Produktkonfigurator: Was Shops von Schirmmacher lernen können

Was ein Produktkonfigurator leisten muss, welche Arten es gibt, was die Einführung kostet und was Shops vom 3D-Designer des Werbeschirm-Herstellers Schirmmacher lernen.

MK

Aktualisiert am 17.10.2026

Digitale Tools mit Mehrwert: Wie Schirmmacher komplexe Produktkonfiguration einfach macht

Ein Produktkonfigurator lässt Kunden ein Produkt online selbst zusammenstellen: Farben, Größen, Materialien oder ein eigenes Logo auswählen und das Ergebnis samt Preis sofort sehen. Für Shops mit individualisierbaren Waren ist das oft der Unterschied zwischen einer Bestellung und einer abgebrochenen Anfrage. Besonders bei Werbeartikeln, Möbeln oder technischen Produkten sind Preise und Varianten sonst schwer zu durchschauen.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Werbeschirm-Hersteller Schirmmacher aus Vorarlberg, der bedruckte Regenschirme, Sonnenschirme und Zelte über einen Webshop mit 3D-Designer, Filtern und Kalkulator verkauft. Dieser Beitrag erklärt, was ein Konfigurator leisten sollte, welche Arten es gibt, was Gründer bei Einführung und Recht beachten müssen und was sich vom Praxisbeispiel lernen lässt.

Was ist ein Produktkonfigurator?

Ein Produktkonfigurator ist eine Software im Onlineshop, die Kunden durch die Auswahl von Produktoptionen führt. Er prüft, welche Kombinationen technisch möglich sind, berechnet den Preis in Echtzeit und zeigt eine Vorschau. Am Ende steht eine eindeutige Produktdefinition, die direkt in Bestellung oder Produktion übergeben werden kann.

Damit löst das Werkzeug drei typische Probleme individualisierbarer Produkte: unklare Preise, fehlende Vorstellung vom Ergebnis und Fehlbestellungen durch unpassende Kombinationen. Für den Händler sinken Rückfragen und Korrekturschleifen.

Arten von Konfiguratoren im Überblick

Typ Funktionsweise Geeignet für
Regelbasierter Konfigurator Auswahl über Formulare und Optionen, ohne Visualisierung technische Produkte, B2B-Angebote
2D-Konfigurator Bildebenen oder Fotos wechseln je nach Auswahl Textilien, Druckprodukte, einfache Varianten
3D-Produktkonfigurator drehbares 3D-Modell, Logos und Farben in Echtzeit Möbel, Werbeartikel, Geräte
AR-Erweiterung Produkt per Smartphone im eigenen Raum anzeigen Einrichtung, Großprodukte

Welche Variante passt, hängt von Sortimentsgröße, Variantenzahl und Budget ab. Ein 3D-Modell pro Produkt kostet Zeit und Geld, lohnt sich aber, wenn Kunden das Ergebnis sonst nur schwer einschätzen können. Hintergründe zu 3D-Anwendungen findest du in unserem Beitrag 3D im E-Commerce.

Praxisbeispiel: Wie Schirmmacher seinen Webshop aufbaut

Hinter der Marke Schirmmacher steht laut Impressum die CST GmbH aus Götzis in Vorarlberg mit deutscher Adresse in Lindau. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Hersteller und Importeur für individuell bedruckte Regenschirme, Sonnenschirme, Zelte und Zubehör und blickt auf mehr als 50 Jahre Erfahrung zurück. Kunden sind vor allem Unternehmen, die Schirme als Werbemittel einsetzen.

3D-Designer statt Druckvorlagen-Ping-Pong

Kern des Shops ist ein Produktkonfigurator in 3D. Am Beispiel eines Stockschirms lässt sich im 3D-Designer für den Automatik-Schirm nachvollziehen, wie das funktioniert: Farben wählen, Logo hochladen, platzieren und das Ergebnis als fotorealistische Vorschau drehen. Das spart Abstimmungsrunden, weil Kunde und Anbieter vor der Freigabe dasselbe Bild vor Augen haben.

Filter, die zur Produktgruppe passen

Statt einheitlicher Filter für alles nutzt der Shop je Kategorie eigene Kriterien. Bei Sonnenschirmen sind etwa Form, Größe und Material entscheidend, bei Regenschirmen eher Öffnungssystem und Druckmöglichkeiten. Gerade Geschäftskunden mit klaren Vorgaben kommen so schneller zu passenden Modellen.

Kalkulator für technische Fragen

Ein typisches Problem bei Sonnenschirmen ist das nötige Gewicht des Ständers. Dafür gibt es einen Gewichtskalkulator für Schirmständer, der aus wenigen Angaben eine Empfehlung für das Mindestgewicht ableitet. Solche Rechner sind kleine Konfiguratoren für eine Teilfrage und reduzieren Fehlkäufe.

Persönliche Beratung als Ergänzung

Nicht jede Frage lässt sich per Tool klären. Bei individuellen Projekten steht ein Beraterteam telefonisch und per E-Mail zur Verfügung. Laut Anbieter erhalten Kunden einen ersten Entwurf meist noch am selben Tag. Die Kombination aus Selbstbedienung und Beratung ist bei erklärungsbedürftigen B2B-Produkten typisch.

Was ein guter Produktkonfigurator leisten muss

Unabhängig von Branche und Anbieter haben sich einige Anforderungen bewährt:

  • Echtzeit-Preis: Der Gesamtpreis inklusive Veredelung, Mengenstaffel und Versand sollte bei jeder Änderung sichtbar sein.
  • Regelwerk: Nur technisch mögliche Kombinationen dürfen auswählbar sein.
  • Mobile Bedienung: Viele Nutzer starten am Smartphone, also muss die Oberfläche auch dort funktionieren.
  • Ladezeit: 3D-Modelle dürfen die Seite nicht ausbremsen, sonst leiden Nutzererlebnis und Suchmaschinenranking.
  • Schnittstellen: Die Konfiguration muss sauber an Warenkorb, ERP und Produktion übergeben werden.
  • Speichern und Teilen: Gerade im B2B-Geschäft müssen Entwürfe intern abgestimmt werden.

Einführung im eigenen Shop: Kosten und Vorgehen

Für gängige Shopsysteme wie Shopify, Shopware oder WooCommerce gibt es Plugins und Apps, mit denen sich einfache Varianten-Konfiguratoren ohne Programmierung umsetzen lassen. Individuelle 3D-Lösungen entstehen dagegen meist mit spezialisierten Dienstleistern oder einer eigenen Entwicklung. Die Kosten reichen von monatlichen App-Gebühren bis zu Projekten im fünf- oder sechsstelligen Bereich, abhängig von Modellen, Regeln und Integrationen.

  1. Produkte mit dem höchsten Beratungsaufwand identifizieren und dort starten.
  2. Optionen, Abhängigkeiten und Preislogik vollständig dokumentieren.
  3. Zwischen Standard-Plugin und individueller Entwicklung entscheiden.
  4. Mit echten Kunden testen, bevor das gesamte Sortiment umgestellt wird.
  5. Abbruchraten und Rückfragen vorher und nachher messen.

Wer auf Shopware setzt, findet weitere Hebel in unserem Beitrag zu Shopware 6. Für die Sichtbarkeit der Produktseiten hilft der Leitfaden SEO für Online-Shops.

Erfolg messen: Diese Kennzahlen zählen

Ob sich die Investition lohnt, zeigt sich erst in den Zahlen. Lege vor dem Start fest, welche Werte du vergleichst, und erhebe sie mindestens einige Wochen vor und nach der Einführung. Sinnvoll sind vor allem diese Kennzahlen:

  • Conversion-Rate der Produktseiten: Wie viele Besucher schließen nach der Konfiguration eine Bestellung oder Anfrage ab?
  • Abbruchpunkte: In welchem Schritt verlassen Nutzer den Konfigurator? Oft sind es unklare Optionen oder ein überraschend hoher Preis.
  • Anfragen und Rückfragen: Sinkt die Zahl der E-Mails und Anrufe zu Varianten und Preisen?
  • Korrekturschleifen: Wie oft müssen Entwürfe vor der Freigabe geändert werden?
  • Reklamationen: Gehen Fehlbestellungen und Retouren zurück?

Gerade im B2B-Geschäft ist nicht jede Konfiguration sofort ein Kauf. Zähle deshalb auch gespeicherte Entwürfe und Angebotsanfragen als Zwischenziel. Wie du solche Ziele sauber definierst und erfasst, erklärt unser Beitrag Was ist eine Conversion? Wenn die Zahlen zeigen, dass der Produktkonfigurator funktioniert, kannst du ihn schrittweise auf weitere Produktgruppen ausrollen.

Rechtliches: Widerruf und Preisangaben

Zwei Punkte solltest du bei individualisierten Produkten kennen. Erstens besteht nach § 312g Abs. 2 Nr. 1 BGB kein Widerrufsrecht für Waren, die nicht vorgefertigt sind und für deren Herstellung eine individuelle Auswahl des Verbrauchers maßgeblich ist. Ein mit Logo bedruckter Schirm fällt typischerweise darunter, eine reine Farbauswahl aus Lagerware dagegen nicht. Das muss in der Widerrufsbelehrung korrekt abgebildet sein.

Zweitens verlangt § 3 der Preisangabenverordnung gegenüber Verbrauchern die Angabe des Gesamtpreises. Wird ein Preis im Konfigurator aufgegliedert, ist der Gesamtpreis hervorzuheben. Im reinen B2B-Geschäft gelten diese Pflichten nicht, transparente Preise sind dort aber trotzdem ein Verkaufsargument.

Häufige Fragen

Was ist ein Produktkonfigurator?

Eine Shop-Software, mit der Kunden Produktoptionen auswählen, eine Vorschau sehen und den Preis in Echtzeit erhalten. Sie verhindert unmögliche Kombinationen und übergibt die Konfiguration an Bestellung und Produktion.

Wo kann ich einen 3D-Produktkonfigurator integrieren?

In den meisten Shopsystemen über Plugins oder per JavaScript-Einbindung auf der Produktseite. Für komplexe Produkte bieten spezialisierte Dienstleister eigene Lösungen mit Schnittstelle zum Shop an.

Lohnt sich ein Konfigurator für kleine Shops?

Ja, wenn deine Produkte viele Varianten haben oder Kunden häufig nachfragen. Starte mit einem Standard-Plugin für die wichtigsten Produkte und baue aus, wenn die Daten den Nutzen bestätigen.

Gilt das Widerrufsrecht für konfigurierte Produkte?

Bei Waren, die nach individueller Kundenauswahl hergestellt werden, ist es nach § 312g BGB ausgeschlossen, sofern nichts anderes vereinbart ist. Bei Varianten aus vorgefertigter Lagerware gilt es weiterhin.

Fazit

Ein Produktkonfigurator macht komplexe oder individualisierbare Produkte online verkaufbar, weil er Preis, Optionen und Ergebnis transparent macht. Das Beispiel Schirmmacher zeigt, dass ein 3D-Designer allein nicht reicht: Passende Filter, kleine Rechner für Detailfragen und erreichbare Beratung gehören dazu. Für Gründer lohnt sich ein schrittweiser Einstieg mit klarer Preislogik, sauberer Rechtslage und messbaren Zielen.

Plane außerdem Zeit für die Pflege ein: Neue Produkte, geänderte Einkaufspreise und zusätzliche Veredelungen müssen laufend im Regelwerk nachgezogen werden. Wer diese Aufgabe von Anfang an einer verantwortlichen Person zuordnet, hält Preise und Optionen dauerhaft korrekt.

Quellen

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