Kurse wie das „Online Startup System“ von René Renk versprachen Einsteigern, Schritt für Schritt ein eigenes Online Business starten zu können: mit Affiliate-Funnels, E-Mail-Marketing und digitalen Produkten. Solche Programme gibt es in vielen Varianten, oft zu Preisen von mehreren hundert bis mehreren tausend Euro. Ein aktuelles Angebot des Online Startup System ließ sich im Oktober 2026 nicht mehr eindeutig nachweisen, ein Test ist daher nicht möglich.
Die Frage dahinter bleibt aber relevant: Wie kannst du realistisch ein Online Business starten, und wann hilft dir ein Kurs wirklich weiter? Dieser Ratgeber zeigt die gängigen Geschäftsmodelle, die nötigen Schritte inklusive Gewerbeanmeldung und Steuern sowie die Kriterien, an denen du seriöse Online-Kurse von teuren Versprechen unterscheidest. Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2025 hast du dabei auch bessere Karten, wenn ein Coaching-Vertrag nicht sauber aufgesetzt ist.
Online Business starten: welche Modelle es gibt
„Online Business“ ist ein Sammelbegriff. Die Modelle unterscheiden sich stark in Aufwand, Kapitalbedarf und Risiko:
| Modell | Wie Geld verdient wird | Startkapital | Realistische Herausforderung |
|---|---|---|---|
| Dienstleistung online (z. B. Texte, Design, Programmierung, Beratung) | Honorar pro Projekt oder Stunde | Gering | Kunden gewinnen, Zeit ist begrenzt |
| Affiliate-Marketing | Provision für vermittelte Verkäufe | Gering | Reichweite aufbauen dauert oft Monate bis Jahre |
| Digitale Produkte (E-Books, Vorlagen, Kurse) | Verkauf pro Exemplar | Gering bis mittel | Hochwertiges Produkt und Vertrieb nötig |
| Onlineshop / E-Commerce | Marge auf Waren | Mittel | Einkauf, Versand, Retouren, Rechtstexte |
| Software / SaaS | Abo-Gebühren | Mittel bis hoch | Entwicklung, Support, längere Anlaufphase |
Viele Kurse aus dem Bereich „Online Startup“ konzentrieren sich auf Affiliate-Marketing und digitale Produkte. Diese Modelle haben niedrige Einstiegskosten, aber einen starken Wettbewerb. Ohne eigene Reichweite oder echtes Fachwissen in einer Nische ist ein schneller Erfolg unwahrscheinlich.
Online Business starten: die wichtigsten Schritte
- Nische und Problem finden: Starte bei einem Thema, in dem du dich auskennst und für das Menschen bereits Geld ausgeben. Prüfe Suchanfragen, Foren und bestehende Angebote.
- Angebot formulieren: Was genau bekommt der Kunde, zu welchem Preis, und warum von dir? Hilfreich ist ein klares Alleinstellungsmerkmal.
- Nachfrage testen: Verkaufe eine erste Version, bevor du viel Zeit in Technik steckst, etwa per Landingpage mit Vorbestellung oder als Dienstleistung für erste Kunden.
- Rechtlich anmelden: Gewerbe anmelden oder als Freiberufler beim Finanzamt melden, Steuernummer beantragen, Impressum und Datenschutzhinweise erstellen.
- Technik aufsetzen: Website, Zahlungsanbieter, E-Mail-Tool. Anfangs reichen einfache Standardlösungen.
- Kunden gewinnen: Konzentriere dich auf einen bis zwei Kanäle, zum Beispiel Suchmaschinen und E-Mail oder LinkedIn und Empfehlungen.
- Auswerten und verbessern: Miss Besucher, Anfragen und Verkäufe und entwickle Angebot und Marketing anhand der Zahlen weiter.
Wenn du ein Online Business starten willst, findest du einen ausführlichen Ablauf im Gründungsfahrplan: von der Idee zur ersten Rechnung.
Gewerbe, Steuern und Recht
Wer ein Online Business starten will und regelmäßig mit Gewinnerzielungsabsicht verkauft, ist unternehmerisch tätig. Das gilt auch für Affiliate-Provisionen und digitale Produkte. Wichtig sind vor allem diese Punkte:
- Gewerbeanmeldung: Affiliate-Marketing, Onlineshops und der Verkauf digitaler Produkte sind in der Regel gewerblich. Die Anmeldung erfolgt beim Gewerbeamt. Wie das als Einzelperson funktioniert, erklärt unser Beitrag Einzelunternehmen gründen.
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung: Nach der Anmeldung meldest du dich über ELSTER beim Finanzamt.
- Umsatzsteuer: Die Kleinunternehmerregelung kann den Start vereinfachen. Seit 2025 gilt sie bei höchstens 25.000 Euro Umsatz im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr (§ 19 UStG). Details findest du im Beitrag zur Kleinunternehmerregelung.
- Rechtstexte: Impressum, Datenschutzerklärung, bei Online-Verkäufen an Verbraucher auch AGB und Widerrufsbelehrung. Tracking und Newsletter brauchen eine Einwilligung.
- Werbekennzeichnung: Affiliate-Links und bezahlte Kooperationen müssen als Werbung erkennbar sein.
Online Business starten: Mit diesen Kosten rechnen
Die laufenden Kosten eines kleinen Online Business sind oft überschaubar. Typische Posten sind:
- Domain und Webhosting oder ein Website-Baukasten
- E-Mail-Marketing-Software, die bei kleinen Listen oft günstig oder kostenlos startet
- Gebühren der Zahlungsanbieter pro Transaktion
- Rechtstexte, etwa über einen Generator oder Abo-Service
- Buchhaltungssoftware und gegebenenfalls Steuerberatung
- Werbebudget für erste Tests
- Betriebliche Versicherungen, etwa eine Berufshaftpflicht bei Beratungsleistungen
Lege fest, wie viel Geld und Zeit du in den ersten sechs Monaten investieren kannst, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Ein teurer Kurs sollte nie aus einem Kredit oder einer Ratenfinanzierung bezahlt werden, die du ohne sofortige Einnahmen nicht bedienen kannst.
Seriöse Online-Kurse erkennen
Ein guter Kurs kann dir Umwege ersparen. Die Verbraucherzentralen warnen aber regelmäßig vor Online-Coachings, die schnellen Reichtum oder mühelosen Erfolg in Existenzgründung und Finanzen versprechen. Achte auf diese Kriterien:
| Warnsignal | Gutes Zeichen |
|---|---|
| Einkommensversprechen wie „5.000 Euro passiv im Monat“ | Realistische Darstellung von Aufwand und Risiko |
| Zeitdruck: „Nur heute“, künstlich verknappte Plätze | Ausreichend Bedenkzeit, transparenter Preis |
| Verkauf vor allem über Erfolgsgeschichten und Luxus-Lifestyle | Detaillierter Lehrplan und Probelektionen |
| Ratenzahlung oder Finanzierung wird aktiv angeboten | Klare Vertragsbedingungen und Kündigungsregeln |
| Erfolg hängt angeblich nur am „System“ | Nachprüfbare Expertise und eigene Projekte der Dozenten |
| Keine Angaben zur ZFU-Zulassung bei betreutem Fernunterricht | Zulassung durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU), wo nötig |
Prüfe außerdem unabhängige Bewertungen, das Impressum des Anbieters und ob es kostenlose Alternativen gibt. Gründungsberatungen von IHK, Handwerkskammern und Gründungszentren sind oft kostenlos oder gefördert.
Was das BGH-Urteil zu Online-Coachings bedeutet
Der Bundesgerichtshof hat am 12. Juni 2025 entschieden (Az. III ZR 109/24), dass das Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) auch für Online-Coachings gelten kann und zwar nicht nur für Verbraucher, sondern auch für Selbstständige und Gründer. Fernunterricht liegt danach vor, wenn Wissen gegen Entgelt überwiegend räumlich getrennt vermittelt wird, der Kurs strukturiert aufgebaut ist und es eine Lernerfolgskontrolle gibt, etwa durch Feedback oder Fragen in Live-Calls.
Fehlt in solchen Fällen die vorgeschriebene ZFU-Zulassung, ist der Vertrag nach § 7 Abs. 1 FernUSG nichtig.
Teilnehmer können dann bereits gezahlte Beträge grundsätzlich zurückfordern und offene Raten müssen nicht bezahlt werden. Rein selbst zu lernende Videokurse ohne Betreuung fallen meist nicht darunter. Ob ein konkreter Vertrag betroffen ist, hängt vom Einzelfall ab. Lass dich im Zweifel von einer Verbraucherzentrale oder einer Anwaltskanzlei beraten. Zugelassene Lehrgänge kannst du in der Lehrgangssuche der ZFU prüfen.
Kurs, Selbststudium oder Beratung?
Wer ein Online Business starten will, braucht nicht unbedingt einen teuren Kurs. Viele Grundlagen zu SEO, E-Mail-Marketing oder Shop-Systemen stellen die Anbieter selbst kostenlos bereit. Ein Kurs lohnt sich eher, wenn er dir eine konkrete Fähigkeit beibringt, die du sofort anwendest, und wenn du Feedback auf deine eigenen Ergebnisse bekommst. Setze dir vor dem Kauf ein klares Ziel, zum Beispiel „erste zehn zahlende Kunden in drei Monaten“, und prüfe, ob der Kurs genau darauf einzahlt.
Eine Alternative ist, mit einem kleinen Budget direkt anzufangen und gezielt Einzelberatung zu buchen, wenn du an einer Stelle feststeckst. So investierst du nur dort, wo du tatsächlich Hilfe brauchst.
Häufige Fragen
Gibt es das Online Startup System noch?
Ein aktuelles Angebot des Kurses ließ sich im Oktober 2026 nicht eindeutig nachweisen. Wenn du auf ein Angebot unter diesem Namen stößt, prüfe Anbieter, Inhalte und Vertragsbedingungen anhand der Kriterien oben.
Kann ich ein Online Business starten und schnell Geld verdienen?
In Einzelfällen ja, in der Regel aber nicht. Die meisten Online-Unternehmen brauchen Monate, bis sie verlässlich Umsatz machen. Am schnellsten führen meist Dienstleistungen zu ersten Einnahmen.
Muss ich ein Gewerbe anmelden, wenn ich nur Affiliate-Links nutze?
Wenn du regelmäßig und mit Gewinnerzielungsabsicht Provisionen erzielst, ist das in der Regel eine gewerbliche Tätigkeit. Kläre Einzelfälle mit dem Gewerbeamt oder einer Steuerberatung.
Kann ich Geld für ein Online-Coaching zurückverlangen?
Möglicherweise. Fiel das Coaching unter das Fernunterrichtsschutzgesetz und fehlte die ZFU-Zulassung, ist der Vertrag laut BGH nichtig. Lass deinen Fall prüfen.
Fazit
Ein eigenes Online-Unternehmen kannst du mit wenig Kapital aufbauen, aber nicht ohne Arbeit, Fachwissen und Geduld. Kurse wie das frühere Online Startup System können Orientierung geben, ersetzen aber weder ein tragfähiges Angebot noch eigene Kundengewinnung. Prüfe Kurse kritisch, meide Einkommensversprechen, melde dein Gewerbe korrekt an und teste dein Angebot früh am Markt. Wer so vorgeht, braucht keinen Wunderkurs, sondern vor allem Ausdauer, ehrliches Kundenfeedback und die Bereitschaft, das eigene Angebot immer wieder anzupassen.
Quellen
- ARAG: BGH-Urteil zu Coaching-Verträgen und ZFU-Zulassung (III ZR 109/24)
- Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU)
- IHK Karlsruhe: Wichtiges Urteil des Bundesgerichtshofs zu Coaching-Verträgen
- Gesetze im Internet: § 7 FernUSG
- Gesetze im Internet: § 19 UStG (Kleinunternehmer)
- Verbraucherzentrale: Online-Coaching unter der Lupe
