RideLink: Motorrad-Startup im Porträt und 5 Lehren für Gründer

RideLink aus Frankfurt entwickelt mit dem WingMan Telematik für Motorräder. Funktionen, Kosten, Alternativen und was Gründer vom Geschäftsmodell lernen können.

LH

Aktualisiert am 16.10.2026

Startup vorgestellt RideLink

RideLink ist ein Startup aus Frankfurt am Main, das Technik für Motorradfahrer entwickelt: ein kleines vernetztes Steuergerät namens WingMan und eine App für Tourenplanung, Live-Tracking, Diebstahlwarnung und Unfallmeldung. Gründer ist Stephan Kaufmann, die GmbH wurde laut Startup-Datenbank Startbase 2019 gegründet. Die Europäische Weltraumorganisation ESA führt das Unternehmen in ihrer Liste unterstützter Startups mit einer Inkubationsphase im Jahr 2020 (Thema: satellitengestützte Notrufe für Motorräder).

Für Gründer ist das Unternehmen ein interessantes Beispiel, weil das Unternehmen mehrere Herausforderungen gleichzeitig meistern muss: Hardware entwickeln und produzieren, eine App betreiben, wiederkehrende Umsätze über Datentarife erzielen und eine Community aufbauen. Dieser Beitrag stellt das Produkt neutral vor, ordnet Kosten und Alternativen ein und zeigt, was andere Startups daraus lernen können.

Das Startup bietet ein System aus Hardware und Software für Motorräder. Kern ist der WingMan, eine Telematikeinheit, die an die 12-Volt-Bordelektrik angeschlossen wird und über eine eigene SIM-Karte mit dem Internet verbunden ist. Die Daten laufen in die zugehörige App für iOS und Android, die laut Anbieter auch ohne WingMan genutzt werden kann – dann mit eingeschränktem Funktionsumfang.

Die Marke setzt stark auf Gemeinschaft: Nutzer werden als „TrueRider“ angesprochen, und mit den Challenges 2025 konnten Fahrer Touren aufzeichnen, Abzeichen sammeln und Preise gewinnen. Triumph Deutschland war dabei Partner.

Die Zielgruppe sind vor allem Tourenfahrer und Motorradbesitzer, denen Diebstahlschutz und Sicherheit auf Alleinfahrten wichtig sind. Gerade wer häufig allein auf Landstraßen unterwegs ist, profitiert von einer automatischen Unfallmeldung, weil nach einem Sturz nicht immer jemand in der Nähe ist, der Hilfe rufen kann. Anders als bei neuen Pkw ist ein automatisches Notrufsystem für Motorräder in der EU nicht vorgeschrieben, deshalb gibt es hier einen Markt für Nachrüstlösungen.

Nicht verwechseln: Giant RideLink und die frühere Carsharing-Plattform

Wer nach „RideLink“ sucht, stößt auf mehrere Angebote mit ähnlichem Namen. Der Fahrradhersteller Giant betreibt eine gleichnamige App für seine Fahrräder und E-Bikes, die mit dem Frankfurter Motorrad-Startup nichts zu tun hat. Zudem gab es bis 2017 eine Carsharing-Plattform namens Ridelink (vormals Drivejoy) aus dem Umfeld von Rocket Internet, die ihren Dienst eingestellt hat.

Nach Angaben im Onlineshop des Unternehmens bietet der WingMan (Stand Oktober 2026) unter anderem:

  • Live-Tracking: Der Standort des Motorrads lässt sich teilen, etwa mit Angehörigen oder einer Gruppe.
  • Diebstahlschutz: Bei Bewegung des abgestellten Motorrads kommt eine Benachrichtigung aufs Smartphone.
  • Unfallmeldung (eCall): Bei einem erkannten Sturz kann eine Notrufzentrale kontaktiert werden.
  • Fahranalyse und Routenaufzeichnung: Position und Geschwindigkeit werden ausgewertet.
  • Gruppenfahrten, Routenplaner und Tourendatenbank in der App.
  • Pufferakku: bis zu vier Stunden Tracking oder rund vier Tage Standby, wenn die Stromversorgung unterbrochen ist.

Der WingMan wird je nach Version über 2G oder 4G mit einer europaweit nutzbaren SIM-Karte angebunden; laut Shop werden seit April 2025 2G- und 4G-Varianten angeboten. Neben dem Basismodell nennt der Shop die Varianten WingMan Pro und WingMan Race. Für Autos, Wohnmobile und Anhänger gibt es außerdem den akkubetriebenen GPS-Tracker Tracer Easy.

Einbau und Einrichtung

Laut Hersteller wird der WingMan an die 12-Volt-Batterie angeschlossen, bei unterstützten Modellen zusätzlich an den CAN-Bus, und anschließend in der App RideLink Connect eingerichtet. Im Lieferumfang sind Gerät, Anleitung, Befestigungsmaterial und Anschlusskabel enthalten. Wer sich den Einbau nicht zutraut, sollte eine Fachwerkstatt beauftragen, denn fehlerhafte Eingriffe in die Bordelektrik können Schäden verursachen und Garantiefragen aufwerfen. Wichtig für die Diebstahlfunktion ist ein möglichst unauffälliger Einbauort.

Kosten: Gerät und Datentarif

Wie bei vielen vernetzten Geräten besteht der Preis aus zwei Teilen: einmalig für die Hardware und laufend für Datenverbindung und Dienste. Die folgenden Angaben stammen aus dem Onlineshop des Anbieters (Stand Oktober 2026) und können sich durch Aktionen ändern:

Produkt Einsatz Gerätepreis laut Shop Laufende Kosten laut Shop
WingMan Basic (2G) Motorrad, fest verbaut regulär 99,95 Euro, zeitweise stark rabattiert 2 Monate inklusive, danach 59,99 Euro für 12 Monate Daten und eCall
Tracer Easy Auto, Wohnmobil, Anhänger, Motorrad (Akku) regulär 99,99 Euro, im Angebot günstiger 49,99 Euro pro Jahr oder 7,99 Euro pro Monat

Für Käufer bedeutet das: Die Gesamtkosten über mehrere Jahre werden vor allem vom Abo bestimmt. Wer vergleicht, sollte daher immer Gerätepreis plus Laufzeitkosten für drei bis fünf Jahre rechnen.

Vor- und Nachteile

Vorteile Nachteile
Kombination aus Diebstahlschutz, Tracking und Unfallmeldung in einem Gerät Laufende Kosten für Datentarif nach der Inklusivzeit
Fester Einbau, unabhängig vom Smartphone Einbau an der Bordelektrik erfordert etwas technisches Geschick
Community-Funktionen und Gruppenfahrten Funktionen hängen vom Fortbestand des Anbieters und seiner Server ab
Europaweite Datenabdeckung laut Anbieter Bewegungsdaten sind sensibel; Datenschutzeinstellungen sollten geprüft werden

Alternativen zum WingMan

Wer nach Alternativen sucht, findet im Wesentlichen drei Gruppen:

  • Herstellerlösungen: Viele Motorradhersteller bieten für neuere Modelle eigene Konnektivitäts-Apps, teils mit Notruf oder Ortung. Diese sind an Marke und Modell gebunden.
  • Allgemeine GPS-Tracker: Günstige Tracker mit SIM-Karte oder Bluetooth-Tracker bieten Ortung, aber meist keine Unfallerkennung und keine Motorrad-Community.
  • Smartphone-Apps mit Sturzerkennung: Einige Navigations- und Tracking-Apps sowie moderne Smartphones und Smartwatches erkennen Stürze. Sie funktionieren aber nur, wenn das Gerät dabei und geladen ist.

Welche Lösung passt, hängt davon ab, ob Diebstahlschutz, Unfallmeldung oder Tourenfunktionen im Vordergrund stehen. Wie vielfältig der Markt für Ortungstechnik insgesamt ist, zeigt unser Beitrag über den Markt von GPS-Systemen.

Hardware plus Abo finanziert den Betrieb

Hardware allein bringt einmalige Umsätze, verursacht aber dauerhafte Kosten für Server, Mobilfunk und Support. Das Modell „Gerät plus Jahrestarif“ schafft wiederkehrende Einnahmen. Rabatte auf das Gerät lohnen sich für den Anbieter vor allem, wenn Kunden danach das Abo verlängern. Mehr zu den typischen Hürden findest du im Beitrag Von der Idee zum IoT-Prototypen.

Community als Marketingkanal

Mit Begriffen wie „TrueRider“, Challenges und Abzeichen setzt das Unternehmen auf Identifikation statt nur auf Produktmerkmale. Für Nischenprodukte mit leidenschaftlicher Zielgruppe ist das oft wirksamer als klassische Werbung. Kooperationen mit etablierten Marken wie einem Motorradhersteller erhöhen zusätzlich die Glaubwürdigkeit.

Crowdinvesting als Finanzierungsweg

2021 suchte das Startup öffentlich nach Investoren aus der eigenen Zielgruppe. Crowdinvesting kann für Konsumprodukte sinnvoll sein, weil Investoren oft zugleich Kunden und Multiplikatoren sind. Der Aufwand für Kommunikation und Berichtspflichten sollte aber nicht unterschätzt werden.

Namen früh prüfen

Dass mehrere Angebote unter diesem Namen existieren, zeigt, wie wichtig eine frühe Prüfung von Marken, Domains und App-Store-Namen ist. Tipps dazu gibt der Beitrag Die Kunst der Produktbenennung.

Daten und Regulierung mitdenken

Vernetzte Produkte erzeugen Bewegungs- und Nutzungsdaten. Neben der DSGVO gelten für solche Produkte seit September 2025 auch Pflichten aus dem EU Data Act, etwa zum Datenzugang für Nutzer. Einen Überblick bietet unsere Checkliste zum EU Data Act.

Häufige Fragen

Was ist der RideLink WingMan?

Eine fest verbaute Telematikeinheit für Motorräder mit GPS, eigener SIM-Karte und Sturzsensorik. Sie liefert Daten an die App des Anbieters für Tracking, Diebstahlwarnung und Unfallmeldung.

Braucht man für den WingMan ein Abo?

Für die Online-Funktionen des WingMan ja. Laut Shop sind zwei Monate inklusive, danach kostet der Datentarif mit eCall 59,99 Euro für zwölf Monate (Stand Oktober 2026).

Hat die gleichnamige Giant-App etwas mit dem Frankfurter Startup zu tun?

Nein. Diese App gehört zum Fahrradhersteller Giant. Das Frankfurter Startup richtet sich an Motorradfahrer.

Funktioniert der WingMan an jedem Motorrad?

Laut Anbieter ist das Gerät für 12-Volt-Bordnetze ausgelegt. Ob alle Funktionen, etwa die Auswertung von CAN-Bus-Daten, an deinem Modell verfügbar sind, solltest du vor dem Kauf beim Hersteller prüfen.

Fazit

RideLink verbindet Motorrad-Telematik, App und Community zu einem Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Umsätzen. Für Motorradfahrer kann der WingMan eine sinnvolle Kombination aus Diebstahlschutz und Unfallmeldung sein, wenn die laufenden Kosten ins Budget passen. Für Gründer zeigt das Beispiel, wie wichtig ein tragfähiges Abo-Modell, eine starke Community und eine frühe Namens- und Datenschutzprüfung bei Hardware-Startups sind.

Quellen

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