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Auswandern nach London 2026: Der Leitfaden für Gründer

Innovator Founder Visa, Ltd-Gründung, Steuern, Kosten und Wegzug: Was Gründer und Selbstständige vor dem Umzug nach London nach dem Brexit wissen müssen.

LH

Aktualisiert am 17.10.2026

Auswandern nach London: Visum, Kosten & Leben

Das Auswandern nach London ist für Gründer und Selbstständige seit dem Brexit deutlich komplizierter geworden. Als Deutscher brauchst du für einen dauerhaften Aufenthalt mit Arbeit oder Firmengründung ein Visum, und die Einwanderungsregeln wurden in den letzten Jahren mehrfach verschärft. Gleichzeitig bleibt London einer der größten Startup- und Finanzstandorte Europas, mit Zugang zu Wagniskapital, internationalen Kunden und einer Firmengründung, die online in einem Tag erledigt ist.

Dieser Leitfaden zum Auswandern nach London zeigt dir, welche Visa für Gründer infrage kommen, wie du eine Limited gründest, wie Steuern und Sozialversicherung funktionieren, mit welchen Kosten du in London rechnen musst und was du in Deutschland vor dem Wegzug erledigen solltest. Stand der Angaben: Oktober 2026. Die Regeln ändern sich häufig, prüfe Details deshalb immer direkt auf GOV.UK und hol dir steuerlichen Rat.

Auswandern nach London: Was sich seit dem Brexit änderte

Seit Ende der Übergangsphase am 31. Dezember 2020 gilt für neu zuziehende EU-Bürger keine Freizügigkeit mehr. Für Besuche brauchst du seit 2025 eine elektronische Reisegenehmigung (ETA), die laut GOV.UK 20 Pfund kostet und Aufenthalte von bis zu sechs Monaten erlaubt. Mit einem ETA darfst du Geschäftstermine wahrnehmen, aber weder arbeiten noch dein Unternehmen vor Ort operativ führen.

Wer bereits vor 2021 in Großbritannien lebte und einen Status im EU Settlement Scheme hat, ist von den neuen Regeln nicht betroffen. Alle anderen brauchen eine passende Visumskategorie.

Auswandern nach London: Visum für Gründer

Ein klassisches Visum für Freiberufler gibt es im Vereinigten Königreich nicht. Die wichtigsten Wege für Gründer:

Visum Für wen Kernpunkte
Innovator Founder Gründer eines innovativen, skalierbaren Unternehmens Bestätigung durch eine anerkannte Endorsing Body (1.000 Pfund), Antrag aus dem Ausland 1.357 Pfund, bis zu drei Jahre, verlängerbar
Global Talent anerkannte Talente in Tech, Wissenschaft, Kunst Empfehlung einer Fachstelle, keine Bindung an Arbeitgeber, selbstständige Arbeit möglich
UK Expansion Worker Mitarbeiter einer ausländischen Firma, die eine UK-Niederlassung aufbauen deutsche Firma muss die britische Präsenz sponsern
Skilled Worker Angestellte mit Arbeitsangebot Sponsor-Arbeitgeber, Mindestgehalt je nach Beruf; für Gründer meist ungeeignet

Innovator Founder Visa im Detail

Dein Geschäftsmodell muss laut GOV.UK neu, tragfähig und skalierbar sein und sich von bestehenden Angeboten unterscheiden. Eine Endorsing Body prüft deinen Plan und trifft dich nach 12 und 24 Monaten, um Fortschritte zu bewerten; jedes dieser Treffen kostet 500 Pfund. Du darfst für dein Unternehmen arbeiten und zusätzlich qualifizierte Nebentätigkeiten annehmen. Dazu kommt die jährliche Gesundheitsabgabe (Immigration Health Surcharge), die für Erwachsene aktuell 1.035 Pfund pro Jahr beträgt und für die gesamte Visumsdauer im Voraus fällig wird.

Bisher konnten Innovator Founder nach drei Jahren eine unbefristete Niederlassungserlaubnis beantragen. Die Regierung hat Ende 2025 jedoch eine Reform vorgeschlagen, die den Weg zum Daueraufenthalt grundsätzlich deutlich verlängern soll. Prüfe den aktuellen Stand, bevor du deine Planung darauf aufbaust.

Global Talent und UK Expansion Worker

Das Global Talent Visa richtet sich an Menschen, die in ihrem Feld bereits als führend oder vielversprechend gelten, zum Beispiel Gründer mit nachweisbarer Erfolgsbilanz in der Digitalbranche. Nötig ist eine Bestätigung durch eine benannte Fachstelle. Der große Vorteil: Du bist an keinen Arbeitgeber gebunden und darfst selbstständig arbeiten.

Das UK Expansion Worker Visa gehört zur Kategorie Global Business Mobility. Es eignet sich, wenn du bereits ein Unternehmen in Deutschland betreibst und als Mitarbeiter oder Geschäftsführer nach Großbritannien gehst, um dort die erste Niederlassung aufzubauen. Voraussetzung ist, dass deine Firma als Sponsor zugelassen wird. Es führt nicht direkt zum Daueraufenthalt, ist aber für etablierte Firmen oft planbarer als das Innovator Founder Visa.

Eine gute Präsentation ist Pflicht

Endorsing Bodies lehnen viele Anträge ab, weil Innovation oder Marktpotenzial nicht überzeugen. Ein klarer Businessplan, belastbare Marktdaten und ein starker Elevator Pitch erhöhen deine Chancen.

Firma gründen in London: die Private Limited

Die Private Company Limited by Shares (Ltd) ist die Standardform für Gründer. Die Gründung ist schnell und günstig:

  • Online bei Companies House: 100 Pfund Gebühr, Eintragung meist innerhalb eines Tages.
  • Per Post: 124 Pfund, Dauer 8 bis 10 Tage.
  • Kein nennenswertes Mindestkapital, eine Aktie zu einem Pfund reicht formal.
  • Pflichten: eingetragene Adresse in Großbritannien, Identitätsprüfung für Direktoren, jährlicher Abschluss und Bestätigungserklärung, Registrierung für die Corporation Tax bei HMRC.

Wichtig: Eine Ltd gründen kannst du auch ohne Visum von Deutschland aus. In Großbritannien für sie arbeiten darfst du aber nur mit passendem Aufenthaltstitel. Achte außerdem darauf, wo die Geschäftsleitung tatsächlich sitzt: Führst du eine britische Ltd dauerhaft von Deutschland aus, kann sie in Deutschland steuerpflichtig werden. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Thema international gründen.

Als Alternative kannst du dich als Sole Trader bei HMRC registrieren, sofern dein Visum selbstständige Arbeit erlaubt, etwa beim Global Talent Visa.

Steuern für Gründer in Großbritannien

Steuer Satz (Stand 2026/27)
Corporation Tax 19 Prozent bis 50.000 Pfund Gewinn, 25 Prozent ab 250.000 Pfund, dazwischen Gleitzone
Income Tax (England) Grundfreibetrag 12.570 Pfund, danach 20, 40 und 45 Prozent
National Insurance Selbstständige (Class 4) 6 Prozent auf Gewinne zwischen 12.570 und 50.270 Pfund, 2 Prozent darüber
VAT 20 Prozent, Registrierungspflicht ab einer Umsatzschwelle

Ob du nach dem Auswandern nach London steuerlich ansässig bist, regelt der Statutory Residence Test, der Aufenthaltstage und Bindungen kombiniert. Seit April 2025 ist der frühere Non-Dom-Status abgeschafft; an seine Stelle tritt eine Regelung, nach der neu Zuziehende, die zehn Jahre nicht in Großbritannien ansässig waren, ausländische Einkünfte und Gewinne für vier Jahre auf Antrag steuerfrei stellen können. Ob das für dich relevant ist, solltest du mit einer Steuerberatung klären.

Zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen von 2010. Es verhindert, dass dasselbe Einkommen in beiden Ländern voll besteuert wird, und legt fest, welches Land bei doppeltem Wohnsitz Vorrang hat.

Sozial- und Krankenversicherung

Mit dem Visum zahlst du die Immigration Health Surcharge und erhältst damit Zugang zum staatlichen Gesundheitsdienst NHS. Lange Wartezeiten führen dazu, dass viele Selbstständige ergänzend privat versichert sind. Das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen EU und Vereinigtem Königreich koordiniert die Sozialversicherung weiterhin: In beiden Ländern erworbene Rentenzeiten gehen nicht verloren. Bei einer befristeten Entsendung durch deine deutsche Firma kannst du über eine Bescheinigung in der deutschen Sozialversicherung bleiben.

Lebenshaltungskosten in London

Wer das Auswandern nach London plant, muss wissen: Die Stadt gehört zu den teuersten Europas. Werte laut Numbeo, Stand Oktober 2026:

Posten London (ca.)
Einzelperson ohne Miete rund 1.080 Pfund pro Monat
1-Zimmer-Wohnung Zentrum rund 2.150 Pfund pro Monat
1-Zimmer-Wohnung außerhalb rund 1.690 Pfund pro Monat

Rechne als Gründer mit 3.000 Pfund und mehr pro Monat für Miete und Lebenshaltung, bevor du ein Büro oder Mitarbeiter bezahlst. Viele Startups nutzen deshalb zunächst Coworking-Spaces in Stadtteilen wie Shoreditch, King’s Cross oder Southwark. Wer flexibel ist, findet in Städten wie Manchester oder Bristol günstigere Bedingungen mit eigenen Startup-Szenen.

Auswandern nach London: Nachteile

  • Hohe Visakosten und Gesundheitsabgabe, im Voraus zu bezahlen.
  • Unsicherheit durch häufige Änderungen im Einwanderungsrecht.
  • Sehr hohe Mieten und Lebenshaltungskosten.
  • Warenverkehr mit der EU erfordert seit dem Brexit Zollformalitäten, was für E-Commerce-Gründer relevant ist.

Bankkonto, Markt und Startup-Szene

Für ein Geschäftskonto brauchst du in der Regel die Eintragung bei Companies House, eine britische Adresse und Identitätsnachweise. Viele Gründer starten mit einer digitalen Bank, während klassische Großbanken mehr Unterlagen verlangen.

Die Londoner Startup-Szene ist stark in Fintech, KI, Gesundheit und Klimatechnologie. Programme wie die Steuererleichterungen SEIS und EIS machen frühe Investitionen für britische Investoren attraktiv, was die Finanzierung erleichtern kann. Geschäftskultur: direkte Termine, schnelle Entscheidungen, viel Networking auf Events und Meetups. Ein solides Marketingkonzept für den britischen Markt ist Pflicht, da Kundenerwartungen und Preisniveau von Deutschland abweichen.

Vor dem Auswandern nach London: To-dos in Deutschland

  1. Beim Einwohnermeldeamt abmelden; behältst du eine Wohnung, kannst du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bleiben.
  2. Gewerbe abmelden oder Firma umstrukturieren, Finanzamt informieren.
  3. Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG prüfen: Hältst du mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft und warst in den letzten zwölf Jahren mindestens sieben Jahre unbeschränkt steuerpflichtig, werden beim Wegzug die stillen Reserven besteuert. Auf Antrag ist Ratenzahlung über sieben Jahre möglich.
  4. Krankenversicherung, Rentenversicherung und Berufshaftpflicht an den neuen Wohnsitz anpassen.
  5. Wichtige Dokumente wie Geburts- und Heiratsurkunde mitnehmen, Kreditkarte mit Verlauf behalten, um in Großbritannien eine Bonität aufzubauen.

Typische Fehler beim Auswandern nach London

  • Mit dem ETA einreisen und bereits Kundenprojekte vor Ort umsetzen: Das ist ohne Visum nicht erlaubt.
  • Die Gesundheitsabgabe für die gesamte Visumsdauer nicht im Budget haben.
  • Die deutsche GmbH weiterführen, ohne zu klären, wo künftig die Geschäftsleitung sitzt.
  • Mietverträge ohne britische Bonitätshistorie: Rechne mit höheren Kautionen oder Bürgschaften.

Häufige Fragen

Brauche ich als Deutscher ein Visum, um in London zu gründen?

Gründen kannst du eine Ltd ohne Visum. Um in Großbritannien zu leben und für die Firma zu arbeiten, brauchst du aber ein Visum, etwa Innovator Founder, Global Talent oder UK Expansion Worker.

Was kostet das Innovator Founder Visa?

Laut GOV.UK fallen 1.000 Pfund für die Bestätigung, 1.357 Pfund für den Antrag aus dem Ausland, 500 Pfund je Prüfungstermin sowie die Gesundheitsabgabe von 1.035 Pfund pro Jahr an.

Wie viel Geld brauche ich zum Auswandern nach London?

Für Miete und Lebenshaltung solltest du mindestens 3.000 Pfund im Monat einplanen, zusätzlich Visakosten und eine Reserve für die Anlaufphase des Unternehmens.

Wird mein Einkommen doppelt besteuert?

In der Regel nicht, weil das Doppelbesteuerungsabkommen regelt, welches Land besteuert. Die deutsche Wegzugsbesteuerung für GmbH-Anteile gilt aber trotzdem.

Fazit

Das Auswandern nach London bietet Gründern Zugang zu Kapital, Talenten und internationalen Märkten, verlangt seit dem Brexit aber ein passendes Visum und hohe Startkosten. Das Innovator Founder Visa ist der zentrale Weg für innovative Geschäftsideen, für Firmen mit bestehender deutscher Basis kann die Expansion über eine Niederlassung einfacher sein. Plane Visa, Steuern und Wegzug frühzeitig und mit fachlicher Unterstützung.

Quellen

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