Auswandern nach Australien klingt nach Sonne, Surfen und Neustart. Für Gründer und Selbstständige ist die Sache nüchterner: Australien hat ein streng punktebasiertes Einwanderungssystem, das klassische Unternehmervisum wurde 2024 geschlossen, und wer eine eigene Firma führen will, muss Visum, Rechtsform und Steuern sauber zusammendenken. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Aufenthaltstitel ist es in Australien unkompliziert und günstig, ein Unternehmen zu gründen.
Dieser Leitfaden zum Auswandern nach Australien zeigt dir, welche Wege es für Selbstständige und Unternehmer realistisch gibt, wie die Firmengründung vor Ort abläuft, welche Steuern und Sozialabgaben anfallen und was du in Deutschland vor dem Wegzug erledigen musst. Alle Angaben haben den Stand Oktober 2026. Visa- und Steuerregeln ändern sich in Australien häufig, prüfe deshalb vor jeder Entscheidung die offiziellen Seiten des Department of Home Affairs und des Australian Taxation Office (ATO).
Auswandern nach Australien: Voraussetzungen im Überblick
Wer fragt, was man für den Neustart in Down Under braucht, landet immer bei derselben Antwort: ein passendes Visum. Ohne dauerhaften oder befristeten Aufenthaltstitel mit Arbeitserlaubnis darfst du weder arbeiten noch ein Geschäft aktiv vor Ort betreiben. Die wichtigsten Voraussetzungen für Australien-Auswanderer sind:
- Visum: passend zu Alter, Beruf, Qualifikation, Vermögen oder Arbeitgeber.
- Englischkenntnisse: für die meisten Arbeitsvisa per anerkanntem Test (z. B. IELTS, PTE) nachgewiesen.
- Gesundheits- und Führungszeugnis: gehören zu fast jedem Visumantrag.
- Finanzielle Reserven: für Visagebühren, Anerkennung, Umzug und die ersten Monate ohne volles Einkommen.
- Berufliche Anerkennung: bei Fachkräftevisa ein positives Skills Assessment der zuständigen Stelle.
Für kurze Geschäftsreisen reicht deutschen Staatsangehörigen ein eVisitor (Subclass 651) für Aufenthalte bis zu drei Monaten. Damit darfst du Meetings besuchen und Verträge verhandeln, aber nicht in Australien arbeiten oder Kunden vor Ort bedienen.
Visa für Selbstständige und Unternehmer
Das Business Innovation and Investment Program mit dem Visum Subclass 188 ist seit dem 31. Juli 2024 für neue Anträge geschlossen. Es verlangte zuletzt unter anderem hohe Investitionen. Wer noch ein laufendes 188-Visum hat, kann über die Subclass 888 weiter Richtung Daueraufenthalt gehen. Für neue Auswanderer bleiben vor allem diese Wege:
Auswandern nach Australien mit Fachkräftevisum (189/190)
Das Skilled Independent Visa (189) und das Skilled Nominated Visa (190) sind dauerhafte Visa. Grundlage ist ein Punktetest, in den Alter, Englischniveau, Berufserfahrung und Ausbildung einfließen. Dein Beruf muss auf der jeweils gültigen Berufsliste stehen, und du brauchst ein positives Skills Assessment. Beim 190 nominiert dich ein Bundesstaat, dafür verpflichtest du dich, zunächst dort zu leben.
Der Vorteil für Gründer: Mit einem dauerhaften Visum darfst du selbstständig arbeiten oder eine Firma gründen, ohne von einem Arbeitgeber abhängig zu sein.
National Innovation Visa (Subclass 858)
Das National Innovation Visa ist ein dauerhaftes Visum für Menschen mit international anerkannter, herausragender Leistungsbilanz. Es ist nur auf Einladung zugänglich: Du reichst eine Interessenbekundung ein und wirst gegebenenfalls eingeladen. Für erfolgreiche Gründer mit nachweisbaren Exits, Patenten oder hoher Bekanntheit in einem Zukunftssektor kann es interessant sein, für die meisten Selbstständigen ist die Hürde aber sehr hoch.
Arbeitgeber-Visum und Working Holiday
Viele starten mit einem arbeitgebergestützten Visum wie dem Skills in Demand Visa (482) und gründen erst nach Erhalt eines dauerhaften Visums. Jüngere nutzen das Working Holiday Visa (417): Für deutsche Staatsangehörige wurde die Altersgrenze zum 1. Juli 2026 von 30 auf 35 Jahre angehoben; Details nennt Home Affairs auf der Visumseite. Ein Working Holiday eignet sich gut, um Markt und Netzwerk zu testen, ist aber befristet und kein Weg, um dauerhaft ein Unternehmen aufzubauen.
| Visum | Dauer | Geeignet für | Selbstständigkeit möglich? |
|---|---|---|---|
| eVisitor (651) | bis 3 Monate pro Reise | Geschäftsreisen, Marktsondierung | Nein |
| Working Holiday (417) | befristet | Jüngere, Markt testen | Eingeschränkt |
| Skills in Demand (482) | befristet | Fachkräfte mit Arbeitgeber | Nein, an Arbeitgeber gebunden |
| Skilled Independent (189) | dauerhaft | Fachkräfte mit hoher Punktzahl | Ja |
| Skilled Nominated (190) | dauerhaft | Fachkräfte mit Nominierung | Ja |
| National Innovation (858) | dauerhaft | herausragende Gründer und Experten | Ja |
Für Rentner sieht es übrigens schwierig aus: Das frühere Ruhestandsvisum gibt es für Neuantragsteller nicht mehr, und Visa für Eltern sind mit sehr langen Wartezeiten verbunden. Wer als Rentner nach Australien auswandern will, sollte sich individuell von einem registrierten Migrationsagenten beraten lassen.
Firma in Australien gründen
Ist das Visum für das Auswandern nach Australien geklärt, geht die Gründung schnell. Die wichtigsten Rechtsformen sind:
- Sole Trader: Einzelunternehmen, du haftest persönlich. Du brauchst eine Australian Business Number (ABN), die kostenlos online beantragt wird.
- Partnership: Personengesellschaft mehrerer Gründer, ebenfalls mit persönlicher Haftung.
- Proprietary Limited Company (Pty Ltd): die übliche Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung, vergleichbar mit der GmbH. Ein Mindestkapital ist nicht vorgeschrieben.
- Trust: in Australien verbreitet, vor allem für Familienunternehmen, aber steuerlich komplex.
Die Pty Ltd wird bei der Aufsichtsbehörde ASIC registriert, meist online innerhalb weniger Tage. Die Registrierungsgebühr liegt seit 1. Juli 2026 bei 636 AUD, hinzu kommt eine jährliche Gebühr (Annual Review) von 342 AUD.
Wichtig: Mindestens ein Director muss gewöhnlich in Australien wohnen. Wer noch in Deutschland lebt, braucht also einen ansässigen Mitgeschäftsführer oder einen Dienstleister.
Nach der Gründung folgen die Anmeldungen beim ATO: Tax File Number (TFN), ABN und ab einem Jahresumsatz von 75.000 AUD die Registrierung für die Goods and Services Tax (GST) von 10 Prozent. Beschäftigst du Mitarbeiter, musst du Lohnsteuer (PAYG Withholding) abführen und Beiträge zur Altersvorsorge Superannuation zahlen, seit 1. Juli 2025 in Höhe von 12 Prozent des Gehalts.
Steuern für Gründer und Selbstständige
Nach dem Auswandern nach Australien bist du dort mit deinem Welteinkommen steuerpflichtig. Für Privatpersonen gelten im Steuerjahr 2026/27 (1. Juli bis 30. Juni) laut ATO folgende Sätze, jeweils zuzüglich 2 Prozent Medicare Levy:
| Zu versteuerndes Einkommen (AUD) | Grenzsteuersatz |
|---|---|
| 0 bis 18.200 | 0 % |
| 18.201 bis 45.000 | 15 % |
| 45.001 bis 135.000 | 30 % |
| 135.001 bis 190.000 | 37 % |
| über 190.000 | 45 % |
Kapitalgesellschaften zahlen 30 Prozent Körperschaftsteuer. Kleinere aktive Unternehmen (sogenannte Base Rate Entities mit einem Umsatz unter 50 Millionen AUD und überwiegend aktiven Einkünften) zahlen 25 Prozent. Ein besonderes Steuerregime für Zuzügler gibt es nicht, allerdings werden Inhaber befristeter Visa (Temporary Residents) mit ihren ausländischen Kapitaleinkünften teils begünstigt behandelt.
Zwischen Deutschland und Australien gilt ein Doppelbesteuerungsabkommen, das seit 2017 angewendet wird. Es regelt, welcher Staat welche Einkünfte besteuern darf. Für Selbstständige ist vor allem wichtig, wo die Betriebsstätte liegt und wo du deinen Lebensmittelpunkt hast. Lass dich vor dem Umzug von einem Steuerberater mit Erfahrung im deutsch-australischen Steuerrecht beraten, gerade wenn du deutsche Kunden behältst oder Anteile an einer deutschen Firma hältst.
Sozialversicherung und Krankenversicherung
Wer das Auswandern nach Australien plant, muss umdenken: Das Land kennt keine Sozialversicherung wie Deutschland. Die staatliche Rente (Age Pension) wird aus Steuern finanziert, die Altersvorsorge läuft über Superannuation. Als Selbstständiger bist du nicht verpflichtet, für dich selbst Super einzuzahlen, freiwillige Beiträge sind aber steuerlich begünstigt.
Das Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Australien sorgt dafür, dass Rentenzeiten aus beiden Ländern für den Rentenanspruch zusammengerechnet werden können. Deine in Deutschland erworbenen Rentenansprüche verfallen also nicht. Krankenversicherung deckt das Abkommen nicht ab.
Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem Medicare haben in der Regel nur Personen mit dauerhaftem Visum. Mit Deutschland besteht kein Abkommen über gegenseitige Gesundheitsversorgung. Mit befristetem Visum brauchst du deshalb eine private Krankenversicherung, die die Visumsbedingungen erfüllt. Gutverdiener ohne private Krankenversicherung zahlen zusätzlich den Medicare Levy Surcharge.
Lebenshaltungskosten: Wie viel Geld brauchst du?
Wie viel Geld man für das Auswandern nach Australien braucht, hängt stark von Visum, Stadt und Familiengröße ab. Als grobe Orientierung solltest du einplanen:
- Visagebühren und Kosten für Skills Assessment, Englischtest und Übersetzungen, bei dauerhaften Visa schnell mehrere tausend AUD pro Person,
- Umzug, Flüge und Erstausstattung,
- Mietkaution (meist vier Wochenmieten) und die erste Monatsmiete,
- eine Rücklage für sechs bis zwölf Monate Lebenshaltung, solange das Geschäft anläuft.
Mieten in Sydney und Melbourne gehören zu den höchsten der Welt, Lebensmittel und Restaurantbesuche sind spürbar teurer als in Deutschland. Brisbane, Adelaide und Perth sind günstiger, regionale Gebiete noch mehr. Wer über das Visum 190 oder ein regionales Visum kommt, lebt ohnehin oft außerhalb der großen Metropolen.
Vor dem Auswandern nach Australien: To-dos in Deutschland
Vor dem Wegzug solltest du diese Punkte abarbeiten:
- Abmeldung beim Einwohnermeldeamt. Gibst du deinen Wohnsitz in Deutschland komplett auf, endet in der Regel die unbeschränkte Steuerpflicht.
- Gewerbe oder freiberufliche Tätigkeit beim Gewerbeamt beziehungsweise Finanzamt abmelden, sofern du sie nicht weiterführst.
- Wegzugsbesteuerung prüfen: Hältst du mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft, zum Beispiel deiner GmbH, und warst du in den letzten zwölf Jahren mindestens sieben Jahre unbeschränkt steuerpflichtig, besteuert Deutschland nach § 6 AStG den fiktiven Veräußerungsgewinn. Die Steuer kann auf Antrag in sieben Jahresraten gezahlt werden.
- Krankenversicherung kündigen oder auf eine Anwartschaft umstellen, um bei einer Rückkehr nicht erneut Gesundheitsprüfungen durchlaufen zu müssen.
- Rentenversicherung: Versicherungsverlauf klären und prüfen, ob freiwillige Beiträge sinnvoll sind.
- Bankkonto: Ein deutsches Konto weiterzuführen, erleichtert laufende Zahlungen. Ein australisches Konto bei einer der großen Banken kannst du meist schon vor der Einreise online beantragen und nach Ankunft mit Ausweis aktivieren.
Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG greift nur beim Umzug in ein Niedrigsteuerland. Australien gehört angesichts seiner Steuersätze in aller Regel nicht dazu.
Markt und Kultur für Gründer
Warum nach Australien auswandern? Für Gründer spricht viel: ein stabiler Rechtsrahmen, englischsprachige Kunden, digitale Verwaltung und eine aktive Startup-Szene vor allem in Sydney und Melbourne. Australien ist zudem ein guter Ausgangspunkt für den asiatisch-pazifischen Raum. Gefragt sind unter anderem Lösungen in Gesundheit, Bergbau- und Energietechnik, Agrartechnik und Software.
Die Geschäftskultur ist informell, Vornamen sind üblich, Hierarchien flach. Trotzdem zählen Verlässlichkeit und persönliche Kontakte. Unterschätze die Entfernung nicht: Zeitzonenunterschiede von acht bis zehn Stunden machen die Betreuung deutscher Kunden anstrengend.
Wenn du noch unsicher bist, ob Englisch im Geschäftsalltag reicht, helfen dir die wichtigsten Redewendungen für Meetings auf Englisch. Und wer verschiedene Ziele vergleicht, findet in unseren Ratgebern zum Auswandern nach Neuseeland und zum Auswandern nach Kanada zwei ähnlich gelagerte Alternativen.
Checkliste: Auswandern nach Australien in 7 Schritten
Damit nichts untergeht, hilft dir diese Reihenfolge:
- Visumsweg prüfen: Berufsliste, Punktetest und Alter realistisch einschätzen, bei Bedarf einen registrierten Migrationsagenten einbeziehen.
- Nachweise vorbereiten: Skills Assessment, Englischtest, Zeugnisse und Übersetzungen.
- Steuerfolgen in Deutschland klären: Wegzugsbesteuerung, Betriebsaufgabe und laufende deutsche Einkünfte.
- Finanzen planen: Visakosten, Umzug und eine Rücklage für sechs bis zwölf Monate.
- Ankommen: Tax File Number, Bankkonto und bei dauerhaftem Visum die Anmeldung bei Medicare.
- Gründen: ABN beantragen, gegebenenfalls Pty Ltd bei ASIC registrieren und ab 75.000 AUD Umsatz GST anmelden.
- Absichern: Krankenversicherung, Superannuation und Buchhaltung organisieren.
Häufige Fragen
Wie kann man nach Australien auswandern?
Der übliche Weg führt über ein Fachkräftevisum (189 oder 190) mit Punktetest und Skills Assessment oder über ein arbeitgebergestütztes Visum. Herausragende Gründer und Experten können sich für das National Innovation Visa bewerben. Danach ist die Gründung eines eigenen Unternehmens problemlos möglich.
Was braucht man, um nach Australien auswandern zu können?
Für das Auswandern nach Australien brauchst du ein passendes Visum, nachgewiesene Englischkenntnisse, ein Gesundheits- und Führungszeugnis, bei Fachkräftevisa eine Berufsanerkennung sowie ausreichende finanzielle Reserven für die Startphase.
Gibt es noch ein Unternehmervisum für Australien?
Das klassische Business Innovation and Investment Program ist seit Juli 2024 für neue Anträge geschlossen. Für neue Gründer bleiben vor allem Fachkräftevisa und das National Innovation Visa.
Wie viel Geld braucht man, um nach Australien auszuwandern?
Eine feste Summe für das Auswandern nach Australien gibt es nicht. Neben Visakosten von oft mehreren tausend AUD solltest du Umzug, Mietkaution und eine Reserve für sechs bis zwölf Monate Lebenshaltung einplanen, in Sydney oder Melbourne deutlich mehr als in regionalen Gebieten.
Fazit
Das Auswandern nach Australien ist für Gründer attraktiv, aber nichts, was man spontan mit einer Geschäftsidee angeht. Der Engpass ist fast immer das Visum. Ist ein dauerhafter Aufenthaltstitel gesichert, sind Firmengründung, Steueranmeldung und Bankkonto schnell erledigt.
Plane rechtzeitig die steuerlichen Folgen in Deutschland, besonders bei GmbH-Anteilen, und lass dir bei Visum und Steuern professionell helfen. Einen Überblick, wie internationale Gründungen grundsätzlich funktionieren, gibt dir unser Beitrag zu internationalen Gründungen.
Quellen
- Australian Taxation Office: Tax rates for Australian residents
- NSW Government: Business and investor visas
- Department of Home Affairs: Working Holiday visa (subclass 417)
- Department of Home Affairs: Visas for innovation
- GTAI: Australien – Aufenthalt und Entsendung
- Department of Social Services: Social Security Agreement Australia–Germany
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Steuer- oder Migrationsberatung. Stand Oktober 2026.
