Wer als Versicherungsmakler gründen möchte, betritt einen stark regulierten, aber auch krisenfesten Markt. Versicherungen braucht fast jeder Haushalt und jedes Unternehmen, und viele Kundinnen und Kunden suchen jemanden, der den Tarifdschungel für sie sortiert. Anders als ein Versicherungsvertreter arbeitet ein Makler im Auftrag der Kunden und nicht im Auftrag eines Versicherers.
In diesem Leitfaden erfährst du, welche Erlaubnis du brauchst, wie die Sachkundeprüfung abläuft, welche Kosten anfallen und wie du dich mit einer Spezialisierung vom Wettbewerb abhebst. Der Stand ist Oktober 2026. Konkrete Gebühren und Fristen erfragst du bei deiner zuständigen IHK.
Makler, Vertreter, Berater: Die Unterschiede
Das Gewerberecht unterscheidet mehrere Formen der Versicherungsvermittlung. Bevor du dich festlegst, solltest du wissen, welche Rolle zu deinem Geschäftsmodell passt.
| Rolle | Arbeitet für | Vergütung |
|---|---|---|
| Versicherungsmakler | Den Kunden, unabhängig von einzelnen Versicherern | Meist Courtage vom Versicherer |
| Versicherungsvertreter | Einen oder mehrere Versicherer, von denen er beauftragt ist | Provision vom Versicherer |
| Versicherungsberater | Den Kunden, ohne Vergütung durch Versicherer | Honorar vom Kunden |
Als Makler schuldest du deinen Kunden eine sachgerechte Beratung auf Basis einer ausreichend breiten Marktauswahl. Daraus ergibt sich eine hohe Haftung, die du absichern musst.
Erlaubnis nach § 34d GewO
Wer gewerbsmäßig Versicherungen vermittelt, braucht eine Erlaubnis der zuständigen Industrie- und Handelskammer nach § 34d der Gewerbeordnung. Die Erlaubnis wird versagt, wenn eine der folgenden Voraussetzungen fehlt:
- Zuverlässigkeit: Bestimmte Verurteilungen, etwa wegen Betrugs oder Untreue in den letzten fünf Jahren, sprechen in der Regel dagegen.
- Geordnete Vermögensverhältnisse: Ein Insolvenzverfahren oder ein Eintrag im Schuldnerverzeichnis führen regelmäßig zur Ablehnung.
- Berufshaftpflichtversicherung: Du musst eine Vermögensschadenhaftpflicht mit den gesetzlichen Mindestversicherungssummen nachweisen.
- Sachkunde: Nachweis durch eine IHK-Prüfung oder einen anerkannten gleichwertigen Abschluss
Die IHK muss über den Antrag innerhalb von drei Monaten entscheiden. Nach der Erteilung musst du dich unverzüglich im Vermittlerregister eintragen lassen. Kunden können dort jederzeit prüfen, ob ein Vermittler registriert ist.
Sachkundeprüfung bei der IHK
Die Prüfung zum Geprüften Fachmann oder zur Geprüften Fachfrau für Versicherungsvermittlung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil mit simuliertem Kundengespräch. Wer bereits einen einschlägigen Berufsabschluss hat, etwa als Kaufmann oder Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen, kann von der Prüfung befreit sein. Viele Anbieter bieten Vorbereitungskurse an, die du je nach Vorwissen einplanen solltest.
Weiterbildungspflicht
Auch nach der Gründung ist Lernen Pflicht: Gewerbetreibende mit Erlaubnis und ihre direkt in der Vermittlung tätigen Beschäftigten müssen sich 15 Stunden je Kalenderjahr weiterbilden. Dokumentiere die Maßnahmen sorgfältig, denn die Nachweise können angefordert werden.
Als Versicherungsmakler gründen: Schritt für Schritt
- Geschäftsmodell festlegen: Privatkunden, Gewerbekunden oder eine Spezialnische
- Sachkunde nachweisen: Prüfung ablegen oder Gleichwertigkeit prüfen lassen
- Vermögensschadenhaftpflicht abschließen: Versicherungsbestätigung für die IHK einholen
- Erlaubnis beantragen: Mit Führungszeugnis, Auskunft aus dem Gewerbezentralregister und Nachweisen zu den Vermögensverhältnissen
- Gewerbe anmelden und registrieren: Gewerbeanmeldung und Eintrag im Vermittlerregister
- Anbindungen schaffen: Courtagezusagen von Versicherern oder Zusammenarbeit mit einem Maklerpool
- Infrastruktur aufbauen: Maklerverwaltungsprogramm, Vergleichssoftware, Datenschutz, Erstinformation für Kunden
Allgemeine Tipps zum Schritt in die Selbstständigkeit findest du in unserem Leitfaden Selbstständig machen in 10 Schritten. Zur Besteuerung des Gewerbes lohnt ein Blick in unseren Beitrag zur Gewerbesteuer.
Rechtsform: Einzelunternehmen oder GmbH?
Viele starten als Einzelunternehmen, weil die Gründung einfach und günstig ist. Eine GmbH begrenzt die Haftung für Geschäftsschulden, ersetzt aber nicht die Berufshaftpflicht für Beratungsfehler. Bei juristischen Personen wird die Erlaubnis der Gesellschaft erteilt, und die für die Vermittlung verantwortlichen Personen müssen die Sachkunde nachweisen. Lass dich zur Rechtsform steuerlich und rechtlich beraten.
Maklerpool oder direkte Anbindung?
Neue Makler erhalten von vielen Versicherern nicht sofort eine direkte Courtagezusage, weil Mindestumsätze erwartet werden. Maklerpools bündeln deshalb Anbindungen an zahlreiche Gesellschaften und stellen oft Vergleichs- und Verwaltungssoftware bereit. Im Gegenzug behält der Pool einen Teil der Courtage ein. Wer als Versicherungsmakler gründen will, sollte die Konditionen mehrerer Pools vergleichen: Courtagehöhe, Haftungsdach, Software, Kündigungsfristen und vor allem die Frage, wem der Kundenbestand bei einem Wechsel gehört.
Kosten beim Start
Die Startkosten sind im Vergleich zu vielen anderen Gewerben überschaubar, da kein Warenlager nötig ist. Rechne mit folgenden Posten:
- Gebühren für Erlaubnis, Registereintrag und Sachkundeprüfung (je nach IHK unterschiedlich)
- Vorbereitungskurs für die Prüfung, sofern nötig
- Vermögensschadenhaftpflicht als laufender Jahresbeitrag
- Software für Bestandsverwaltung und Tarifvergleich, oft über einen Maklerpool
- Website, Rechtstexte, Marketing und gegebenenfalls Büroräume
Wichtiger als die Startkosten ist die Anlaufzeit: Bis ein Bestand aufgebaut ist, der laufende Folgecourtage abwirft, vergehen oft Jahre. Wenn du als Versicherungsmakler gründen willst, plane deine Finanzierung und deine eigene Absicherung entsprechend, etwa mit Hilfe unseres Beitrags zur Vorsorge für Existenzgründer.
Spezialisierung als Erfolgsfaktor
Gegen große Vergleichsportale und Direktversicherer kommt ein neuer Makler mit einem Bauchladen-Angebot kaum an. Erfolgreicher ist oft eine Nische, in der du Fachwissen und eine erreichbare Zielgruppe hast. Das kann eine Berufsgruppe sein, eine Branche oder eine bestimmte Lebenssituation.
Typische Nischen sind etwa Absicherungen für Handwerksbetriebe, Heilberufe, IT-Freelancer, Tierhalter oder Immobilienbesitzer. Wer als Versicherungsmakler gründen und sich spezialisieren will, profitiert davon, wenn er die Abläufe und Risiken seiner Zielgruppe aus eigener Berufserfahrung kennt. Das schafft Vertrauen und macht Empfehlungen innerhalb der Zielgruppe wahrscheinlicher.
Beispiele aus dem Markt
Ein Beispiel für eine sehr spitze Nische ist die Absicherung von Dauercampern. Die VerMak Versicherungsmakler oHG bietet etwa eine Campingversicherung für Dauercamper an, die nach Anbieterangaben Wohnwagen ohne Zulassung, Mobilheime und Zubehör wie Vorzelte gegen Feuer, Sturm oder Diebstahl absichern kann. Solche Spezialprodukte sind für allgemeine Vergleichsportale oft zu klein, für eine gezielt angesprochene Zielgruppe aber relevant.
Ein anderer Ansatz sind Online-Portale für erklärungsbedürftige Sparten. Ein Beispiel ist ein Portal für den Vergleich privater Krankenversicherungen, das Interessenten nach Eingabe ihrer Daten eine Tarifauswahl zusendet. Für Gründer zeigt das: Leadgenerierung über Vergleichsrechner funktioniert, erfordert aber hohe Investitionen in Marketing, Technik und Datenschutz. Prüfe als Verbraucher wie als Geschäftspartner bei jedem Portal das Impressum und den Registereintrag des Betreibers.
Kunden gewinnen
- Netzwerke in deiner Zielgruppe, etwa Verbände, Kammern oder Vereine
- Empfehlungen zufriedener Kunden, gezielt und ohne verbotene Sondervergütungen
- Fachartikel, Webinare und Ratgeber zu Fragen deiner Nische
- Kooperationen mit Steuerberatern, Hausverwaltungen oder Finanzierungsvermittlern
Weitere Ideen findest du im Beitrag zur Neukundengewinnung für Gründer.
Typische Fehler beim Start
Viele Probleme lassen sich vermeiden, wenn du sie vorher kennst. Diese Fehler begegnen Gründern in der Versicherungsvermittlung häufig:
- Zu breites Angebot: Ohne Schwerpunkt fehlt dir die Erkennbarkeit, und die Beratungsqualität leidet.
- Unterschätzte Dokumentation: Beratungsprotokolle sind kein Formalismus, sondern dein wichtigster Schutz im Haftungsfall.
- Zu wenig Liquidität: Courtagen fließen teils verzögert, Stornohaftung kann bereits erhaltene Zahlungen zurückfordern.
- Datenschutz vernachlässigt: Gesundheitsdaten etwa bei der Krankenversicherung sind besonders geschützt.
Wer als Versicherungsmakler gründen möchte, sollte deshalb vor dem Start einen realistischen Finanzplan für die ersten zwei bis drei Jahre erstellen und Rücklagen für Stornofälle einplanen. Das ist wichtiger als eine aufwendige Website oder ein repräsentatives Büro.
Häufige Fragen
Kann ich ohne Prüfung als Versicherungsmakler gründen?
In der Regel nicht. Du brauchst den Nachweis der Sachkunde, entweder durch die IHK-Prüfung oder durch einen als gleichwertig anerkannten Berufsabschluss.
Wie lange dauert es, Versicherungsmakler zu werden?
Das hängt vor allem von der Prüfungsvorbereitung ab. Die IHK hat für die Entscheidung über den Erlaubnisantrag bis zu drei Monate Zeit, wenn die Unterlagen vollständig sind.
Kann ich eine Versicherungsmakler-GmbH gründen?
Ja. Die Erlaubnis wird dann der GmbH erteilt, und die verantwortlichen Personen müssen die Voraussetzungen wie Sachkunde und Zuverlässigkeit erfüllen.
Darf ich als Makler Provisionen an Kunden weitergeben?
Nein, das Gewerberecht untersagt Vermittlern grundsätzlich, Kunden Sondervergütungen zu gewähren oder zu versprechen. Lass dir Ausnahmen und Grenzfälle von deiner IHK oder einem Fachanwalt erklären.
Fazit
Wer als Versicherungsmakler gründen will, braucht vor allem Sachkunde, eine solide Absicherung und Geduld beim Bestandsaufbau. Die formalen Schritte sind klar geregelt: Prüfung, Haftpflicht, Erlaubnis nach § 34d GewO und Registereintrag. Über den Erfolg entscheiden danach Spezialisierung, Vertrauen und eine konsequente Ausrichtung auf die Interessen deiner Kunden.
