Sozialversicherung und Gesundheit

Über PRSI Class S erwirbst du Ansprüche auf staatliche Rente und bestimmte Leistungen. Ein Arbeitslosengeld für Selbstständige gibt es nur eingeschränkt. Das öffentliche Gesundheitssystem (HSE) steht Einwohnern offen, Hausarztbesuche sind aber für die meisten kostenpflichtig, und bei Fachärzten und Operationen gibt es lange Wartelisten. Viele Selbstständige schließen deshalb eine private Krankenversicherung ab. Prüfe vor dem Umzug, ob du in Deutschland eine Anwartschaftsversicherung abschließt, um später wieder in deine Krankenkasse zurückkehren zu können.

Lebenshaltungskosten und Nachteile

Irland ist teuer. Das größte Problem ist der Wohnungsmarkt: In Dublin liegen die Angebotsmieten für eine kleine Wohnung laut den regelmäßigen Mietberichten von Daft.ie meist deutlich über 2.000 Euro im Monat, und Wohnungen sind knapp. In Cork, Galway und Limerick ist es etwas günstiger, aber ebenfalls angespannt. Auch Lebensmittel, Restaurants, Kinderbetreuung und Versicherungen kosten spürbar mehr als in Deutschland.

Auswandern nach Irland: Nachteile im Überblick

  • sehr hohe Mieten und wenig Angebot, besonders in Dublin
  • hohe Grenzbelastung bei Einkommensteuer, USC und PRSI für Selbstständige
  • kostenpflichtige Hausarztbesuche und lange Wartezeiten im öffentlichen Gesundheitssystem
  • außerhalb der Städte schwacher Nahverkehr, ein Auto ist meist nötig
  • kleiner Heimatmarkt mit rund fünf Millionen Einwohnern
  • wechselhaftes Wetter, kürzere Tage im Winter

Dafür punktet Irland mit einer offenen Geschäftskultur, schnellen Kontakten in der Startup-Szene und gut erreichbaren Behörden, die vieles online abwickeln.

Bankkonto, Markt und Gründerkultur

Für das private Konto verlangen irische Banken in der Regel Ausweis, PPS-Nummer und einen Adressnachweis wie eine Stromrechnung oder einen Mietvertrag. Viele Zuzügler überbrücken die ersten Wochen deshalb mit einem Konto bei einer EU-Onlinebank, das dank SEPA problemlos genutzt werden kann. Für eine LTD brauchst du zusätzlich die Gründungsunterlagen des CRO und Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten; die Kontoeröffnung kann einige Wochen dauern.

Die Geschäftskultur ist persönlich und beziehungsorientiert. Kontakte entstehen schnell, etwa über Meetups, Coworking-Spaces und Veranstaltungen der Local Enterprise Offices, die auch Gründungsberatung und Trainings anbieten. Viele Entscheidungen fallen pragmatischer als in Deutschland, Verträge sind oft schlanker. Gleichzeitig ist der Markt klein: Wer nur auf irische Endkunden zielt, stößt schnell an Grenzen. Erfolgreiche Gründer nutzen Irland deshalb meist als Basis für den Vertrieb nach Großbritannien, in die USA und in die restliche EU. Besonders gefragt sind B2B-Dienstleistungen für die großen Tech- und Pharmaunternehmen, etwa in den Bereichen Software, Compliance, Daten und Übersetzung, gerade wenn du Deutsch als zusätzliche Sprache anbieten kannst.

Was du in Deutschland erledigen musst

  1. Abmelden: Wohnsitz beim Bürgeramt abmelden. Behältst du eine Wohnung in Deutschland, kann die unbeschränkte Steuerpflicht bestehen bleiben.
  2. Gewerbe und Finanzamt: Gewerbe abmelden oder umstellen, Finanzamt informieren, Umsatzsteuer-Thematik für deutsche Kunden klären.
  3. Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG): Bist du mit mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft beteiligt und warst in den letzten zwölf Jahren mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, wird beim Wegzug der Wertzuwachs deiner Anteile besteuert. Seit 2022 gibt es auch bei Wegzug in EU-Staaten keine zinslose Dauerstundung mehr; die Steuer kann auf Antrag in sieben Jahresraten gezahlt werden, meist gegen Sicherheit.
  4. Bestehende GmbH: Wenn du deine deutsche GmbH künftig von Irland aus führst, kann sich der Ort der Geschäftsleitung verlagern. Das sollte steuerlich geprüft werden.
  5. Versicherungen: Krankenkasse, Rentenversicherung und Berufshaftpflicht informieren.

Brauchst du für deine deutsche Firma weiterhin eine ladungsfähige Anschrift, hilft der Beitrag zum Firmensitz ohne Büro. Wer eher an ein anderes Ziel im Norden denkt, kann Irland mit dem Beitrag Auswandern nach Norwegen vergleichen.

Häufige Fragen

Was hat es mit „Irland auswandern 84.000 Euro“ auf sich?

Gemeint ist der Vacant Property Refurbishment Grant. Für die Sanierung leerstehender oder verfallener Häuser auf irischen Inseln gibt es bis zu 84.000 Euro Zuschuss. Es handelt sich nicht um eine Prämie fürs Auswandern: Du musst die Immobilie besitzen oder kaufen, das Geld fließt nur in die Renovierung, und das Haus muss danach selbst bewohnt oder langfristig vermietet werden.

Welche Voraussetzungen gelten für das Auswandern nach Irland als Deutscher?

Du brauchst nur einen gültigen Personalausweis oder Reisepass. Für Arbeit und Steuern beantragst du vor Ort eine PPS-Nummer. Praktisch entscheidend sind gute Englischkenntnisse, finanzielle Rücklagen und eine Unterkunft.

Lohnt sich eine irische LTD für Freelancer?

Nur, wenn du einen Teil der Gewinne im Unternehmen lassen kannst und den Verwaltungsaufwand (Director, Secretary, Jahresabschluss, CRO-Meldungen) trägst. Bei geringen Gewinnen ist der Sole Trader meist einfacher.

Wie lange dauert eine Firmengründung in Irland?

Die Eintragung einer LTD beim CRO dauert bei vollständigen Unterlagen meist nur wenige Arbeitstage. Die Kontoeröffnung kann länger dauern.

Fazit

Irland ist für Gründer mit internationalem, englischsprachigem Geschäftsmodell ein starker Standort: niedrige Körperschaftsteuer, EU-Recht, unkomplizierte Firmengründung und ein großes Tech-Ökosystem. Für Selbstständige, die ihre Gewinne privat entnehmen, ist die Steuerlast dagegen hoch, und die Lebenshaltungskosten, vor allem in Dublin, sind ein ernstzunehmender Faktor. Plane Wohnung, Steuern und Wegzug aus Deutschland gründlich und lass dich individuell beraten.

Quellen

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