Gründung & Recht

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Auswandern nach Mallorca 2026: Leitfaden für Selbstständige

NIE, Autónomo oder SL, Steuern, Sozialversicherung und Wohnkosten: Was Gründer und Selbstständige vor dem Umzug nach Mallorca klären sollten.

LH

Aktualisiert am 16.10.2026

Auswandern nach Mallorca

Auswandern nach Mallorca ist für Deutsche rechtlich so einfach wie kaum ein anderes Ziel: Als EU-Bürger brauchst du kein Visum und darfst dich auf der Insel frei niederlassen, arbeiten und ein Unternehmen gründen. Die eigentlichen Hürden liegen woanders: im spanischen Steuer- und Sozialsystem für Selbstständige, in der Bürokratie und in einem der teuersten Wohnungsmärkte Spaniens.

Dieser Leitfaden richtet sich an Selbstständige, Freelancer und Gründer, die ihr Business auf Mallorca betreiben oder neu aufbauen wollen. Du erfährst, welche Anmeldungen nötig sind, ob du als Autónomo oder mit einer Sociedad Limitada startest, wie Steuern und Sozialversicherung funktionieren und was du in Deutschland vor dem Wegzug klären musst.

Die Angaben entsprechen dem Stand Oktober 2026. Steuerliche Fragen hängen stark vom Einzelfall ab, eine Beratung durch eine Steuerkanzlei mit Erfahrung in Deutschland und Spanien ist vor dem Umzug sinnvoll.

Auswandern nach Mallorca als Selbstständiger: der Überblick

Wer über das Auswandern nach Mallorca nachdenkt, sollte wissen: Die Insel gehört zur autonomen Region Balearen und unterliegt spanischem Recht. Amtssprachen sind Spanisch und Katalanisch, wobei Behörden auf den Balearen häufig katalanische Formulare verwenden. Die deutschsprachige Community ist groß, viele Mallorca-Auswanderer arbeiten in Tourismus, Immobilien, Handwerk, Gastronomie, Gesundheit oder als Remote-Freelancer für Kunden in Deutschland.

Gerade die Kombination aus kurzen Flugzeiten und EU-Binnenmarkt macht die Insel für Online-Selbstständige attraktiv. Trotzdem gilt: Wer beim Auswandern nach Mallorca seinen Lebensmittelpunkt verlegt, wird in der Regel in Spanien steuer- und sozialversicherungspflichtig. Ein „Halb-Auswandern“ mit deutscher Firma und spanischem Wohnsitz ist riskant, wenn es nicht sauber strukturiert ist.

Was braucht man, um nach Mallorca auszuwandern?

Für das Auswandern nach Mallorca sind für EU-Bürger folgende Schritte Pflicht oder praktisch unverzichtbar:

  1. NIE (Número de Identidad de Extranjero): deine Ausländer-Identifikationsnummer, nötig für Mietvertrag, Bankkonto, Steuern und Firmengründung.
  2. Empadronamiento: Eintragung ins Melderegister deiner Gemeinde mit Miet- oder Kaufvertrag.
  3. Certificado de registro de ciudadano de la Unión: Wer länger als drei Monate bleibt, muss sich laut spanischer Polizei innerhalb von drei Monaten nach Einreise persönlich registrieren (Formular EX-18, Gebühr Modelo 790 Código 012). Selbstständige weisen ihre Tätigkeit etwa durch die Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung nach.
  4. Anmeldung der Tätigkeit: bei der Steuerbehörde (Agencia Tributaria, Modelo 036/037) und bei der Sozialversicherung (Seguridad Social).
  5. Digitales Zertifikat: für fast alle Behördengänge online, in der Praxis unverzichtbar.

Termine bei der Extranjería sind auf Mallorca oft knapp. Plane für die Anmeldungen einige Wochen ein und lass dich bei Bedarf von einer Gestoría unterstützen, die Behördengänge gegen Gebühr übernimmt.

Autónomo oder Sociedad Limitada?

Für die Selbstständigkeit auf der Insel gibt es zwei gängige Wege: den Autónomo (Einzelunternehmer) und die Sociedad Limitada (SL), das spanische Gegenstück zur GmbH.

Kriterium Autónomo Sociedad Limitada (SL)
Gründung Anmeldung bei Finanzamt und Seguridad Social, oft in wenigen Tagen Notar, Handelsregister (Registro Mercantil), Steuernummer; online über CIRCE möglich
Mindestkapital keines seit 2022 gesetzlich ab 1 Euro, unter 3.000 Euro gelten besondere Rücklagepflichten
Haftung persönlich und unbeschränkt auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt
Besteuerung Einkommensteuer (IRPF), progressiv Körperschaftsteuer: regulär 25 %, 2026 für KMU unter 10 Mio. Euro Umsatz 23 %, für Kleinstunternehmen unter 1 Mio. Euro 19 %/21 %, für neue Firmen 15 %
Sozialversicherung monatliche Autónomo-Quote nach Einkommen Geschäftsführer meist ebenfalls als Autónomo societario versichert
Laufende Kosten Buchhaltung oft ab rund 60–100 Euro im Monat (Gestoría) höher: Jahresabschluss, Bilanzhinterlegung, Steuererklärungen

Für den Start mit überschaubarem Gewinn ist der Autónomo meist einfacher. Eine SL lohnt sich eher bei höheren Gewinnen, Haftungsrisiken oder mehreren Gesellschaftern. Wie du grenzüberschreitend die passende Struktur wählst, beschreibt unser Beitrag International gründen.

Sozialversicherung als Autónomo

Seit 2023 richtet sich die monatliche Autónomo-Quote nach dem tatsächlichen Nettoeinkommen. 2026 reicht sie laut der Tabelle der Seguridad Social von rund 206 Euro im niedrigsten bis etwa 607 Euro im höchsten Tramo. Neue Autónomos zahlen im ersten Jahr eine Flatrate (Tarifa plana) von 80 Euro im Monat. Sie kann um zwölf Monate verlängert werden, wenn das Jahres-Nettoeinkommen unter dem spanischen Mindestlohn (SMI) liegt; 2026 beträgt der SMI 1.221 Euro × 14 Zahlungen, also 17.094 Euro im Jahr. Die Beiträge decken unter anderem die öffentliche Gesundheitsversorgung, Rente und Krankengeld ab.

Zusätzlich fällt in der Regel 21 Prozent Mehrwertsteuer (IVA) an, die quartalsweise erklärt wird. Für Leistungen an Unternehmen in anderen EU-Staaten gilt meist das Reverse-Charge-Verfahren.

Steuern für Gründer auf Mallorca

Einkommensteuer (IRPF)

Wer mehr als 183 Tage im Jahr in Spanien lebt oder dort seinen Lebensmittelpunkt hat, ist in Spanien unbeschränkt steuerpflichtig. Die IRPF setzt sich aus einem staatlichen und einem regionalen Anteil zusammen und ist progressiv. Die Spitzensätze liegen je nach Region bei rund 45 bis über 50 Prozent, die Balearen gehören nicht zu den günstigsten Regionen. Autónomos leisten vierteljährliche Vorauszahlungen (in der Regel 20 Prozent des Gewinns).

Sonderregime für Zuzügler

Das sogenannte Impatriados-Regime (bekannt als Beckham-Gesetz) wurde durch das Startup-Gesetz (Ley 28/2022) erweitert. Wer in den fünf Jahren zuvor nicht in Spanien steueransässig war, kann unter bestimmten Voraussetzungen für einige Jahre einen pauschalen Satz von 24 Prozent auf spanische Arbeitseinkünfte bis 600.000 Euro wählen. Das gilt unter anderem für Remote-Arbeitnehmer, Geschäftsführer von Startups und Gründer innovativer, anerkannter Unternehmen. Klassische Autónomos ohne solche Anerkennung profitieren in der Regel nicht.

Körperschaftsteuer

Der Regelsatz beträgt 25 Prozent. Durch die Reform mit Ley 7/2024 gelten für kleinere Gesellschaften gestaffelte, schrittweise sinkende Sätze. 2026 zahlen Kleinstunternehmen mit weniger als 1 Mio. Euro Umsatz 19 Prozent auf die ersten 50.000 Euro Gewinn und 21 Prozent auf den Rest, kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 10 Mio. Euro Umsatz 23 Prozent. Neu gegründete Gesellschaften zahlen im ersten Jahr mit Gewinn und im Folgejahr 15 Prozent. Anerkannte Startups (empresas emergentes) zahlen laut Ley 28/2022 im ersten Jahr mit positiver Bemessungsgrundlage und den drei folgenden Jahren ebenfalls nur 15 Prozent.

Doppelbesteuerung und deutsche Wegzugsregeln

Beim Auswandern nach Mallorca verhindert das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Spanien, dass dieselben Einkünfte doppelt besteuert werden. In Deutschland solltest du prüfen:

  • Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG: Bei einer Beteiligung von mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft (etwa deiner GmbH) wird beim Wegzug ein fiktiver Veräußerungsgewinn versteuert. Seit 2022 gilt auch bei einem Umzug innerhalb der EU keine zinslose Dauerstundung mehr, sondern auf Antrag eine Ratenzahlung über sieben Jahre.
  • Ort der Geschäftsleitung: Führst du deine deutsche GmbH von Mallorca aus, kann Spanien die Gesellschaft als dort steuerpflichtig ansehen.
  • Abmeldung: Wohnsitz beim Bürgeramt abmelden, Finanzamt informieren, Gewerbe abmelden oder ummelden.

Einen Einstieg in die Besteuerung von Selbstständigen in Deutschland findest du unter Steuern für Freiberufler.

Krankenversicherung und Rente

Mit der Anmeldung als Autónomo bist du im spanischen Gesundheitssystem (auf den Balearen: IB-Salut) versichert. Viele Auswanderer schließen zusätzlich eine private Krankenversicherung ab, um Wartezeiten zu verkürzen und deutschsprachige Ärzte zu nutzen. Arbeitest du nur vorübergehend von Mallorca aus und bleibst in Deutschland versichert, brauchst du eine A1-Bescheinigung.

Deine in Deutschland erworbenen Rentenansprüche bleiben erhalten. Innerhalb der EU werden Versicherungszeiten zusammengerechnet, jedes Land zahlt später seinen Anteil. Für Gründer ab 50 lohnt ein Blick auf unseren Beitrag Selbstständig mit 50.

Lebenshaltungskosten und Wohnen

Auswandern nach Mallorca ist nichts für knappe Budgets. Laut einer Auswertung des Portals Idealista kostete ein WG-Zimmer in Palma im zweiten Quartal 2026 im Schnitt 550 Euro im Monat, 22 Prozent mehr als im Vorjahr und deutlich mehr als im spanischen Durchschnitt. Selbst im günstigsten Ort der Balearen lag der Kaufpreis laut Idealista bei rund 2.500 Euro pro Quadratmeter.

Region Profil Preisniveau
Palma Behörden, Coworking, Netzwerk, ganzjährig belebt hoch
Südwesten (Andratx, Calvià, Portals) exklusiv, internationale Kundschaft sehr hoch
Norden (Pollença, Alcúdia) familienfreundlich, im Winter ruhig mittel bis hoch
Inselinneres (Inca, Petra, Sineu) authentisch, gute Anbindung nach Palma vergleichsweise günstiger

Lebensmittel kosten ungefähr so viel wie in Deutschland, Strom, Autos und importierte Waren teils mehr. Kurzzeitvermietung an Touristen ist auf den Balearen stark reguliert, in Palma sind neue Ferienvermietungen weitgehend untersagt. Plane eine Ferienwohnung als Einnahmequelle daher nicht ohne rechtliche Prüfung ein.

Bankkonto, Markt und Kultur

Ein spanisches Konto eröffnest du mit NIE und Ausweis. Für Lastschriften, Steuern und Sozialversicherung ist es praktisch Pflicht. Viele Selbstständige behalten zusätzlich ihr deutsches Geschäftskonto für deutsche Kunden.

Wer auf lokale Kunden setzt, sollte wissen: Der Markt ist stark vom Tourismus geprägt und saisonal. Zwischen November und März sinkt die Nachfrage in vielen Branchen deutlich.

Gute Chancen haben Dienstleistungen für die internationale Community, zum Beispiel Immobilienservices, Handwerk, Gesundheit, Beratung oder digitale Dienstleistungen. Geschäftsbeziehungen auf der Insel laufen stark über persönliche Kontakte, Spanischkenntnisse und etwas Katalanisch verschaffen dir einen echten Vorteil. Wie du dir vor Ort einen Kundenstamm aufbaust, zeigt unser Ratgeber zur Neukundengewinnung.

Typische Fehler beim Auswandern nach Mallorca

  • Den Wohnsitz in Deutschland behalten und trotzdem überwiegend auf der Insel leben: Das führt schnell zu Steuerpflichten in beiden Ländern.
  • Ohne Anmeldung als Autónomo für lokale Kunden arbeiten: Schwarzarbeit wird in Spanien mit hohen Bußgeldern geahndet.
  • Die Nebensaison unterschätzen: Umsatz und soziale Kontakte brechen in vielen Orten im Winter deutlich ein.
  • Ohne Rücklagen starten: Kaution, Maklerkosten und die ersten Steuervorauszahlungen binden schnell mehrere Tausend Euro.

Wenn dir Mallorca zu teuer ist, lohnt ein Vergleich mit anderen Zielen im Süden Europas, etwa Madeira.

Häufige Fragen

Was braucht man, um nach Mallorca auszuwandern?

Zum Auswandern nach Mallorca brauchst du einen gültigen Personalausweis oder Reisepass, eine NIE, eine Wohnung mit Eintragung ins Melderegister, die EU-Registrierung bei längerem Aufenthalt sowie eine Krankenversicherung und ein Einkommen. Selbstständige melden sich zusätzlich bei Finanzamt und Seguridad Social an.

Brauche ich zum Auswandern nach Mallorca ein Visum?

Nein. Als EU-Bürger darfst du ohne Visum in Spanien leben, arbeiten und gründen. Bei einem Aufenthalt über drei Monate musst du dich aber registrieren.

Wie viel kostet die Sozialversicherung als Autónomo?

Im ersten Jahr meist 80 Euro im Monat (Tarifa plana), danach je nach Nettoeinkommen etwa 206 bis 607 Euro monatlich (Stand 2026).

Kann ich meine deutsche Firma behalten?

Ja, aber Achtung: Wird die Firma tatsächlich von Mallorca aus geleitet, kann sie in Spanien steuerpflichtig werden. Bei GmbH-Anteilen kommt zudem die Wegzugsbesteuerung in Betracht. Lass die Struktur vorher prüfen.

Fazit

Auswandern nach Mallorca ist für Gründer und Selbstständige rechtlich unkompliziert, wirtschaftlich aber anspruchsvoll. Hohe Mieten, eine einkommensabhängige Autónomo-Quote, quartalsweise Steuerpflichten und ein saisonaler Markt wollen eingeplant sein. Wer ein ortsunabhängiges Einkommen oder eine klare Nische für die internationale Community mitbringt, Spanisch lernt und die steuerliche Seite vorab klärt, findet auf der Insel trotzdem gute Bedingungen. Teste Mallorca idealerweise außerhalb der Hauptsaison, bevor du deinen Wohnsitz in Deutschland aufgibst.

Quellen

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