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Geschäftsführung erweitern: Was Gründer von rankeffect lernen

Wann sich eine zweite Führungsperson lohnt, wie du CEO, COO und CTO aufteilst und was rechtlich gilt, erklärt am Beispiel der Agentur rankeffect.

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Aktualisiert am 17.10.2026

rankeffect verstärkt Geschäftsführung

Die Geschäftsführung zu erweitern ist für viele wachsende Unternehmen ein logischer, aber heikler Schritt: Der Gründer gibt Verantwortung ab, neue Führungskräfte bekommen Entscheidungsmacht, und die Organisation muss sich neu sortieren. Ein Beispiel dafür ist die Münchner Digitalagentur rankeffect, die ihre Leitung über den Gründer hinaus verbreitert hat.

In diesem Beitrag erfährst du, woran du erkennst, dass die Zeit für zusätzliche Führungskräfte reif ist, wie du Rollen wie CEO, COO und CTO sinnvoll aufteilst, was rechtlich bei der Bestellung weiterer Geschäftsführer einer GmbH gilt und welche Fehler du vermeiden solltest.

Das Beispiel rankeffect

Die Agentur rankeffect wurde laut eigener Unternehmenshistorie im Februar 2015 als Zwei-Personen-Agentur in München gegründet. Aus dem anfänglichen SEO-Fokus wurde eine breiter aufgestellte Online-Marketing-Agentur mit Leistungen von Suchmaschinenoptimierung über Google Ads bis zu KI-gestützten Angeboten.

Mit dem Wachstum wurde die Führung breiter aufgestellt. Gründer Julian Strote konzentriert sich als CEO auf Strategie, Partnerschaften, Finanzen sowie Vertrieb und Marketing. Ludwig Langer, der zuvor große IT-Projekte in der Telekommunikation gesteuert und als Unternehmensberater gearbeitet hat, verantwortet als CTO Technik, Tools und KI-Anwendungen. Laut Impressum vertreten beide die rankeffect digital GmbH als Geschäftsführer. Auch auf Teamleitungsebene wurden Aufgaben neu verteilt, etwa mit einer eigenen Teamleitung für SEO.

Das Muster ist typisch: Der Gründer rückt aus dem Tagesgeschäft in die strategische Rolle, Spezialisten übernehmen Technik und operative Steuerung. Wann sich ein solcher Schritt für dein eigenes Unternehmen lohnt, lässt sich an einigen Signalen festmachen.

Wann sich eine erweiterte Geschäftsführung lohnt

Es gibt keine feste Mitarbeiterzahl, ab der eine zweite Führungsperson nötig ist. Diese Anzeichen sprechen dafür:

  • Der Gründer wird zum Engpass: Entscheidungen stauen sich, weil alles über eine Person läuft.
  • Strategie kommt zu kurz: Tagesgeschäft frisst die Zeit für Partnerschaften, Finanzierung und neue Geschäftsfelder.
  • Komplexität steigt: Mehr Teams, Standorte oder Technologien erfordern spezialisierte Führung.
  • Abhängigkeit von einer Person: Krankheit oder Urlaub des Gründers legen Teile des Betriebs lahm.
  • Investoren oder große Kunden fragen nach: Sie wollen sehen, dass das Unternehmen nicht an einer Person hängt.

Wenn du als Solo-Gründer gerade erst die erste Führungskraft suchst, hilft dir unser Beitrag Erste Führungskraft einstellen.

Rollen in der Geschäftsführung sinnvoll verteilen

Titel wie CEO, COO oder CTO sind keine gesetzlichen Funktionen, sondern interne Bezeichnungen für Verantwortungsbereiche. Wichtig ist, dass jede Rolle klar umrissen ist:

Rolle Typische Verantwortung
CEO Strategie, Finanzen, Investoren, Partnerschaften, Unternehmenskultur
COO operative Abläufe, Projektsteuerung, Personalentwicklung, Qualität
CTO Technologie, Produktentwicklung, IT-Sicherheit, Tools und Automatisierung
CFO Controlling, Liquidität, Finanzierung, Reporting

Kleine Unternehmen brauchen selten alle Rollen gleichzeitig. Oft reicht es, die Geschäftsführung um eine Person zu erweitern, die den größten blinden Fleck des Gründers abdeckt, etwa Technik bei einem vertriebsstarken Gründer oder Operations bei einem Produktmenschen.

Interne Talente oder externe Profis?

Aufsteiger aus den eigenen Reihen kennen Prozesse, Kunden und Kultur. Das senkt das Risiko, dass sie nicht ins Team passen, und ist ein starkes Signal an alle Mitarbeitenden. Externe Führungskräfte bringen dagegen Erfahrung aus größeren Organisationen und neue Perspektiven mit. Viele Unternehmen kombinieren beides, so wie es auch bei rankeffect mit internen Teamleitungen und einem extern erfahrenen Technikchef zu sehen ist.

Rechtliches: Weitere Geschäftsführer in der GmbH bestellen

Wer die Geschäftsführung einer GmbH erweitert, muss einige Formalien beachten:

  1. Bestellung: Geschäftsführer werden in der Regel per Gesellschafterbeschluss bestellt, sofern der Gesellschaftsvertrag nichts anderes vorsieht.
  2. Handelsregister: Nach § 39 GmbHG ist jede Änderung in der Person der Geschäftsführer zur Eintragung anzumelden. Der neue Geschäftsführer muss versichern, dass keine Bestellungshindernisse vorliegen. Die Anmeldung läuft über einen Notar.
  3. Vertretungsbefugnis: Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, vertreten sie die Gesellschaft nach § 35 Abs. 2 GmbHG grundsätzlich nur gemeinschaftlich. Soll jeder allein handeln dürfen, muss das im Gesellschaftsvertrag oder per Beschluss geregelt und eingetragen werden.
  4. Anstellungsvertrag: Vergütung, Aufgaben, Zustimmungsvorbehalte und Wettbewerbsverbote gehören in einen schriftlichen Vertrag.
  5. Sozialversicherung: Fremdgeschäftsführer ohne Beteiligung sind in der Regel sozialversicherungspflichtig. Bei Gesellschafter-Geschäftsführern kommt es auf Anteil und Stimmrechte an; ein Statusfeststellungsverfahren schafft Klarheit.

Eine Geschäftsordnung für die Geschäftsführung hilft, Ressorts, Entscheidungswege und Zustimmungspflichten der Gesellschafter festzulegen. Gerade bei Gesamtvertretung vermeidet sie Blockaden im Alltag.

Beteiligung und Vergütung neuer Führungskräfte

Gute Führungskräfte erwarten neben einem marktgerechten Gehalt oft eine Perspektive auf Beteiligung. Optionen sind echte Geschäftsanteile, virtuelle Anteile oder Mitarbeiterbeteiligungsprogramme. Jede Variante hat steuerliche und gesellschaftsrechtliche Folgen. Einen Überblick gibt unser Beitrag ESOP vs. RSU. Wichtig ist, Vesting-Regeln und Good-/Bad-Leaver-Klauseln von Anfang an festzulegen.

Neben Geld zählen für viele erfahrene Führungskräfte auch Gestaltungsspielraum, ein klares Mandat und ein Gründer, der Entscheidungen respektiert. Kläre diese Erwartungen früh im Gespräch, denn ein attraktives Paket gleicht fehlende Entscheidungsfreiheit auf Dauer nicht aus. Halte die Absprachen schriftlich fest, damit später beide Seiten wissen, worauf sie sich geeinigt haben.

Fahrplan in fünf Schritten

Ein strukturierter Ablauf verhindert, dass der Wechsel im Führungsteam zur Belastung für das ganze Unternehmen wird. So kannst du vorgehen:

  1. Bestandsaufnahme machen: Notiere über zwei bis vier Wochen, womit du deine Zeit verbringst. Markiere Aufgaben, die nur du erledigen kannst, und solche, die ein anderer besser oder günstiger übernehmen könnte.
  2. Rolle definieren: Beschreibe Verantwortungsbereich, Entscheidungsbefugnisse, Budgetrahmen und Kennzahlen der neuen Führungsperson so konkret wie möglich. Je klarer die Abgrenzung, desto weniger Reibung entsteht später.
  3. Kandidaten prüfen: Sprich zuerst mit geeigneten Personen aus dem eigenen Team, bevor du extern suchst. Prüfe neben Fachwissen vor allem, ob die Wertvorstellungen zusammenpassen und ob ihr bei Konflikten konstruktiv streiten könnt.
  4. Übergang gestalten: Plane eine Einarbeitungsphase mit regelmäßigen Abstimmungen. Übergib Verantwortung schrittweise, aber spürbar, damit die neue Führungskraft auch im Team als Entscheider wahrgenommen wird.
  5. Nach drei bis sechs Monaten bilanzieren: Funktioniert die Aufteilung? Wo gibt es Überschneidungen oder Lücken? Passe Ressorts und Geschäftsordnung an, statt Probleme auszusitzen.

Kommuniziere die neue Struktur offen an Mitarbeitende, Kunden und Partner. Eine kurze Ankündigung mit Zuständigkeiten und Ansprechpartnern beugt Missverständnissen vor und zeigt, dass die Geschäftsführung den Wandel bewusst steuert. Gerade bei Dienstleistern wie Agenturen wollen Kunden wissen, ob sich für ihre Projekte etwas ändert.

Typische Fehler beim Erweitern der Geschäftsführung

  • Unklare Zuständigkeiten: Zwei Personen entscheiden über dasselbe, oder niemand fühlt sich verantwortlich.
  • Gründer lässt nicht los: Neue Führungskräfte bekommen Titel, aber keine echte Entscheidungsmacht.
  • Zu früh zu viele C-Level: Ein kleines Team mit vier Chefs wirkt kopflastig und teuer.
  • Kommunikation vergessen: Mitarbeitende und Kunden erfahren zu spät, wer wofür zuständig ist.
  • Kultur vernachlässigen: Neue Führung verändert das Miteinander. Regelmäßiger Austausch und klare Werte halten das Team zusammen.

Warum gerade erfolgreiche Gründer in diese Fallen tappen, beschreibt unser Artikel Die Leadership-Falle im Start-up. Wie du Wachstum insgesamt steuerst, liest du in Startup skalieren.

Häufige Fragen

Wie viele Geschäftsführer darf eine GmbH haben?

Das Gesetz setzt keine Obergrenze. Eine GmbH braucht mindestens einen Geschäftsführer, kann aber beliebig viele bestellen. Der Gesellschaftsvertrag kann Vorgaben machen.

Muss ein COO Geschäftsführer sein?

Nein. COO oder CTO sind interne Titel. Ob die Person zugleich Geschäftsführer mit Vertretungsmacht wird oder als leitender Angestellter arbeitet, entscheiden die Gesellschafter.

Wie lange dauert die Eintragung eines neuen Geschäftsführers?

Nach der notariellen Anmeldung trägt das Registergericht Änderungen meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ein. Die Bestellung selbst wirkt bereits mit dem Beschluss.

Was kostet die Erweiterung der Geschäftsführung?

Neben dem Gehalt fallen Notar- und Registergebühren an sowie gegebenenfalls Kosten für Rechtsberatung, Recruiting und Beteiligungsmodelle.

Fazit

Eine erweiterte Geschäftsführung kann Wachstum absichern, den Gründer entlasten und das Unternehmen unabhängiger von einer Person machen. Das Beispiel rankeffect zeigt eine typische Aufteilung zwischen strategischer Führung und Technikverantwortung. Entscheidend sind klare Rollen, saubere Verträge, eine passende Vertretungsregelung und ein Gründer, der tatsächlich Verantwortung abgibt.

Quellen

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